Jeder Dritte würde sein Haustier für eine neue Wohnung weggeben

8. Mai 2013, 18:25
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Ein generelles Haustierverbot ist jedoch gar nicht gültig, informiert die Mietervereinigung

52.000 Hunde, mehr als 250.000 Katzen und eine nicht näher bekannte Anzahl von Vögeln, Kleinnagern, Reptilien und Fischen leben laut MA 60 in Wiens Haushalten. Doch nicht immer währt die Beziehung ewig: Eine aktuelle Umfrage einer Immobilienplattform unter 539 Österreichern ergab, dass jeder Dritte das Haustier für eine schönere Wohnung aufgeben würde.

Immerhin 23 Prozent würden das Haustier zumindest nur weggeben, wenn ein guter Platz für sie gefunden wird. Doch 13 Prozent würden sich von Hunden, Katzen oder Kleintieren sofort verabschieden, egal wo die Tiere danach unterkommen. Ein Faktor ist laut Umfrage das Geschlecht: 41 Prozent der Männer, aber nur 31 Prozent der Frauen würden sich von ihren Haustieren trennen.

Mieterrecht: Haustiere nicht generell verboten

Dabei lohnt sich ein Blick auf die Rechte der Mieter, empfiehlt Georg Niedermühlbichler, Präsident der Mietervereinigung Österreichs. Denn laut OGH-Urteil aus dem Jahr 2011 kann Mietern die Haltung von Tieren im Mietvertrag nicht generell verboten werden. Die Haltung von Kleintieren wie Hamster, Meerschweinchen oder Zierfischen sei daher auch ohne Zustimmung des Vermieters zulässig, informiert Niedermühlbichler.

"Will der Vermieter also dem neuen Mieter Hunde oder Katzen verbieten, muss er bei Abschluss des Vertrags noch einmal darauf aufmerksam machen", sagt der Experte. Er muss diesen Wunsch jedoch nicht begründen. Meist würden diese Klauseln sowieso nur herangezogen, um Mieter loszuwerden, berichtet er.

Keine Störung von Nachbarn

Durch die Haltung der Tiere dürfe jedoch keine Störung der Nachbarn entstehen, sagt Niedermühlbichler: "Babygeschrei müssen die Nachbarn aushalten. Hunde, die stundenlang bellen, aber nicht." Zudem sei logisch, dass etwa Animal Hoarding, also das Halten von vielen Tieren auf zu kleinem Raum, nicht zulässig ist - allein schon aus tierschutzrechtlichen Gründen.

Anzeigepflicht bei Wildtieren

Dieses Gesetz schreibt übrigens auch einen besonderen Umgang mit Wildtieren, die von Menschen gehalten werden, vor: Viele Wildtiere dürfen nur in Zoos oder in wissenschaftlichen Einrichtungen gehalten werden. Andere Tierarten können zwar unter bestimmten Voraussetzungen bei Privatpersonen leben, sind aber innerhalb von zwei Wochen im Veterinärreferat anzeigepflichtig.

Tierheime ständig mit dem Thema konfrontiert

Das Tierheim Pfotenhilfe in Oberösterreich kann bestätigen, dass viele Haustiere wegen einer geänderten Wohnsituation abgegeben werden. "Die Lebensumstände verändern sich immer wieder, beispielsweise durch Jobwechsel oder eine neue Wohnung. Doch anstatt diese an das Haustier anzupassen, wird es einfach ins Tierheim gebracht", kritisiert Geschäftsführerin Johanna Stadler.

Besonders schlimm sei die Trennung für Katzen und Hunde. Viele Tiere trauern daher im Tierheim: Sie fressen wenig und sind antriebslos, weil sie die Trennung von ihrer Familie und die neue Situation nicht verkraften.

Haustier bedeutet jahrelange Verantwortung

Nicht alle, die sich ein Heimtier zulegen, sind sich der Verantwortung bewusst, bestätigt auch Nikola Furtenbach, Kampagnenleiterin von Vier Pfoten. Eine gewisse Stabilität der Lebenssituation sollte demnach gegeben sein. Wichtig sind zudem die Faktoren Zeit und Platz: Ein potenzieller Tierhalter muss über die Ansprüche des gewünschten Tieres informiert sein und ihm in Folge genügend Beschäftigung, Sozialkontakte und Bewegung bieten können.

Gedanken sollte man sich auch darüber machen, wer die Pflege des Tiers im Fall eines Urlaubs oder Krankenhausaufenthalts übernehmen kann. "Auch die Kosten für überraschende Tierarztbesuche werden oft unterschätzt", sagt Furtenbach. (jus, derStandard.at, 8.5.2013)

Ratgeber für den Umgang mit verschiedenen Haustieren von Vier Pfoten

Mietervereinigung Österreich

Die Studie über Wohnen und Leben wurde im vergangenen Winter durch das Marktforschungsinstitut Innofact im Auftrag von immowelt.at durchgeführt.

  • Haustiere dürfen laut OGH nicht generell verboten werden. Bis zu einem gewissen Grad sei das Zusammenleben mit Tieren normal und alltäglich.
    foto: der standard/heribert corn

    Haustiere dürfen laut OGH nicht generell verboten werden. Bis zu einem gewissen Grad sei das Zusammenleben mit Tieren normal und alltäglich.

  • Es darf jedoch keine Belästigung für die Nachbarn entstehen. Diese müssen zum Beispiel Babygeschrei ertragen, aber Dauerbellen von einsamen Hunden nicht.
    foto: der standard/heribert corn

    Es darf jedoch keine Belästigung für die Nachbarn entstehen. Diese müssen zum Beispiel Babygeschrei ertragen, aber Dauerbellen von einsamen Hunden nicht.

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