Schiffsunglück in Genua: Sieben Tote geborgen, ein Vermisster gefunden

8. Mai 2013, 05:53
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Containerschiff rammte Kontrollturm im Hafen: Zwei Personen noch vermisst

Genua - Bei einem Schiffsunglück im Hafen von Genua sind mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. Fünf wurden verletzt, weitere zwei Personen wurden am Mittwoch noch vermisst. Die Todesopfer arbeiteten in einem Kontrollturm, den ein Containerschiff am späten Dienstagabend aus zunächst ungeklärter Ursache gerammt hat.

Nach mehrstündigen Sucharbeiten konnten Rettungsmannschaften am Mittwoch drei Leichen im Aufzug des Kontrollturms entdecken, der vom Containerschiff "Jolly Nero" gerammt worden war und ins Meer stürzte. Drei weitere Todesopfer waren bereits in der Nacht auf Mittwoch geborgen worden. Eine weitere Leiche wurde am Mittwochvormittag entdeckt. Einer der Vermissten wurde lebend geborgen. Der schwerverletzte Hafenmitarbeiter, ein 50-jähriger Telefonist, wurde nach mehreren Stunden aus den Trümmern des Towers geholt.

Turm stürzte ins Meer

Die Tragödie ereignete sich, als das Schiff den Hafen in Richtung Neapel verlassen wollte. Zum Unglückszeitpunkt hatten sich etwa 14 Menschen in dem Turm aufgehalten, in dem auch die Büros der Hafenbehörde und der Kapitäne untergebracht waren. Den Berichten zufolge stieß das über 239 Meter lange Containerschiff bei der Ausfahrt mit dem 54 Meter hohen Turm zusammen, von dem aus der Schiffsverkehr im Hafen kontrolliert wird. Der Tower habe sich durch die Kollision um 45 Grad geneigt, Gebäudeteile seien ins Wasser gestürzt. Nur eine Fluchttreppe blieb noch stehen.

Motorenproblem als Ursache vermutet

Die ermittelnden Staatsanwälte vermuten fahrlässige Tötung. Die Blackbox der "Jolly Nero" wird nun überprüft. Vermutet wird, dass zwei Motoren des Schiffes ausgefallen seien und die Mannschaft die Kontrolle über das Schiff verloren habe. Das Schiff wurde beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft von Genua hat Ermittlungen gegen den 63-jährigen Kapitän aufgenommen, ebenso gegen weitere drei Mitglieder der Crew.

Trauertag ausgerufen

Der italienische Premier Enrico Letta und Staatschef Giorgio Napolitano kondolierten den Angehörigen der Opfer. Er sei wegen des Unglücks erschüttert. Die Stadt Genua rief einen Trauertag aus. Genuas Bürgermeister Marco Doria sagte, Italien trauere um die Opfer des Unglücks, "das eine ganze Stadt getroffen hat". Infrastrukturminister Maurizio Lupi berichtet dem Parlament am Mittwochnachmittag über das Unglück. Die Gewerkschaften forderten umfassende Ermittlungen zur Klärung des Unfalls.

Die Eigentümer des Schiffes versprachen ihren vollen Einsatz zur Klärung der Ursachen der Tragödie. "Wir sind alle total schockiert, noch nie ist so etwas passiert, wir sind verzweifelt", sagte der Eigner des 37 Jahre alten Schiffs, Stefano Messina. Die Ausfahrt aus dem Hafen sei ein "Routinemanöver", das Unglück gänzlich unerklärlich, sagte er. Genua ist der größte Industriehafen Italiens. (APA, 8.5.2013)


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    Dieser Tower (Archivbild) stürzte ins Meer, nachdem er vom Containerschiff "Jolly Nero" gerammt worden war.

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    Mindestens sieben Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben.

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    Rettungsmannschaften suchen noch nach vermissten Personen.

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