Bello allein zu Hause: Die Katastrophe der Einsamkeit

Blog28. Mai 2013, 05:30
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Zerbissene Türstöcke, blutig gekratzte Pfoten oder Kot im Haus: Brigid Weinzinger berichtet von Hunden, die sich nicht mehr zu helfen wissen vor lauter Angst

Userin "Maya Shanker" schickte eine Anfrage zum Thema Alleinbleiben: "Mein Hund weigert sich, alleine zu Hause zu bleiben. Sobald ich aus dem Haus bin, beginnt sie zu heulen, kratzt an der Tür und kotet. Wie kann ich ihr und mir helfen?"

Alleine bleiben ist für viele Hunde kein Thema und für manche die totale Katastrophe. Wie das kommt? Wenn Welpen zu früh, zu lange oder in einer sensiblen Lebenswoche plötzlich alleine gelassen werden, kann das eine so verängstigende bis traumatische Erfahrung sein, dass Alleinebleiben danach ein echtes Problem ist. Dasselbe gilt für erwachsene Hunde, die nicht ganz so selbstsicher sind und denen einmal etwas Schlimmes widerfahren ist, als sie gerade alleine zu Hause waren.

In beiden Fällen kann die Trennung von ihren Bezugspersonen bei solchen Hunden eine derartige Panik auslösen, dass sie versuchen, mit aller Gewalt bei der Tür oder einem Fenster hinauszukommen: Zerbissene Türstöcke, blutig gekratzte Pfoten oder aufgescharrtes Mauerwerk neben dem Ausgang legen Zeugnis davon ab. 

Dauerbellen vor lauter Angst

In weniger extremen Fällen reagiert der Hund "nur" mit Dauerbellen, Zerbeißen von Gegenständen oder Möbelstücken und Koten oder Urinieren in der Wohnung auf den enormen Stress des Alleinseins. Das Zerstörungswerk geschieht dabei nicht mutwillig oder "aus Protest", sondern der Hund weiß sich wirklich nicht mehr zu helfen vor lauter Angst und leidet extrem.

Echte Trennungsangst muss sehr ernst genommen werden, und es dauert leider lange, bis sie überwunden ist. Keinesfalls hilft es, den Hund einfach in eine Box oder ins Badezimmer zu sperren, damit er während des Alleinbleibens nichts kaputt machen kann. Die Angst hat der Hund trotzdem.

Angelerntes Bellen von echter Angst unterscheiden

Etwas anderes ist es, wenn der Hund vor Aufregung bellt, wenn sein Mensch das Haus verlassen will, und damit erreicht, dass dieser immer wieder umkehrt, um ihn zu beruhigen. Das ist dann keine wirkliche Trennungsangst, sondern angelerntes Bellen.

Bei wirklicher Trennungsangst muss auf die Ursache eingegangen und die Angst vor dem Alleinebleiben schrittweise abgebaut werden. In der Regel reagiert der Hund schon vorher ängstlich und wird bei den ersten Anzeichen, dass sein Mensch nun weggehen wird, nervös. Das beginnt also zum Beispiel schon beim Schuheanziehen oder dem Griff zu Handy und Schlüssel. 

Jeder Schritt muss geübt werden

Die extremste Form, die ich je erlebt habe, wies die kleine Mischlingshündin Luna auf. Sie reagierte schon aufs Weckerklingeln mit Unruhe und Hektik, weil sie genau wusste: Wenn der Wecker klingelt, dann steht Frauchen auf, dann geht sie ins Bad, dann zieht sie sich an und dann geht sie bald weg, und ich bin alleine.

Alle diese einzelnen Schritte mussten mit Luna separat geübt werden, und zwar außerhalb des normalen Kontexts. Der Wecker klingelte also immer wieder völlig ohne Grund, bis er Luna egal war. Oder Frauchen verschwand zu den merkwürdigsten Zeiten im Bad, bis es Luna egal war.

Erziehung beginnt am ersten Tag

Die Arbeit an Lunas Verhalten dauerte so lange, bis sich schließlich die Wohnungstür hinter Frauchen schloss - anfangs auch nur für ein paar Sekunden - und die Hündin dabei ruhig blieb. Und das Wichtigste: Die ganze Zeit hindurch durfte Luna nicht alleine gelassen werden, um den Trainingserfolg nicht zu gefährden.

Luna und ihr Frauchen haben es mit viel Geduld und Üben geschafft, auch wenn es Monate gedauert hat. Wer seinen Hund vom Welpenalter an hat, tut also gut daran, ihn rechtzeitig und behutsam daran zu gewöhnen, mal kurz alleine zu bleiben. (Brigid Weinzinger, derStandard.at, 28.5.2013)

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    Wenn die Abwesenheit von Herrchen und Frauchen zum Drama wird, sollte dringend daran gearbeitet werden - vor allem zum Wohl des Hundes.

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    Die Erziehung sollte am ersten Tag beginnen, an dem der Hund in ein neues Zuhause kommt. Damit ersparen sich die Menschen viel Ärger und die Hunde später Stress.

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