Klingelton personalisieren

9. Mai 2013, 17:15
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Die Suche in Taschentiefen oder Zimmerfluchten ersparen oder Understatement mit einem einzigen Klingelton

Pro: Wannst a Weh brauchst...
Von Sigi Lützow

Es ist scheinheilig, wenn andauernd beklagt wird, wie lästig, peinlich, ja letztlich unnötig Handys sind. Stehen sie einmal nicht zur Verfügung, frage nicht, dann besteht erst Grund zur Klage.

Freilich kann der Umgang mit dem längst notwendigen Übel erträglicher gestaltet werden. Einige wenige den normalerweise Kontaktsuchenden zugeordnete Klingeltöne ersparen manche Suche nach dem Gerät in Taschentiefen oder Zimmerfluchten, ersparen mühevolles Verlassen von Badewannen oder ungespülten Toiletten (oder ach, nehmen Sie Arme, Sie Armer das Ding gar auch in Nassräume mit?).

Vernimmt man zum Beispiel "Dein ist mein ganzes Herz", kann man sich einerseits über die Zuneigung freuen und andererseits beschließen, die Liebste zurückzurufen. Wer ein Handy benutzen kann, dem kann es schließlich nicht total schlecht gehen. Ähnlich Beispiele gibt es viele. Belässt man es aber bei einem Klingelton, bricht sich verlässlich die Neugierde Bahn. Da kann ma dann gleich "Wannst a Weh brauchst, ruaf mi an" einspeichern.

Kontra: Der pure Stress
Von Birgit Baumann

Hätte es einige Hundert Jahre vor Christi Geburt schon das Handy gegeben, wären dessen verschiedene Klingeltöne zweifelsohne zu den biblischen Plagen gezählt worden. Es röhren der Hirsch oder DJ Ötzi, es trillern Vögel, es heulen Polizeisirenen - in einer hektischen Zeit, in der Ruhe ein kostbares Gut ist.

Wenn all diese Töne sich auf einem einzigen Handy vereinen, dann ist das der pure Stress für den Handybesitzer, seine Umwelt und auch für den Anrufer. Einen eigenen Klingelton bekommen ja nur Leute, die oft anrufen. Was aber ordnet man wem zu? Es ist ein diplomatischer Hochseilakt ohne Netz.

Die rülpsende Unke für die Schwiegermama? You Can't Always Get What You Want für den Chef? Kaum hat das Umfeld erfahren, dass es einen eigenen Klingelton verpasst bekommen hat, will es natürlich wissen, welchen, und ist dann womöglich beleidigt.

Außerdem: Ein aufgemotztes Mobiltelefon ist peinlich. Fehlen nur noch die Strasssteine und das rosa Felltascherl. Understatement kennt nur einen einzigen Klingelton. (Rondo, DER STANDARD, 10.05.2013)

  • Hätte es einige Hundert Jahre vor Christi Geburt schon das Handy gegeben, wären dessen verschiedene Klingeltöne zweifelsohne zu den biblischen Plagen gezählt worden.
    illustration: andrea maria dusl

    Hätte es einige Hundert Jahre vor Christi Geburt schon das Handy gegeben, wären dessen verschiedene Klingeltöne zweifelsohne zu den biblischen Plagen gezählt worden.

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