Hohe Forschungsförderung erstmals vergeben

7. Mai 2013, 17:28
1 Posting

Drei Nachwuchsforscher erhalten insgesamt acht Millionen Euro für ihre Forschungsprojekte an der Akademie der Wissenschaften

Wien - Das neue Impulsprogramm "New Frontiers Groups" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) entpuppt sich als eine der höchstdotierten Forschungsförderungen in Österreich: Bei der ersten Ausschreibung des Programms wurden nun drei Projekte junger innovativer Nachwuchsforscher ausgewählt, die in den kommenden fünf Jahren zwischen 1,6 und 3,3 Mio. Euro erhalten. Sie sollen damit an einem ÖAW-Institut eine Forschungsgruppe aufbauen. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) und ÖAW-Präsident Helmut Denk präsentierten die Entscheidung am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Die höchste Förderung erhält der Biotechnologe Oliver Bell (3,3 Mio. Euro), der derzeit als Postdoktorand an der Stanford University (USA) tätig ist und ab August am ÖAW-Institut für molekulare Biotechnologie (IMBA) Veränderungen am Chromatin-Komplex untersuchen will. Dieser Zellkomplex reguliert, wann bestimmte Gene ein- oder abgeschaltet werden. Der gebürtige Deutsche (Jahrgang 1979) habe eine Methode entwickelt, Auswirkungen von Veränderungen am Chromatin in der lebenden Zelle zu beobachten, sagte Denk.

Der aus Tirol stammende Teilchenphysiker Josef Pradler, derzeit Postdoc an der Johns Hopkins University (USA), erhält 2,3 Mio. Euro für sein Projekt am Institut für Hochenergiephysik der ÖAW. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Dunkle Materie. Die "normale" Materie, aus der Galaxien, Sterne und auch die Erde bestehen, trägt ja lediglich rund fünf Prozent zur Massen- und Energiedichte des Universums bei. Um den Rest zu erklären, haben die Physiker die Dunkle Materie (23 Prozent) und die Dunkle Energie (72 Prozent) postuliert. Pradler (Jahrgang 1980) will nun das theoretische Spektrum an Möglichkeiten für die Dunkle Materie ausloten, Teilchenmodelle dafür finden und neue Analyse- und Suchmethoden entwickeln.

"Teilchen in gedrängten Situationen"

Die Mathematikerin Marie-Therese Wolfram, die als Postdoc an der Uni Wien tätig ist, will in ihrem mit 1,6 Mio. Euro geförderten Projekt "Teilchen in gedrängten Situationen", wie sie selbst erklärte, mathematisch beschreiben und am Computer simulieren. Solche Transportphänomene sind nicht nur in der Biologie interessant, wenn es etwa darum geht, wie Teilchen durch Ionenkanäle von Zellen strömen. Auch in den Sozialwissenschaften kann etwa das Verhalten von Menschenmassen beschrieben werden, z.B. wie sich Bahnen bilden, wenn einander viele Menschen auf einem Gehsteig entgegenkommen. Wolfram (Jahrgang 1982) wird ihr Projekt am Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics (RICAM) der ÖAW in Linz durchführen.

Das im Vorjahr erstmals ausgeschriebene Programm wurde von der Nationalstiftung für Forschung mit insgesamt acht Mio. Euro dotiert. Thematisch ist es völlig offen, es gibt auch keine Vorgaben über die Nationalität der Bewerber. Die einzige Voraussetzung ist, dass die Forschung an einem ÖAW-Institut durchgeführt wird. "Wir wollen damit von außen Innovationen in unsere Institute bringen", sagte Denk. Bei den "New Frontiers Groups" handle es sich um eine "Projekt- und Gruppenförderung", erklärte Töchterle den Unterschied zu dem als höchste wissenschaftliche Auszeichnung Österreichs geltenden, mit rund 1,5 Mio. Euro dotierten Wittgensteinpreis, der eine "dezitierte Einzelförderung" sei.

Jährliche Vergabe geplant

Eine zweite Ausschreibung der "New Frontiers Groups" sei in Vorbereitung, angestrebt werde eine jährliche Vergabe, die Entscheidung darüber liege aber beim neuen ÖAW-Präsidium, das sein Amt Anfang Juli antritt, so Denk. Abhängig ist dies wohl auch von den entsprechenden Zuwendungen der Forschungsstiftung.

Insgesamt gab es 23 Bewerber, die vom FWF in einem international begutachteten Verfahren geprüft wurden, so Töchterle, der in der Auszeichnung ein "starkes Zeichen für den österreichischen Wissenschafternachwuchs" sieht. Jeweils die Hälfte der Bewerber kam aus den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie den Naturwissenschaften.

Dass kein geistes- und sozialwissenschaftliches Projekte ausgezeichnet wurde, sei ein "Wermutstropfen", betonte ÖAW-Präsidiumsmitglied Sigrid Jalkotzy-Deger, die dafür plädierte, "das Verfahren zu verbessern" und fachspezifische Kriterien der Geistes- und Sozialwissenschaften besser zu berücksichtigen. (APA, 07.05.2013)

Share if you care.