Acht Millionen Euro für drei Jungforscher

7. Mai 2013, 21:14
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Akademie der Wissenschaften nominiert die ersten "New Frontiers Groups"

Neue Grenzen auszuloten, das ist das deklarierte Ziel des Impulsprogramms "New Frontiers Groups", das die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erstmals ausgeschrieben hat. Das gilt in wissenschaftlicher wie in finanzieller Hinsicht: Mit 3,3 Millionen Euro für fünf Jahre bekommt der Biotechnologe Oliver Bell, einer der drei ausgewählten Jungforscher, den höchsten Betrag - in Summe mehr Geld als etwa die Gewinner des Wittgensteinpreises, der höchstdotierten Wissenschaftsauszeichnung in Österreich. Damit bewegt sich das Programm in der Liga der Advanced Grants, die der Europäische Forschungsrat ERC an arrivierte Top-Forscher vergibt.

Freilich ist das "New Frontiers Groups"-Programm, für das die Nationalstiftung insgesamt acht Mio. Euro bereitstellt, keine Personen-, sondern eine Projektförderung und richtet sich dezidiert an Gruppen, wie betont wird.

"Es geht darum, Innovationen von außen in die ÖAW-Institute zu bringen", erklärte ÖAW-Präsident Helmut Denk bei der Präsentation der genehmigten Projekte am Dienstag. Das Programm wurde weltweit ausgeschrieben, das Thema konnte völlig frei gewählt werden. Einzige Voraussetzung: Die Bewerber mussten "in die Struktur der Institute passen" und dort akzeptiert werden, wie Denk sagte. "Schließlich sollen alle etwas ganz Neues machen."

Von den 23 Anträgen kamen sechs von Frauen. Etwa die Hälfte wurde von Forschern aus dem Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften eingereicht. Zum Zuschlag kamen schließlich zwei Naturwissenschafter und eine Mathematikerin - alle drei knapp über 30 Jahre.

Marie-Therese Wolfram, derzeit Postdoc an der Uni Wien und davor in Cambridge, bekommt 1,6 Millionen Euro für ihr Projekt am Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics (Ricam) in Linz, wo sie Ströme von geladenen Teilchen in der Zelle genauso wie Ströme in Menschenmassen mathematisch beschreiben und simulieren will. "Ohne diese Förderung wäre ich ins Ausland gegangen", sagt Wolfram.

Aus dem Ausland kommen auch die beiden anderen Gruppenleiter: Der gebürtige Deutsche Oliver Bell wechselt von der Stanford University an das Institut für Molekulare Biotechnologie (Imba) in Wien, wo er an einer neuen Methode zur Erforschung der Mechanismen bei der Übertragung von genetischen Informationen in der Zelle arbeiten wird.

Der aus Tirol stammende Teilchenphysiker Josef Pradler wiederum, derzeit an der Johns Hopkins University tätig, wird mithilfe von 2,3 Millionen Euro am ÖAW-Institut für Hochenergiephysik in Wien den Rätseln der dunklen Materie auf den Grund gehen.

Mehr Geisteswissenschafter

"Wir erwarten uns interdisziplinäre Interaktionen", sagte Denk. Und: "In Zukunft wird es wichtig sein, mehr geisteswissenschaftliche Projekte zu bekommen." Dazu könnte das Bewertungsverfahren verbessert werden, um den unterschiedlichen Qualitätskriterien besser gerecht zu werden, meinte ÖAW-Präsidiumsmitglied Sigrid Jalkotzy-Deger. Ob der Ansatz fruchtet, wird sich zeigen: Die zweite Ausschreibung ist bereits in Planung. (kri, DER STANDARD, 08.05.2013)

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