8.-Mai-Gedenken: Wichs muss zu Hause bleiben

7. Mai 2013, 15:11
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Burschenschafter haben "stille Teilnahme" angekündigt, dürfen allerdings nicht in Burschenschafterkleidung erscheinen - "Den einen oder anderen wird man am Schmiss erkennen"

Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkrieges wird die Zweite Republik eine eigene Veranstaltung zum 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, ausrichten. Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) hat für diesen Tag von 7 bis 18 Uhr eine Mahnwache bei der Krypta am Wiener Heldenplatz zum Gedenken an die Opfer des Faschismus angeordnet. Am Abend geben dann die Wiener Symphoniker ein Gratiskonzert.

Die Burschenschafter, die bis dato hier ihr jährliches "Totengedenken" abgehalten haben, können somit keine eigene Veranstaltung abhalten und wollen dem von Klug ausgerufenen "Fest der Freude" als "stille Teilnehmer" beiwohnen, wie der Ring volkstreuer Verbände erklärte. Werden also am 8. Mai  AntifaschistInnen und deutschnationale Burschenschafter Seite an Seite am Heldenplatz gedenken?

Mölzer hat sich angekündigt

"Klug ist ein guter Mann", weil das Gedenken nun offiziell von der Republik begangen werde, sagt der FPÖ-Europaabgeordnete Anderas Mölzer zu derStandard.at. Die Betonung des Verteidigungsministers, dass es sich einzig um ein Gedenken der Opfer des Faschismus handle, will Mölzer nicht akzeptieren. Die Mahnwache sei automatisch auch ein Gedenken an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten, "so wird das in den höchsten Kreisen des Bundesheeres auch empfunden", sagt er. "Nachdem ich ein Freund der schönen Künste bin, werde das Konzert der Symphoniker anhören."

Im Gegensatz zu Mölzer ist die übrige FPÖ-Prominenz am 8. Mai vielfach verhindert. Martin Graf, der über Jahre prominenter Gast des "Totengedenkens" war, weile derzeit mit einer FPÖ-Delegation in China, hieß es aus dessen Büro. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der bereits in den vergangenen Jahren ferngeblieben war, könne ebenso weder bei der Mahnwache noch beim "Fest der Freude" auf dem Heldenplatz dabei sein.

Wichs muss zu Hause bleiben

In Burschenschafterkreisen regt sich aber auch Unmut: "Wenn Sozialisten mit Heeresgewalt versuchen, politisch Andersdenkende zu unterdrücken und zu verdrängen, ist dies zwar historisch nicht ungewöhnlich, aber in der heutigen Zeit erschütternd", heißt es auf einer Burschenschafter-Website. Ob die Burschenschafter tatsächlich als "stille Teilnehmer" erscheinen und "jeden Aktionismus unterlassen", wie es die Landespolizdirektion Wien im Gespräch mit derStandard.at erwartet, wird sich am 8. Mai zeigen.

Unter "Aktionismus" würde etwa auch das Tragen der Burschenschafter-Montur, des Wichses, fallen. Gerhard Schlüsselberger vom Ring volkstreuer Verbände erklärt, die teilnehmenden Burschenschafter würden ihren Wichs nicht anziehen, da es sich um keine eigene Veranstaltung der Burschenschafter handle. "Den einen oder anderen Burschenschafter wird man am Schmiss erkennen", sagt er zu derStandard.at.

"Heldendenkmal" wird umgestaltet

Der Verteidigungsminister präsentierte am Dienstag indes die Pläne zur Umgestaltung des "Heldendenkmals". Die in der Krypta gelagerten Totenbücher seien nach der symbolischen Streichung eines SS-Angehörigen dem Schwarzen Kreuz und dann dem Staatsarchiv übergeben worden. Alle Kranzschleifen und Inhalte der Vitrinen wurden dem Heeresgeschichtlichen Museum zur wissenschaftlichen Aufarbeitung überlassen. Die Leitlinien zur Umgestaltung des Raumes sollen nun bis Ende des Jahres erarbeitet und präsentiert werden. Wichtig sei, dass der Ort der Öffentlichkeit noch besser zugänglich gemacht und ein Ort des Gedenkens werde. Gleichzeitig solle die historische Dimension nicht übertüncht werden, sondern das Denkmal in all seiner Ambivalenz präsentiert werden. (APA/red, derStandard.at, 7.5.2013)

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    "Totengedenken" der Burschenschafter im Jahr 2012 vor der Krypta am Heldenplatz. Solche Bilder sollen, geht es nach dem Verteidigungsminister, der Vergangenheit angehören.

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