Omega-Fettsäuren regeln den Herzschlag bei Winterschläfern

10. Mai 2013, 17:54
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Laut Forschern der Vetmeduni Wien steuern die Fettsäuren das Erreichen tiefer Körpertemperaturen und die Bewahrung eines regelmäßigen Herzschlages

Wien - Wenn die Temperaturen sinken und das Nahrungsangebot knapp wird, können manche Tierarten in einen Energiesparmodus schalten: Beim Winterschlaf verlangsamen sich Herzschlag und Atmung, während sich die Körpertemperatur dem Nullpunkt nähern kann. Der Körper zehrt dann an den angesammelten Fettreserven. Wissenschafter des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben nun herausgefunden, dass bestimmte Omega-Fettsäuren die Herzfunktion bei den Winterschläfern regulieren und einen regelmäßigen Herzschlag bewahren. Die Untersuchung wurde im Fachjournal "PLOS One" veröffentlicht, teilte die Uni am Dienstag in einer Aussendung mit.

Bereits vor zwei Jahren haben Wissenschafter des Instituts für Wildtierkunde gezeigt, dass bei Murmeltieren der Gehalt an Omega-6-Fettsäuren in den Zellmembranen der inneren Organe vor Beginn des Winterschlafs dramatisch anstieg. Der Körper soll damit in die Lage versetzt werden, so die Vermutung der Forscher damals, auch bei sehr niedriger Temperatur noch einwandfrei zu funktionieren.

Linolsäuren für eine stabile Herzfunktion

Sylvain Giroud und seine Kollegen haben gemeinsam mit Forschern der Universität Groningen nun nachgewiesen, dass spezielle Omega-6-Fettsäuren, die Linolsäuren, eine stabile Herzfunktion und regelmäßigen Herzschlag während des Tiefschlafs ermöglichen. So hatten Goldhamster (Mesocricetus auratus) höhere Linolsäurewerte im Herzgewebe als Tiere, die keinen Winterschlaf halten. Die Werte waren auch bei jenen Hamstern, die sich in der Abkühlungsphase und im tiefen Winterschlaf befanden, höher als bei Tieren im aktiven Zustand.

Dagegen war der Gehalt an Docosahexaensäure (DHA), eine Omega-3-Fettsäure, während des Winterschlafs signifikant niedriger. Offenbar werden die Mengen dieser Fettsäuren entsprechend der Jahreszeit reguliert. Nach Ansicht der Forscher schützt ein hoher DHA-Wert im Sommer das Herz vor Überlastung.

Hintergrund der Herzschlagregulierung ist der Einfluss bestimmter Fettsäuren auf die Aktivität sogenannter Kalziumpumpen in den Zellen. Diese sind für ordnungsgemäße Muskelkontraktionen verantwortlich. Die Linolsäuren aktivieren eine spezifische Kalziumpumpe im Herzen und regulieren dadurch den Herzschlag bei niedrigen Körpertemperaturen. Ein regelmäßiger Herzschlag hängt von der Funktionstüchtigkeit dieser Pumpe ab. Beeinträchtigen niedrige Temperaturen die Pumpe, etwa bei Säugetieren, die keinen Winterschlaf halten, kann eine Überdosis von Kalzium zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand führen. Der hohe Anteil an Linolsäuren bei Winterschläfern sichert dagegen einen effizienten Kalziumtransport und sorgt für einen regelmäßigen Herzschlag. (APA/red, derStandard.at, 10.05.2013)

  • Ein Hamster im Energiesparmodus. Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren tragen dazu bei, dass das Tier im Winterschlaf einen regelmäßigen Herzschlag beibehält.
    arjen strijkstrafoto:

    Ein Hamster im Energiesparmodus. Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren tragen dazu bei, dass das Tier im Winterschlaf einen regelmäßigen Herzschlag beibehält.

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