Quecksilber in der Arktis setzt Polarfüchsen zu

10. Mai 2013, 18:30
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Ernähren sich die Tiere von am Meer lebender Beute, sammeln sich schnell gefährliche Konzentrationen im Körper an

Selbst in der vergleichsweise menschenleeren Arktis sorgt Umweltverschmutzung für Probleme in der Tierwelt. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Polarfüchse gefährliche Quecksilbermengen im Körper akkumulieren, wenn sie in küstennahen Gebieten leben und sich von im und am Meer lebender Beute ernähren.

Quecksilber wird in der Regel entlang der Nahrungskette übertragen. Das internationale Forscherteam vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), der Moscow State University und der University of Iceland verglich drei Fuchspopulationen in verschiedenen Umgebungen. Die Füchse auf der kleinen russischen Kommandeurinsel Mednyi ernährten sich fast ausschließlich von Meeresvögeln und nur selten von Robbenkadavern. Die Hauptnahrungsquelle der an den Küsten Islands lebenden Füchse waren Seevögel. Polarfüchse, die weiter im Inselzentrum von Island lebten, ernährten sich von Landvögeln und Nagetieren.

In allen drei Gebieten traten verschiedene Mengen an Quecksilber in den Beutetieren auf. Füchse in küstennahen Regionen von Island und auf Mednyi wiesen dabei sehr hohe Quecksilberkonzentrationen in ihren Körpern auf. Was bedeutet das für die Tiere? Mittels Hautproben aus Beständen von Museen der Kommandeurinseln konnten die Forscher beweisen, dass die Füchse schon seit langer Zeit unter einer Belastung durch Quecksilber litten. Sie bestätigten, dass die Quelle der Kontaminierung in der Nahrung der Füchse lag. Die Wissenschaftler fanden sehr hohe Quecksilberwerte sowohl in Seevögeln als auch in Robben.

Landvögel und Nagetiere sind sicherer

Die im Landesinnern von Island lebenden Populationen des Polarfuchses hatten dagegen sehr niedrige Quecksilbermengen im Körper. Demzufolge half ihr Lebensraum im Inselzentrum, sich vor einer hohen Quecksilberbelastung zu schützen – so bestand ihre Nahrung aus Landvögeln und Nagetieren, anstelle von Beutetieren, die sich aus dem Meer ernähren. Zu hohe Quecksilberkonzentrationen können negative Auswirkungen auf Gesundheit und Populationsentwicklung haben.

Die Polarfüchse auf der kleinen Insel Mednyi haben keine Alternative zu quecksilberhaltigen Nahrungsquellen. Sie erlitten phasenweise einen enormen Populationsrückgang und obwohl die Populationsgröße zurzeit stabil scheint, ist sie durch ihre geringe Größe gefährdet. Insbesondere junge Füchse weisen hohe Sterblichkeitsraten auf. Die gesamte bestehende Population ist gekennzeichnet durch ein geringes Körpergewicht und ihr Fell befindet sich in einem schlechten Zustand. (red, derStandard.at, 10.05.2013)

  • Besonders die Jungtiere des Polarfuchses (Vulpes lagopus) weisen wegen hoher Quecksilberkonzentrationen weisen steigende Sterblichkeitsraten auf.
    foto: bocharova n./izw

    Besonders die Jungtiere des Polarfuchses (Vulpes lagopus) weisen wegen hoher Quecksilberkonzentrationen weisen steigende Sterblichkeitsraten auf.

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