Lerchbammer: "Sorry, dass ich ein Mann bin"

Chat10. Mai 2013, 11:41
posten

Der Spitzenkandidat der Aktionsgemeinschaft beantwortete die Fragen der Userinnen und User zur ÖH-Wahl

ModeratorIn: Wir begrüßen Flo Lerchbammer im Chat zur ÖH-Wahl. Er ist Spitzenkandidat der Aktiongemeinschaft. Liebe UserInnen, ich bitte um Fragen.

Florian Lerchbammer: Grüß euch :) Freu mich auf eure Fragen!

ModeratorIn: Frage per E-Mail: Wie steht die AG zur Gleichstellung der ausländischen Studierenden und zur Religionsfreiheit an den Universitäten? Insbesondere das Einbringen der Andachtsräume / Ökumenische Räume an den Universitäten! (An der Tu-Wien und Uni-Wien

Florian Lerchbammer: Für uns hat die Vertretung von ALLEN Studenten oberste Prämisse! Religionsfreiheit hört nicht vor den Türen der Uni auf - auch dort soll es die Möglichkeit geben, dass jmd seinen Glauben ausübt. Daher setzen wir uns für ökumenische Gebetsräume ein, weil wir glauben, dass hierfür immer ein Raum auf der Uni gefunden werden kann. Auch die Seelsorge vor Ort ist ein wichtiger Punkt, den wir verfolgen wollen! Zusatz: doppelte Studiengebühren sind abzulehnen - wie auch die einfachen.

Patrick Riener: Hallo Florian, mit welchem Wahlergebnis wird die AktionsGemeinschaft deiner Meinung nach bei dieser Wahl in der Bundervertretung abschneiden?

Florian Lerchbammer: Puh - schwer zu sagen. Wenn du hingehst, haben wir schon einmal eine Stimme mehr ;-) Aber Schmäh ohne: ich hoffe, dass wir das Ergebnis ausbauen können (hatten beim letzten Mal 23 Mandate).

SCANone: Bekommt man die Gelfrisur bei der AG (ÖVP) automatisch wenn man länger als 6 Monate dabei ist?

Florian Lerchbammer: Die gibts im Beginner-Set inkludiert. Auch dabei ist ein Schnösel-Auftritts-Ratgeber :P

Michael P.: An der WU ist die Werbelinie der ÖH WU kaum von der AG unterscheidbar. AGler werden großflächig auf ÖH WU Plakaten abgebildet. MinisterInnen ist ein solches Auftreten in der Zwischenzeit untersagt. Sollten für die ÖH nicht die gleichen Maßstäbe ge

Florian Lerchbammer: Das ist eine sehr gute Idee, die wir bei einer Gesetzesreform im Sommer mit den anderen Fraktionen angehen wollen!

Ich werde mich über diesen Namen sicher noch ärgern: Ist mittlerweile eigentlich schon geklaert, wie es dazu kommen konnte, dass die OeH WU in ihrer Zeitschrift Werbung fuer die AG-Kandidat_innen macht? Wird es personelle Konsequenzen in der AG WU/AG geben?

Florian Lerchbammer: Du spielst auf die Diskussion mit Armin Wolf vom Dienstag an: habe mir das Magazin durchgesehen. Dort ist keine Wahlwerbung zu finden. Es sind Fotos von ÖH Mitarbeitern - wie in jeder Ausgabe.

h1as: Wieso wird von der AG das Thema Cafe Rosa nicht stärker thematisiert. Imho ist es einer der größten Skandale der öh Geschichte und die Schuldigen laufen noch immer frei herum bzw. sind noch immer in hohen Positionen zu finden.

Florian Lerchbammer: Weil wir auch noch viel anderes zu sagen haben ;-) Das Cafe Rosa zeigt aber eben schon sehr deutlich die Auffassungsunterschiede guter ÖH Arbeit: Während FLÖ, Gras, Vsstö und KSV-Lili (haben den Cafe Rosa-Beschluss gefällt) eine halbe Million in ein anti-anti-anti Pleitebeisl stecken, haben wir dort, wo wir in der Exekutive sind, das Geld anders verwendet. Für - aus unserer Sicht - sinnvollere Projekte wie: längere Bibliotheks-Öffnungszeiten, Vorbereitungskurse, Vorlesungsaufzeichnungen für den online-stream und Geld in den ÖH Sozialtopf gesteckt.

Adam M.: Hallo, warum sollte ich euch vertrauen, dass ihr als quasi ÖVP Fraktion gegenüber dem Wissenschaftsminister die Interessen der Studis vertretet und nicht bloß eure eigenen Karrierepläne im Kopf habt?

Florian Lerchbammer: Du kannst dir beispielsweise die Vergangenheit ansehen: Wir sind nie müde geworden die Dinge aufzuzeigen, die uns Studenten betroffen haben. Bei der Fambehilfe waren wir damals demonstrieren, heute kritisieren wir die Studienplatzfinanzierung (die keine ist) und die Studiengebühren. Die ÖVP Zugehörigkeit des Minsiters ist das eine, unsere AG Linie eine andere. Wir lassen uns von keinem reinreden.

ModeratorIn: Frage per E-Mail: Briefwahl / E-Voting: die AG ist ja für die Briefwahl für StudentInnen, was habt ihr hier bereits in die Wege geleitet, damit dies in naher Zukunft funktionieren würde? Oder geht das nur, wenn ihr in der Exekutive seid?

Florian Lerchbammer: Nein, wir können diese Wahlrechtsreform umsetzen, sobald wir uns mit den anderen Fraktionen einig sind. Ich hoffe, dass wird das diesen Sommer schaffen (wir laden als AG alle anderen, und Medienvertreter, zur Verhandlungsrunde ein). Leider wurde bei den bisherigen Verhandlungen seitens der aktuellen ÖH Exekutive (Gras, Flö, Fest, Vsstö) die Briefwahl ausgeschlossen.

Linkslinker Österreichfeind und Kulturbereicherer: Was bedeuten Wolfgang Schüssel und Karl-Heinz Grasser für dich?

Florian Lerchbammer: reden wir doch bitte über Inhalte ;)

Vanguard: Kann man in der AG auch ohne Parteiheft in höhere Kreise aufsteigen?

Florian Lerchbammer: natürlich - mach mit und überzeugt dich selbst!

doris_klu: Die AG hat als eine ihrer Hauptforderungen "faire Zugangsbeschränkungen" zwei ziemlich konträre Begriffe, wie kann man denn das miteinander vereinbaren?

Florian Lerchbammer: Faire & transparente ZugangsREGELN (Zugang sowieso beschränkt: finanziell, räumlich, durch Anzahl der Lehrkräfte). Wir wollen, dass Universitäten ermächtigt werden den Zugang dort zu regeln, wo es mehr Bewerber als Studienplätze gibt - mit einem fairen Zulassungsverfahren (hier muss die ÖH mitreden dürfen). Fair ist für uns bspw die Leistung. Unfair sind Quotenregelungen - die wir daher rigoros ablehnen. Es geht hier um die Grundehrlichkeit: Heute bekomm ich zwar bei der Inskription meine Matrikelnummer und darf den ÖH Beitrag zahlen, jedoch kommt ein Drittel der Studenten nicht in den Hörsaal oder muss am Boden sitzen. Somit ist auch Mindeszeit für viele zur Illusion verkommen (52% schätzen ihr Studium länger ein als Regelzeit). Wenn wir dann eine echte Studienplatzfinanzierung haben, können wir als ÖH aufzeigen, dass im Studienfach "x" 450 Plätze und im Fach "y" 600 fehlen. Aktuell schreit jeder nur pauschal nach "mehr".

Palm_four: Warum möchte die AG, dass das BMWF ÖH-Ausgaben über 100.000 zustimmen muss? Ist das nicht paradox, wenn die ÖH doch vielfach gegen das BMWF mobilisieren muss (zB im Fall der Einführung von Studiengebühren) und dafür Mittel benötigt?

Florian Lerchbammer: Wir fordern eine Adaptierung bestehender Kontrollmechanismen. Das Beispiel Cafe Rosa (Schaden 500.000€) hat gezeigt, dass die FLÖ, Gras, Vsstö und KSV-Lili die bestehende Kontrolle, durch ein rechtswidriges Umgehungsgeschäft (errichteten einen Verein statt einem Wirtschaftsbetrieb) umgehen konnten. Wir wollen, dass Ausgaben über 100.000€ von einer Aufsichtsbehörde (die wie eine Wahlkommission beschickt werden kann) per Bescheid geprüft wird, ob das Projekt im Sinne des Hochschülerschaftsgesetzes ist, oder nicht. Sollte die ÖH mit dem Bescheid nicht einverstanden sein, kann sie dagegen berufen und der Bundesverwaltungsgerichtshof (den keiner als nicht unabhängig bezeichnen wird) entscheidet innerhalb von 4 Monaten ob Bescheid ok oder nicht. Somit ist Gestaltungsspielraum der ÖH in keinster Weise eingeschränkt, es wird jedoch sicher gestellt, dass unser ÖH Beitrag im Sinne der Studierenden ausgegeben wird.

Luke-Skywalker: Es gibt bereits mehr weibliche Studienanfänger_innen wie männliche, brauchen wir bald eine Männerförderung?

Florian Lerchbammer: Förderung soll es für beide Geschlechter geben. Hürden für keines.

temohpab: Kommen die Julis als Koalitonpartner in Frage und wenn ja, wie wird die Studierngebühren frage zwischen den beiden Fraktionen geklärt? Heißt AG wählen, Studiengebühren einführen?

Florian Lerchbammer: Die Julis (oder Jungen Linken, weil im Wahlbündnis mit der GRAS&Vsstö an der WU) sind sicher inhaltlich nicht so weit weg wie die Kommunisten, jedoch fordern die ja auch keine "echten" Studiengebühren, sondern nachgelagerte (Bürokratieaufwand; Ausfallversicherung = Schulden in Zukunft verschieben). Ag wählen heißt (in puncto Studiengebühren), dass wir zuerst die Autobahn (Bedingungen wie Mindestzeit, finanzielle Absicherung sozial Schwacher, usw) wollen, bevor die Vignette kommt.

atfshs: Die ÖH Bundesvertretung hat vor wenigen Tagen eine Broschüre zum Cartellverband (CV) herausgegeben. Da du ja selbst Mitglied beim CV bist, möchte ich gerne wissen was du von diesem Projekt hälts.

Florian Lerchbammer: Ich denke, dass es brennende Probleme an den Hochschulen gibt, die stattdessen in Angriff genommen werden hätten müssen! Wir als AG hätten statt dieser Broschüre lieber die Einbindung der Unis in das Transparenzgesetz verfolgt, Beratungsangebot ausgeweitet oder für eine echte Studienplatzfinanzierung gekämpft.

Phantom91: Meinen ÖH ZWANGS Beitrag würde ich lieber Spenden als der ÖH für zu meist sinnlose Projekte zur Verfügung zu stellen. Sind Sie für einen beibehaltung?

Florian Lerchbammer: siehe oben (techn. Fehler)

Etoile*: Die Aktionsgemeinschaft hat innerhalb von 30 Jahren nur eine oder zwei Frauen als Spitzenkandidatinnen gegenüber 14 Männern als Spitzenkandidaten gehabt. Wir erklären sie sich diese ungleiche Geschlechterverteilung? Ist die Aktionsgemeinschaft eine

Florian Lerchbammer: Sry, dass ich ein Mann bin :P Nein, die AG ist eine Fraktion, bei der jeder mitmachen kann! Wenn du eine Frau bist, geh doch bitte gleich zur Unigruppe und mach mit! Bei uns ist jeder willkommen - vielleicht haben wir 2015 ein Mädl als Spitzenkandidatin.

Linkslinker Österreichfeind und Kulturbereicherer: Könntest du dir eine Zusammenarbeit mit dem RFS vorstellen? Wie ist der Draht der AG zum RFS? Hast du Kontakt zu Mitgliedern?

Florian Lerchbammer: Wir wollen als AG keinen ausschließen, da für uns die Sache und nicht die Fraktion im Vordergrund stehen. Der RFS ist nicht die zu bevorzugende Option. Kenne Vertreter aller Fraktionen.

Pferdinant: Was glauben sie ist größer? Der Einfluss der ÖH auf die Politik oder der Einfluss der Politik auf die ÖH?

Florian Lerchbammer: Wenn du den Einfluss von den Parlamentsparteien auf die ÖH meinst, dann sehe ich den nur marginal. Auch der Vsstö ist weit nicht deckungsgleich mit seiner Mutterpartei. Als ÖH können wir starken Einfluss üben, wenn a) die Wahlbeteiligung eine höhere ist b) wir realisitische Forderungen aufstellen und c) wir nicht als Kindergarten, sondern als konstruktive Kraft mit 330.000 Mitgliedern auftreten.

atfshs: Der VSStÖ und die Fachschaftslisten sind die einzigen großen Fraktionen die eine Koalition mit der AG nicht ausschließen. Ist das auch deine Wunschkoalition?

Florian Lerchbammer: Wir haben keine Wunschkoalition, da es mit jedem inhaltliche Differenzen gibt ... Wir als AG wollen in die Exekutive mit jedem, der Ideen vor Ideologien stellt. Bin gespannt, wie die Koalitionsverhandlungen verlaufen werden ;)

K.T.: Wie finanziert sich die AG? Wird das irgendwo offengelgt?

Florian Lerchbammer: Der Großteil kommt von Spenden unseres Alumnivereins, der aus ehemaligen Mitglieder besteht. Unser Wahlkampf war mit 28.000 € budgetiert, was du auch beim Standard nachlesen kannst.

SirionAUT: Warum steht die AG, im Gegensatz zu VSStÖ, GRAS und RFS, nicht zum Naheverhältnis mit der ÖVP? Schämt sich die AG für ihre konservativen Wurzeln?

Florian Lerchbammer: Ich habe in der Vergangenheit bei den vielen Fragen in diese Richtung immer gesagt, dass wir uns zwar untersützen, aber nicht reinreden lassen. Entspricht den Tatsachen - ganz ohne Schamgefühl ;-)

Gabriel Tauront: Es ist gegenwärtig schwer, mehr als ein Studium zu betreiben: Beihilfen, Gebühren, Fristen etc. orientieren sich fast immer nur am "Hauptstudium". Die Mindeststudienzeit wird manchmal zum heiligen Gral erhoben, was das über den Tellerrand blicken sc

Florian Lerchbammer: Wir fordern eine Auszahlung der Familienbeihilfe bis 27, eine Valorisierung der Zuverdienstgrenzen, uvm - kurz: eine Ausweitung des Beihilfensystem. Damit die Mindeszeit auch schaffbar bleibt, treten wir für faire und transparente Zugangsregeln ein, um eine echte Studienplatzfinanzierung auch gewährleisten zu können! Es geht hier um die Garantie, dass du mit deinem Studentenausweis, auch einen Platz im Seminar findest. Damit lösen wir viele Probleme - beispielsweise kann man dann noch fertig werden, bevor die Beihilfen verloren gehen!

Harald Granbichler: Ist es wirklich sinnvoll eine neue Med.Uni.zu erfinden wenn wir in den Bestehenden Med. Univ. nicht genügend Platz bzw.Volesungssäle haben. Das macht doch noch mehr Med. Studenten vom EUland Deuteschland zu uns kommen werden ?

Florian Lerchbammer: Für uns kann es nicht genügend Studienplätze geben ;-) - die Meduni in Linz ist ein heißes Eisen, welches einem Politkrimi gleichkommt.

Man ändert seinen Nick regelmäßig: Margaret Thatcher - ein Vorbild?

Florian Lerchbammer: Hab mich mit Thatcher nie auseinander gesetzt.

zauberlehrling85: Die AG hat in Innsbruck eine PR-Kampagne zur Bürgerinitiative ihres Vorsitzenden Florian Heiß für günstigere Studententarife im öffentlichen Nahverkehr mit rund 55.000 Euro aus ÖH-Rücklagen finanziert. Ergebnis der Aktion: 11.400 Unterschriften für

Florian Lerchbammer: Auftragsvergabe war ok. Hier hat sich die ÖH für günstigere Studententickets eingesetzt - mMn ein hehres Ziel! Der formale Fehler kann auch anders bewertet werden: als politischer Trick der Stadtregierung. Jedenfalls bleibt die ÖH Ibk dran, damit auch beim Kostenfaktor Mobilität (der lt Studierendensozialehrebung der drittgrößte Posten ist), den Studenten geholfen werden kann!

Luke-Skywalker: Würden Sie sich als Kandidat aus dem bäuerlich Milieu sehen?

Florian Lerchbammer: Nein

Vanguard: Finden Sie es nicht wahltechnisch absurd, dass die AG als mit Abstand stärkste Fraktion nicht in der Exekutive war? Was bedeutet das für die Repräsentation der Studierenden?

Florian Lerchbammer: Ist es - hoffe, dass wir diesmal einen Koalitionspartner finden, dem Studentenvertretung wichtiger ist, als der eigene "Macht"-Erhalt. Ein Großteil der Studierendeninteressen war ausgeklammert, wir haben aber auch sinnvolle Anträge der ÖH (zB Wohnen) untersützt.

Linkslinker Österreichfeind und Kulturbereicherer: Ich hab die ElefantInnenrunde auf fm4.orf.at mitverfolgt. Während der Diskussion hat es für mich ein bisschen so gewirkt, als würdest du mit VSStÖ und GRAS guter und böser Bulle spielen und, als wär die Stimmung zwischen euch als Alltagsmenschen gar

Florian Lerchbammer: Habe die Kandidaten der anderen Fraktion auch bereits abseits des Wahlkampfes kennen lernen dürfen - die einen waren mir sympathischer als die anderen. Politisch haben wir eben einen anderen Zugang ;-)

ModeratorIn: Und schon ist die Zweit wieder um! Vielen Dank für die Fragen, die wir leider nicht alle stellen konnten! Danke an Florian Lerchbammer für den Besuch in der Redaktion. Am Montag dann der letzte Teil der Chat-Reihe mit dem RFS!

Florian Lerchbammer: Herzlichen Dank für eure Fragen! Bitte geht nächste Woche zur Wahl - die höhere Wahlbeteiligung ist absolut das wichtigste! Erst an zweiter Stelle kommt die Wahlentscheidung. Die Frage ist: Weiter mit dem Geldverbrennen oder her mit konstruktiver ÖH Arbeit, die dort ansetzt, wo wir sie brauchen (Studienplatz, Transparenz, Betreuungsverhältnisse). Wir wollen die Rahmenbedingungen verbessern, wir wollen Studenten vertreten. Helft uns von 14. - 16. Mai dabei! In diesem Sinne: A Geh doch wählen ;-)

Share if you care.