Was Frauen wirklich wollen

7. Mai 2013, 17:00
26 Postings

Das Vereinbaren von Beruf und Familie stellt besonders Frauen noch immer vor große Herausforderungen. Gefordert wird auch eine höhere Bereitschaft der Betriebe, um Job und Kinderbetreuung besser unter einen Hut zu bringen

Wenig Probleme haben Mütter beim Wechsel von der Babypause ins Berufsleben, problematisch wird es erst in der Folge. Das ergab eine Studie von Market im Auftrag der Oberbank, nach der sich knapp 30 Prozent der berufstätigen Mütter mit Problemen bei der Betreuung ihrer Kinder konfrontiert sehen. Bei Vollzeitberufstätigkeit so wie bei alleinerziehenden Müttern ist dieser Anteil noch höher. Am schwierigsten, so die Studie, sei die Betreuung bei Krankheit, die fehlende Nachmittagsbetreuung der Kinder, aber auch die Unsicherheit, pünktlich von der Arbeit wegzukommen.

Zu wenige Betreuungsplätze

In Österreich hat derzeit nicht einmal jedes fünfte Kind unter sechs Jahren einen Betreuungsplatz, der mit einer Vollzeit-Erwerbstätigkeit vereinbar wäre. Kaum überraschend sind daher auch die Ergebnisse einer Sora-Studie zur Familienpolitik in Österreich. Mehr als die Hälfte der befragten Eltern gab an, dass es zu wenige Betreuungsplätze für Kinder unter sechs Jahren gibt und dass die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen zu kurz sind. Für knapp die Hälfte der Eltern gibt es auch zu wenige Ganztagsschulen.

Mehr Einsatz für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird auch von den Betrieben gefordert, so die Ergebnisse. Ebenfalls mehr als die Hälfte der befragten Eltern meinen, dass es eine zu geringe Bereitschaft der Betriebe gibt, sich für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einzusetzen. Und das wäre auch rein volkswirtschaftlich eine Notwendigkeit, da auf die Arbeitskraft und auf das Wissen der Frauen nicht so einfach verzichtet werden kann. Denn wenn Frauen nach der Babypause nicht mehr ins Unternehmen zurückkehren, geht den Unternehmen auch ihr fachliches Know-how verloren.

Teilzeit, gleiche Bezahlung

Ein gleiches Gehaltsschema von Frauen und Männern werde, laut Market-Studie, von 80 Prozent der Befragten als absolute Notwendigkeit für den Wiedereinstieg ins Berufsleben gesehen. Für über 70 Prozent ist auch die Möglichkeit zur Teilzeit eine Grundvoraussetzung, um Beruf und Familie vereinbaren zu können. Bei mehr als der Hälfte erleichtern auch Versorgungsmöglichkeiten für die Kinder im Unternehmen oder in der Nähe des Unternehmens die Vereinbarkeit. Weniger wichtig ist berufstätigen Müttern, die Möglichkeit, Aufgaben auch von zu Hause aus erledigen zu können.

Familienfreundlichkeit als wirtschaftlicher Faktor

Dass sich Familienfreundlichkeit auch fürs Unternehmen rentiert, hat der deutsche Wirtschaftsforscher Helmut Schneider vom Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik ausgerechnet. In seinen Forschungen hat er 15 Kriterien gefunden, bei denen familienfreundliche Betriebe signifikant besser abschneiden: So sinkt die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage, während weniger familienfreundliche Betriebe mehr Fehltage verzeichnen als der Durchschnitt. In familienfreundlichen Betrieben wechseln Mitarbeiter signifikant seltener die Firma, sie sind motivierter und kündigen seltener. Sogar die Elternkarenz wird kürzer in Anspruch genommen - und es bewerben sich mehr und bessere Job-Anwärter. Die breite Streuung der Kriterien zeige, wie umfassend familienfreundliche Unternehmenspolitik wirke, so Schneider. Im Gegenzug fielen bei den befragten Unternehmen nur Kosten von rund 40.000 Euro an, ergänzt er.

Unterstützung bei der Pflege

Doch nicht nur Kinderbetreuung stellt Mütter vor Herausforderungen, auch die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger und die damit verbundene zeitliche Einschränkung rücken immer weiter ins Bewusstsein. Und hier sehen sich sowohl Männer als auch Frauen gefordert. Einer weiteren Market-Studie zufolge gab knapp die Hälfte der befragten Männer an, dass die mangelnde Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen zur Unvereinbarkeit von Beruf und Familie führe. Jede vierte Frau ist überzeugt, dass mit der Pflege von Familienangehörigen ein Beruf auf keinen Fall vereinbar sei. Mit zunehmendem Alter der Befragten, sind auch Männer vielfach dieser Meinung. Pflegende Angehörige können ab 1. Jänner 2014 bis zu drei Monate in Pflegekarenz gehen. (ost, derStandard.at, 7.5.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wie Familie und Karriere im Gleichgewicht zu halten sind, zeigen viele Studien. Nur an der Umsetzung scheitert es.

Share if you care.