Exit Mutterschaft: Ein steiniger Weg

Leserkommentar12. Mai 2013, 14:38
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Wenn Frauen sich für ein Kind entscheiden, entscheiden sie sich nicht gegen Karriere, Wohlstand und Freiheit. Das ist aber leider oft die Realität

Wieder einmal Muttertag. Heute, 2013, sind jene Mädchen Mütter, die vor 20, 30, 40 Jahren selbst Muttertags-Gedichtchen in der Schule gelernt und sie freudestrahlend oder widerwillig, vielleicht auch gar nicht, ihren Müttern am Sonntag aufgesagt haben.

Haben sich ihre einstigen Vorstellungen von Mutterschaft realisiert und erleben sie das Muttersein erfüllend? Wenn wir uns umsehen, welchen Lebensstandard die Mütter, die wir kennen pflegen, welche Autos sie fahren, welche Urlaubsdestinationen sie bevorzugen, wofür sie ihr sauer verdientes Geld ausgeben, wie sie ihre Freizeit verbringen und bei welchen Banken sie ihre Guthaben deponieren, dann haben wir mit einem Blick erfasst, was es bedeutet, in Österreich Mutter zu sein.

Wenn Frauen Mütter werden, entscheiden sie sich für ein Kind. Die wenigsten von uns entscheiden sich damit gegen Karriere, Wohlstand und Freiheit und dennoch liegt es auf der Hand, dass Frauen die Kinder haben, durchschnittlich weniger verdienen, als kinderlose, kaum nennenswerte berufliche Karrieren hinlegen oder jemals zu den Topverdienern dieses Erdballs gehören werden.

Transferzahlungen wie Kinderbetreuungsgeld und Familienbeihilfe täuschen niemanden darüber hinweg, dass sich unsere Gesellschaft gerade einmal bemüht, Mütter nicht verhungern zu lassen, aber mehr schon nicht. Die Abhängigkeit der Gebärfreudigen von Vollzeitverdienern bleibt lebenslang erhalten. Kinderbetreuung ist auch in unseren Tagen das Frauenthema Nummer eins. Am Muttertag denken noch wenige daran, dass bald schon die neunwöchigen Sommerferien ins Haus stehen. Wer erledigt in Ihrem Umfeld die Gratiskinderbetreuung in dieser langen Zeit?

Selbst in der Altersarmut angelangt, freuen sich Mütter, wenn ihre mittlerweile erwachsen Kinder, mit Blumen und Enkerln vorbeischauen und mit ihnen gemeinsam den Muttertag oder doch wenigstens ein paar familiäre Stunden verbringen. Holprig werden die Mutter preisende Verse vorgetragen und Mamis und Omis geherzt und geküsst. So sehen wir, dass sich am Muttertag innerhalb der letzten Jahrzehnte kaum etwas geändert hat.

Die Erwartungen der gut ausgebildeten Mädchen von heute an ihre Zukunft sind hochfliegend. Sie sind als Vorzugsschülerinnen, Akademikerinnen oder Fachfrauen auf dem Highway zu Wohlstand und Selbstverwirklichung. Wenn sie den Exit "Mutterschaft" wählen, wird der Weg steinig und schwer. Keine noch so süße Muttertagstorte mag uns darüber hinwegzutäuschen. (Eva Surma, Leserkommentar, derStandard.at, 12.5.2013)

Eva Surma ist Geschäftsführerin der Frauenberatungsstelle Leibnitz.

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