Israelische Bürgerrechtler kritisieren Verarmung Ostjerusalems

7. Mai 2013, 19:34
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Kritischer Sozialreport im Vorfeld des "Jerusalem-Tages" veröffentlicht

Jerusalem - Acht von zehn Palästinensern in Ostjerusalem leben nach Angaben von Menschenrechtlern unterhalb der Armutsgrenze. Dies sei "die schlimmste Armutsrate aller Zeiten", kritisierte der Verein für Bürgerrechte in Israel (ACRI) am Dienstag in einem Sozialreport. Die Nichtregierungsorganisation veröffentlichte die Studie am Vortag des Jerusalem-Tages, mit dem Israel die "Wiedervereinigung" der Stadt durch die Eroberung im Sechstagekrieg von 1967 feiern. Die nachfolgende Annexion des Ostteils der Stadt wurde völkerrechtlich nie anerkannt.

Heute wohnen nach UN-Statistiken in Gesamtjerusalem 293.000 Palästinenser bei einer Einwohnerzahl von etwa 800.000. Der ACRI-Report kritisiert insbesondere die Folgen der Sicherheitsbarrieren, die den Osten Jerusalems vom Westjordanland abtrennen. Etwa 90.000 palästinensische Inhaber von blauen Jerusalemer Personalausweisen müssten täglich diese Barrieren an den Kontrollpunkten passieren. Besonders Krankenhäuser und Schulen seien durch die Zäune und Mauern betroffen.

Zudem werde die Infrastruktur in Ostjerusalem stark vernachlässigt, hieß es. So fehle es "an 50 Kilometern Abwasserkanälen, weshalb viele Wohngebiete auf Sickergruben angewiesen sind, wo Überflutungen immer wieder Gesundheitsrisiken heraufbeschwören". In den vergangenen 46 Jahren habe die "israelische Regierung ein Drittel des palästinensischen Landbesitzes in Jerusalem enteignet, um dort Wohnungen für die jüdische Bevölkerung der Stadt zu errichten", monierte die Bürgerrechtsorganisation. (APA, 7.5.2013)

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