Maibock

9. Mai 2013, 17:39
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Conrad Seidl über Innviertler Interpretationen eines fast vergessenen Stils

Im Mai Bockbier zu trinken ist nicht jedermanns Sache. Wer vom Maibock spricht, meint daher meist ein zweijähriges Reh und nicht ein Starkbier. Ein starkes Bier, das die warme Jahreszeit begrüßt, war früher zwar recht häufig, jahrzehntelang hat der Österreicher die kräftige Spezialität allerdings ausschließlich aus dem Zillertal gekannt, wo beim Gauderfest dem Gauderbock zugesprochen wurde - einem für seine Kraft ausgesprochen schlank wirkenden Bier, das so süffig ist, dass viele Leute erst dann bemerken, wie viel Alkohol sie konsumiert haben, wenn sie eigentlich schon zu viel davon erwischt haben.

Aber man muss ja nicht saufen, man kann die starken Biere ja auch in kleineren Mengen genießen. Der Maibock von der kleinen Brauerei Schnaitl in Gundertshausen lädt dazu ein, vorsichtig zu kosten, sicherheitshalber wird er nur in der 0,3-Liter-Flasche angeboten.

Eigenwillige Interpretation

Im Glas zeigt er sich in sattem Goldgelb, mit eher bescheidener Schaumentwicklung, dafür aber einem intensiv fruchtigen Duft. So esterig riechen und schmecken untergärige Bockbiere üblicherweise erst nach drei oder vier Jahren. Aber die Schnaitl'sche Interpretation ist auch nicht untergärig: Hier wird eine Weißbierhefe eingesetzt, der die Bananen- und Birnenaromen zu verdanken sind. Technisch gesehen handelt es sich aber nicht um ein Weizenbier, der Hauptbestandteil ist Gerstenmalz, das gemeinsam mit Weizen- und Dinkelmalz vermaischt wurde und dessen Würze mit immerhin 27 Bittereinheiten gehopft wurde. Und zwar mit dem sehr fruchtigen Saphir-Hopfen, der für Zitrusaromen und ein trockenes Finish dieses sonst eher vollmundigen Bieres sorgt. Eine wirklich eigenwillige Interpretation des Stils.

Es geht aber noch extremer: Karl Zuser, Biersommelier und Sohn des Chefs der in Sachen Weizen- und Weizenbockbier sehr kompetenten Rieder Brauereigenossenschaft, hat in diesem Frühjahr das wohl extremste Bockbier vorgestellt: Mit 18,5 Grad Stammwürze ist dieses hellgelbe und sehr trübe Bier eigentlich ein Doppelbock, in der Nase zeigen sich beinahe parfümhaft die Aromen von Holunder, Ananas und Grapefruit (im Lagertank wurde mit den Hopfensorten Cascade und Amarillo trocken gehopft, also "gestopft"). Der Antrunk ist spritzig, fast säuerlich, und während retronasal nochmals der Duft von Südfrüchten explodiert, melden sich auf der Zunge ganz kurz die Süße und der wärmende Alkohol. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 10.5.2013)

  • Maibock von der kleinen Brauerei Schnaitl.
    foto: conrad seidl

    Maibock von der kleinen Brauerei Schnaitl.

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