Lebensstil hat kaum Einfluss auf Stromverbrauch

7. Mai 2013, 20:44
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Studie: 2020-Ziel außer Reichweite - Einsparungen zwischen drei und zwölf Prozent möglich

"Das 2020-Ziel der EU, bis 2020 eine Reduzierung des Stromverbrauchs um 20 Prozent zu erreichen, ist völlig außer Reichweite", findet Thomas Bogner von der Österreichischen Energieagentur klare Worte. "Außer wir verbieten den Leuten, den Fernseher einzuschalten." Bestenfalls - also mithilfe von weniger strikten Maßnahmen - könnten die heimischen Haushalte zwölf Prozent weniger Strom schlucken als im Jahr 2011. Sollte alles so weitergehen wie bisher, wären gerade drei Prozent Einsparungen möglich.

Bogner ist Leiter des Projekts "Outlook Life Style 2030". Die Ergebnisse der Studie, vom Klima- und Energiefonds des Lebens- und des Verkehrsministeriums gefördert, wurden am Montag vorgestellt. Das Erstaunlichste: Die Hypothese, dass der jeweilige Lebensstil einen signifikanten Einfluss auf den Stromverbrauch hat, wurde widerlegt.

Um herauszufinden, wie sich österreichische Haushalte in ihrem Konsum- und Stromnutzungsverhalten, ihren Wertehaltungen, Lebensweisen und ihrem Umweltbewusstsein unterscheiden, beauftragten die Forscher eine repräsentative Umfrage unter 1000 Personen. Daraus wurden sieben Lebensstil-Typen abgeleitet (siehe Grafik): Den größten Block bildeten die konservativen "Traditionellen" mit 29 Prozent, den kleinsten die " Geruhsamen", primär Senioren, mit sechs Prozent. Der Rest teilte sich in Segmente zwischen elf und 16 Prozent auf.

Auch wenn sich die einzelnen Typen klar abgrenzen ließen, sind sie nicht direkt auf einen bestimmten Stromverbrauch umlegbar, fasste Bogner zusammen. Zwar brauchen die "Umweltbewussten", die hochgebildeten " Etablierten" und die "Geruhsamen" weniger Strom als die "Anspruchsvollen" und "Uninteressierten" - beides eher junge, technikaffine und konsumorientierte Gruppen -, doch war der Lebensstil nicht ausschlaggebend für die geringen Unterschiede.

Vielmehr zeigte sich, dass naheliegende Faktoren wie die Haushaltsgröße und Wohnfläche einen größeren Einfluss auf den Stromverbrauch hatten. Zudem verbrauchten Personen mittleren Alters mehr Energie als jüngere und ältere. Menschen am Land hatten einen höheren Bedarf als in der Stadt.

Auch der Ausblick auf den Energieverbrauch der Haushalte bis 2030 ist eher ernüchternd. Zwar ist der Stromverbrauch in den letzten Jahren aufgrund effizienterer Beleuchtung und Kühlgeräte im Sinken begriffen, andererseits wird sich die Komfortorientierung weiter in einer höheren Anzahl von Haushaltgeräten niederschlagen. "Bei Wäschetrocknern zum Beispiel ist der Sättigungsgrad noch nicht erreicht", sagt Bogner.

Zielgruppengenaue Infos

Aufgrund der Ergebnisse schlagen die Studienautoren eine Reihe von Maßnahmen vor: Neben akkordierten Labels und Mindeststandards für Geräte auf EU-Ebene empfehlen sie die Evaluierung von Prämienprogrammen, etwa zum Tausch von Altgeräten, sowie unabhängige Topgeräte-Listen und Kaufratgeber.

Besonders wichtig seien zielgruppengenaue Informationen zum Energiesparen: "Es gibt naive und sophisticated Konsumenten, auf die muss man eingehen", sagt Bogner. Unumgänglich sei zudem maßgeschneidertes Feedback über die Stromnutzung - mithilfe von neuen Medien und Apps. (kri, DER STANDARD, 08.05.2013)

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