Umdenken erst durch öffentlichen Druck

7. Mai 2013, 18:56
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Noch immer belastete Straßenbezeichnungen in Österreichs Städten

Straßen und Plätze, die nach Nazi-Sympathisanten oder Nazi-Künstlern benannt wurden, gibt es in Österreich nach wie vor. Auch Persönlichkeiten, die das Feld für Antisemitismus und Nationalismus schon vor der NS-Zeit bereiteten, wie der Turnvater Friedrich Ludwig Jahn, sind noch in Straßennamen verewigt.

In der Steiermark heißen mehrere Straßen und Gassen wie die Nazi-Dichter Ottokar Kernstock und Hans Kloepfer, auch der umstrittene Bildhauer Hans Mauracher hat seine Straße in Graz. Die Grünen kämpfen hier seit Jahren für Umbenennungen. 2011 wurde zumindest ein nach Nazi-Dichter Heinrich Lersch benannter Platz unbenannt: Er heißt jetzt nach der Widerstandskämpferin Helene-Serfecz-Platz. Für die Grazer Jahngasse versprach die Stadt eine erklärende Zusatztafel.

Erklärungen in Innsbruck

In Klagenfurt beschlossen 2008 ÖVP, SPÖ und Grüne die Umbenennung von vier Straßen, deren Namensgeber mit den Nazis kooperiert oder sympathisiert hatten. Innsbruck wiederum hat einen anderen Weg eingeschlagen. Der Gemeinderat entschied vor rund vier Jahren, die Jahnstraße und andere nicht umzubenennen, sondern nur mit Erklärungstafeln zu versehen.

Über ein Jahr öffentlichen Druck brauchte es, bis sich die oberösterreichische Gemeinde Lambach von ihrer braunen Vergangenheit distanzierte. Die Malerin und NS-Denunziantin Margarethe von Pausinger war bis 2006 Ehrenbürgerin und Patin einer Straße. Erst eine Unterschriftenliste, auf der Prominente protestierten, zeigte Wirkung. Inzwischen heißt besagte Straße Siedlungsstraße. Im selben Jahr und wieder durch Druck von außen taufte St. Wolf- gang seine Dr. -Rais-Promenade in Doktor-Promenade um. Der Arzt war NSDAP-Mitglied und hatte eine Jüdin denunziert. (cms, ker, ver) Foto: Rohrhofer

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