"Ganz Österreich liegt sich in den Armen"

8. Mai 2013, 11:58
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Salzburger Déjà-vu: Erst Düdelingen, dann Pasching - Bullen nach Halbfinal-Schmach im Cup gegen Kooperationsverein angeschlagen

Salzburg - Red Bull Salzburg steht keine zehn Monate nach Düdelingen vor der Aufarbeitung einer neuerlichen Schmach. Mit einer 1:2-Heimniederlage verabschiedete sich der Titelverteidiger am Dienstagabend höchst blamabel gegen den FC Pasching aus dem ÖFB-Cup. Während die Oberösterreicher über den ersten Finaleinzug eines Drittligisten in der Cup-Geschichte jubelten, musste Trainer Roger Schmidt Erklärungen für einen uninspirierten Auftritt des Ligakrösus finden.

"Jetzt müssen wir uns schütteln und versuchen, diese Enttäuschung so schnell wie möglich zu verarbeiten", meinte der Deutsche, der auf der Bank mehr Emotionen zeigte als seine Kicker auf dem Feld. Wie die Demontage in der Öffentlichkeit aufgenommen wird, war Schmidt klar: "Ganz Österreich liegt sich jetzt in den Armen und freut sich."

Locker-lässig agierten die Salzburger, die nach der Führung von Havard Nielsen (48.) noch einen weiteren Gang zurückschalteten. Pasching schaffte durch Ivan Kovacec (69.) und Daniel Kerschbaumer (79.) sensationell die Wende, während der Favorit mit unwirksamen Mitteln versuchte, dem Aus zu entrinnen. Nach 94 Minuten war das Scheitern Gewissheit. Red-Bull-Sportdirektor Ralf Rangnick schüttelte auf der mit lediglich 2.726 Zuschauern besetzten Tribüne den Kopf, Schmidt war merklich angeschlagen.

Strohhalm Meisterschaft

Nach dem Aus in der Champions-League-Qualifikation gegen Düdelingen wenige Wochen nach seinem Amtsantritt erlebte der Deutsche ein unliebsames Déjà-vu. Fahrlässig "vorne und hinten" sei man gewesen, "ohne Elan", erklärte Schmidt. Nach Champions League und Cup bleibt dem 46-Jährigen nur noch die Meisterschaft, um zumindest eines seiner drei ausgewiesenen Saisonziele zu erreichen. In der Liga liegt Salzburg vier Runden vor Schluss als Zweiter sechs Zähler hinter der Austria.

"Das Einzige, was wir machen können, ist, eine entsprechende Reaktion in der Meisterschaft zu zeigen. Aber leider haben wir es da nicht in der eigenen Hand", erkannte Schmidt. Mit der Auswärtsfahrt zum SC Wiener Neustadt wartet am Wochenende neuerlich eine undankbare Aufgabe. In Niederösterreich wird jedoch wieder die Erfolgself der vergangenen Wochen einlaufen.

Sieben Umstellungen

Schmidts Poker mit sieben Umstellungen im Cup ging jedenfalls nicht auf. Von den Reservisten drängte sich keiner für künftige Aufgaben auf, auch die Teamspieler Christoph Leitgeb und Florian Klein waren völlig von der Rolle. Als Grund für die Pleite ließ Schmidt das aber nicht gelten: "Wir haben einen guten Kader, da muss man dieses Spiel gewinnen."

Aus den Reihen der Spieler stellte sich Torhüter Eddie Gustafsson den Mikrofonen. Der Schwede war aber ebenso ratlos: "Wir haben wenige Torchancen vorgefunden, das haben wir uns nicht so vorgestellt. Das tut wirklich weh." Dabei sei die Vorbereitung auf die Partie nach Plan verlaufen, auch Überheblichkeit habe er nicht festgestellt: "Wir haben den Gegner sicher nicht unterschätzt. Woran es gelegen hat, kann ich nicht sagen."

Zumindest ein positiver Aspekt für Salzburg blieb: Der vor dem konzerninternen Duell geäußerte Verdacht einer internen Stallorder wurde am Dienstagabend gänzlich entkräftet.

Pasching international

Sollte die Austria in Ried am Mittwoch siegen, steht Pasching bereits fix in der Qualifikation zur Europa League. Dann sollte auch die Verbindung zu Red Bull keine Probleme bereiten. Der Getränkekonzern finanziert auch Bundesligist Salzburg, der bereits das Ticket für den Start in der Qualifikation zur Champions League gelöst hat. Die UEFA verbietet zwar die Teilnahme von mehr als einem Club unter Abhängigkeit eines Konzerns an ihren Wettbewerben. Entscheidend ist dabei aber der "kontrollierende Einfluss".

Diesbezüglich sieht sich Pasching vonseiten des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) abgesichert. Dieser muss im Sommer auch die Nennung der rot-weiß-roten Europacup-Teilnehmer bei der UEFA durchführen. Der ÖFB sah bereits im Vorfeld des Halbfinales kein Problem, da Red Bull bei den Oberösterreichern nur als Sponsor, nicht aber als Eigentümer auftritt.

"Eigenständiger Verein"

"Der ÖFB hat dies geprüft und es gab keine Beanstandungen. Wir sind ein eigenständiger Verein, der nur denselben Sponsor hat", meinte Paschings Geschäftsführer Norbert Schnöll. In diesem Zusammenhang erinnerte Schnöll auch an vergleichbare Fälle. Schließlich habe Schalke 04 und Zenit St. Petersburg mit dem Energie-Riesen Gazprom ebenfalls denselben Hauptsponsor. Dies gelte auch für Real Madrid und den AC Milan mit dem Online-Sportwettenanbieter bwin.

"Ressourcen vorhanden"

Organisatorisch ist das Thema Europacup für Pasching kein Problem. "Wir sind sehr gut aufgestellt. Es wäre ungeplant, aber die Ressourcen sind vorhanden", erklärte Schnöll. Auch das Waldstadion erfüllt alle Kriterien für internationale Spiele. Am 22. Mai wird Europas Fußballverband jedenfalls wieder vorstellig, um das Stadion zu kategorisieren. (APA/red, 8.5.2013)

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    Ratlose Gesichter auf der Bullen-Bank.

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    Die Paschinger Strahlemänner Ivan Kovacec (li.) und Daniel Kerschbaumer.

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