Österreichische Filmindustrie: "Wir sind keine Bettler, wir liefern etwas"

7. Mai 2013, 12:48
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Steigende Arbeitslosigkeit für das zweite Halbjahr erwartet - Angespannt aufgrund ORF-Gebührenrefundierung

"Wir sind keine Bettler, wir liefern etwas." Recht drastische Worte fand der langjährige Michael-Haneke-Produzent und Präsident der Film Austria, Veit Heiduschka, angesichts der durch das Auslaufen der ORF-Gebührenrefundierung drohenden Sparmaßnahmen für die heimische Filmwirtschaft.

Die unmittelbaren Auswirkungen - bereits 2013 seien Serien- und einzelne Filmprojekte betroffen - habe die Politik nicht bedacht. Deshalb forderte man am Dienstag erneut die gesetzliche Zweckwidmung von zwanzig Prozent der Gebühreneinnahmen für Auftragsproduktionen.

Nicht auf dem Rücken der Konsumenten

Wobei dies nicht auf dem Rücken der Seher ausgetragen werden sollte, wie Fachverbandsobmann Danny Krausz unterstrich. "Es geht auch konsumentenneutral", erteilte er dem Szenario höherer Gebühren eine Abfuhr. Stattdessen müsse man sich den gesamten Finanzhaushalt anschauen und "nicht nur diese eine Maßnahme beschließen", wie er auf APA-Nachfrage konkretisierte, und etwa auf eine "Optimierung der Funktionalität der Landesstudios" verwies. Ähnlich argumentierte Heiduschka: "Es gibt auch andere Wege als die Refundierung, um der Filmwirtschaft zu helfen."

Diese sieht sich jedenfalls akut gefährdet. In einer Videobotschaft sprach Schauspieler Harald Krassnitzer von einem "schweren, wenn nicht gar tödlichen Schlag für die österreichische Filmindustrie" angesichts drohender Kürzung von rund einem Drittel des gesamten Programmbudgets für unabhängige Fernsehfilm- und Fernsehdokumentationssendungen. Nicholas Ofczarek forderte den Gesetzgeber auf, "dem ORF bei Programmkonzeption und beim Sparen" zu helfen. Und Krausz sieht bereits für das dritte und vierte Quartal des laufenden Jahres steigende Arbeitslosigkeit in der Filmbranche: "Das ist ein Faktum, das nicht wegzudiskutieren ist."

Betroffene Produktionen unbekannt

Welche Produktionen nun betroffen sind, darüber gab es auch seitens des ORF auf Nachfrage keine detaillierte Auskunft. Das Medienberichten zufolge gekippte Schalko-Projekt "Salambo" sei jedenfalls nicht aufgrund der finanziellen Situation gestrichen worden, sondern soll durch ein "Ersatzprojekt aus der gleichen Schmiede" ersetzt werden.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz betonte gegenüber der APA das Interesse des ORF "an weiterführenden Gesprächen mit der Politik, um das derzeitige Rekordvolumen von mehr als 100 Mio. Euro an Investitionen in österreichische Produktionen halten zu können. Und wir werden in jedem Fall und im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten ein verlässlicher und fairer Partner bleiben."

Solidarisch erklärte sich auch der Dachverband der Filmschaffenden. "Wir fordern, dass umgehend gehandelt wird", betonte Maria Anna Kollmann. Produzent John Lueftner zufolge sind besonders kleine Produktionsfirmen bedroht, was letztlich Auswirkungen auf "Vielfalt sowie Nachwuchs- und Talentförderung" habe. Daher müsse die Politik den ORF "mit entsprechenden Mitteln ausstatten". (APA, 7.5.2013)

  • Auch mehrfach Oscar-Gewinne können die österreichische Filmförderung nicht aus ihrem Dornröschenschlaf wecken.
    foto: epa

    Auch mehrfach Oscar-Gewinne können die österreichische Filmförderung nicht aus ihrem Dornröschenschlaf wecken.

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