Der Fall Hoeneß: Mia san mia

Kommentar8. Mai 2013, 18:11
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Vor dem Finale der Champions League kann der FC Hollywood keine Unruhe gebrauchen

Schon klar, dass die Welt des Fußballs eine ganz eigene ist. Man weiß auch, dass in Bayern die Uhren manchmal anders ticken als im restlichen Deutschland. Aber dass Uli Hoeneß immer noch als Aufsichtsratschef des FC Bayern München in seinem Chefsessel sitzt, ist vollkommen unverständlich.

Er selbst hat zugegeben, Steuern hinterzogen zu haben und dem Aufsichtsrat wegen des schwebenden Steuerstrafverfahrens seinen Rücktritt angeboten. Doch die Herren Anteilseigner und Sponsoren von Audi, Adidas, VW und der Telekom lehnten dankend ab.

Es gibt schließlich Höheres als Moral: das Finale der Champions League am 25. Mai im Londoner Wembley Stadion, wo die Bayern gegen den Erzrivalen Borussia Dortmund antreten. Dieses muss gewonnen werden, davor kann der FC Hollywood keine Unruhe gebrauchen.

Man fragt sich, warum Unternehmen Compliance-Regeln unterzeichnen und bei jeder Gelegenheit darauf hinweisen, wie wichtig Fairness im Geschäftsgebaren ist – wenn sie dann ein solches Eigentor schießen.

Man kann förmlich zusehen, wie die Gier nach Geld und Ruhm das Hirn vernebelt. Angesichts dieser Entscheidung der DAX-Schwergewichte und Hoeneß' (der ja auch von selber gehen hätte können), kann man sich nur eines wünschen: dass Dortmund am 25. Mai haushoch gewinnt. Und dann soll Hoeneß endlich abtreten. (Birgit Baumann, derStandard.at, 8.5.2013)

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