Österreichs Manager tricksen gerne bei Zahlen

7. Mai 2013, 16:12
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Beim Zahlenschönen werden die heimischen Firmenlenker nur von den Osteuropäern übertroffen. Die Krise führt zu mehr Korruption

Der Hang zur Korruption steigt, bekämpft wird er zu wenig. So fasst das Beratungsunternehmen Ernst & Young seinen neuesten Korruptionsbericht zusammen. Österreichs Firmenlenker fallen darin vor allem durch einen Hang zum Zahlenschönen auf. Korruption als gesellschaftliches Phänomen, als "gefühlter" Teil des Geschäftslebens, tritt vor allem in Osteuropa auf. Österreich liegt mit 46 Prozent etwas besser als der europäische Durchschnitt.

Eigenes Fehlverhalten unbemerkt

Im Ganzen zeichnet die Studie ein befremdliches Licht. Während jeder vierte Manager in Westeuropa Bestechung zum Alltag zählt, ist es nur jeder siebente, der damit auch Aufträge für die eigene Firma einheimsen würde. Fehlverhalten im eigenen Betrieb wird also heruntergespielt.

Mit der Krise scheint zudem ein neues Motto Hochkonjunktur zu haben: Wenn schon ein Fehlverhalten nötig ist, um an Aufträge zu kommen, dann ein gravierendes. 16 Prozent der Manager halten im Falle eines Geschäftseinbruchs den Griff zum Türe öffnenden Bargeldköfferchen für gerechtfertigt. Vor drei Jahren waren nur neun Prozent dieser Meinung.

Noch öfter versuchen die Bosse, den oder die Umworbene(n) mit persönlichen Geschenken (17 Prozent) gütig zu stimmen.

Österreichische Zahlenspiele

Oft wird aber nicht geschmiert, sondern an den Unternehmenszahlen herumgedoktert, um die Firmensituation in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Wer näher am Geschehen ist, greift eher in die Trickkiste. Während jeder zweite Finanzvorstand angibt, dass sein Unternehmen den Ist-Zahlen mit etwas Phantasie zu ihrem Soll verhilft, bekundet das nur jeder dritte Compliance- oder Rechtsvorstand.

Weit vorne beim Zahlenschönen liegt Österreich. 51 Prozent der Befragten berichten, dass sich die Firmen die Zahlen je nach Bedarf zurechtbiegen. Höher liegt dieser Wert nur in vier osteuropäischen Staaten und Spanien. Anders im hohen Norden, in Frankreich und in der Schweiz, die sich als besonders sauber einstufen.

Was die Korruptions-Prävention betrifft, so üben sich vor allem die USA in der Vorreiterrolle: Bevor dort ein Unternehmen ein anderes kauft, wird das Übernahmeobjekt in 84 Prozent der Fälle auch auf Anti-Korruptionsregeln geprüft, heißt es im Vorjahresbericht von Ernst & Young. Global gesehen sind es nur 43 Prozent. (sos, derStandard.at, 7.5.2013)

Wissen

Befragt wurden von Ernst & Young 3.500 Mitarbeiter großer Unternehmen in 36 Ländern. In Österreich wurden 100 Befragungen durchgeführt.

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    Die Grafik zeigt nur einen kleinen Auszug und entspricht nach der fünften Position nicht mehr der europäischen Rangliste.

  • Die Studie "Navigating today’s complex business risks" im Wortlaut.

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