Gerechtigkeit für den Trolley

Kolumne12. Mai 2013, 17:07
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Warum man den kleinen Rollkoffer gegen seine Feinde, die mit "No-Trolley-Stickern" mobilmachen, verteidigen muss

Es ist heute an der Zeit, einen Gefährten in Schutz zu nehmen, der unter Druck geraten ist. In einigen Stadtteilen Berlins, schreibt Die Zeit, werde derzeit mit "No Trolleys"-Stickern Front gegen Reisende gemacht. Die kleinen Räder der Rollkoffer machten auf dem Asphalt und den Pflastersteinen so viel Krach, dass lärmempfindliche Hauptstadtbewohner Berlin am liebsten Trolley-frei sehen möchte. Eine Stadt ohne Rollen, gewissermaßen. 

Der Lauf der Zeit

Früher einmal ging es darum, Städte von Kriminalität und Drogen zu säubern, heute darum, die kleinen Handwagen, die Reisenden das Leben leichter machen, zu verbannen. Das ist das, was manche Leute den Lauf der Zeit nennen.

Auch wenn wir vermuten, dass die leidgeplagten Berliner es wohl eher auf die Touristenhorden in ihrer Stadt abgesehen haben, muss man sagen: Das hat sich der Trolley nicht verdient. Er hat, seitdem er das Licht der Förderbänder erblickte, genug mitgemacht. Als die ersten Stewardessen in den 1970ern mit ihm auftauchten, wurden sie als "Trolley Dollies" ausgelacht.

Das war weder nett noch politisch korrekt und hörte erst auf, als Stewardessen Flugbegleiterinnen genannt wurden und sie das Monopol auf die Rollkoffer längst verloren hatten. Despektierliche Namen wie Hacken-Porsche oder Pensionisten-Volvo halten sich allerdings bis heute, und das, obwohl mittlerweile 90 Prozent aller Koffer und Reisetaschen mit Rollen hergestellt werden. Lange hat der Trolley gebraucht, bis er sich durchgesetzt hat. Es ist an der Zeit, ihn endlich in Ruhe zu lassen. (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 10.5.2013)

>> Zum Thema: Trolleys: "Bis man wieder Luft zum Tragen bekömmt"

  • Lange hat der Trolley gebraucht, bis er sich durgesetzt hat.
    foto: rimowa

    Lange hat der Trolley gebraucht, bis er sich durgesetzt hat.

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