Stephen Hawking schließt sich akademischem Boykott Israels an

8. Mai 2013, 17:10
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Konferenz-Teilnahme abgesagt - nun herrscht Unklarheit, ob aus politischen oder gesundheitlichen Gründen

Jerusalem/Ramallah/London - Nachdem der berühmte britische Physiker Stephen Hawking seine Teilnahme an einer Konferenz in Jerusalem zurückgezogen hat, gibt es jetzt widersprüchliche Begründungen. War die Absage ein politischer Protest gegen Israel oder erfolgte sie aus rein gesundheitlichen Gründen?

Hawking sollte im Juni nach Israel reisen und dort auf der Konferenz "Facing Tomorrow" sprechen. Deren Schirmherr ist Israels Präsident Shimon Peres. Doch der 71-jährige Forscher hat seine Teilnahme an der Konferenz abgesagt.

Gesundheitliche oder politische Gründe?

Ein Sprecher der University of Cambridge sagte, dass Hawking aus gesundheitlichen Gründen abgesagt habe. Der Forscher leidet seit Jahrzehnten an der schweren Nervenkrankheit ALS. "Seine Ärzte raten ihm momentan, nicht zu fliegen. Deshalb hat er sich entschlossen, nicht teilzunehmen", so Sprecher Tim Holt am Mittwoch nach Angaben von "Spiegel Online".

Das British Committee for the Universities of Palestine (BRICUP) erklärte dagegen, Hawkings Absage geschehe aus politischen Gründen. Die Entscheidung beruhe "auf seinem Wissen über Palästina und dem einhelligen Rat seiner akademischen Kontakte dort". Hawking selbst äußerte sich nicht. Britischen Medienberichten zufolge billigte er aber die Mitteilung des BRICUP, das meldeten die "BBC" und der "Guardian".

Der Boykott

Einige Akademiker wollen Israel durch einen Boykott auf internationaler Bühne isolieren. Und die Organisatoren der Konferenz sagten, Hawking hätte in einer E-Mail diesen Boykott als Grund für seine Absage genannt.

Anfang der Woche wurde Hawkings Name von der Teilnehmerliste gestrichen, auf der sich unter anderem der frühere US-Präsident Bill Clinton und der ehemalige britische Premierminister Tony Blair finden. Viele Persönlichkeiten aus Kunst und Unterhaltung hatten bereits in den vergangenen Jahren Auftritte in Israel mit Verweis auf den Nahost-Konflikt verweigert, darunter der britische Sänger Elvis Costello und die US-Band Pixies. (APA/red, derStandard.at, 8. 5. 2013)

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