Zweite europäische Vega-Rakete erfolgreich gestartet

7. Mai 2013, 06:57
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Satelliten sollen globalen Pflanzenbestand und Klimawandel überwachen

Kourou/Paris - Die zweite europäische Vega-Rakete ist erfolgreich ins All gestartet. Der 30 Meter hohe Lastenträger hob am Montagabend (Ortszeit) vom Weltraumbahnhof Kourou im südamerikanischen Französisch-Guayana ab. An Bord waren nach Angaben des Kontrollzentrums die Erdbeobachtungssatelliten Proba-V und VNREDSat-1. Der ursprünglich für vergangenen Freitag geplante Start war kurz vor dem Abheben wegen ungünstiger Wetterbedingungen und starker Höhenwinde verschoben worden.

Kartierung der globalen Vegetationsdecke

VNREDSat-1 wird in Vietnam eine genauere Erkundung der Folgen des Klimawandels ermöglichen und zur Vorhersage und Verhütung von Naturkatastrophen dienen. Es ist der erste kommerzielle Satellit, der von Vega ins All gebracht wird. Der von einer belgischen Firma für die europäische Raumfahrtagentur ESA entwickelte Satellit Proba-V soll den globalen Pflanzenbestand überwachen. Der Satellit fliegt auf derselben Umlaufbahn wie der französische Satellit Spot 5, um den alternden Satelliten bei dessen Außerbetriebnahme im kommenden Jahr ablösen zu können.

An Bord hat er das Instrument "Vegetation" zur Kartierung der globalen Vegetationsdecke im 48-Stunden-Rhythmus. Dabei handelt es sich um ein hochmodernes optisches Abbildungsgerät, das Bilder mit einer Auflösung von 350 Meter in vier Bereichen für sichtbares Licht und Infrarot erzeugen und mit einer beeindruckenden Abtastbreite von 2250 Kilometer die tägliche Erfassung aller Gebiete zwischen 35 und 75° nördlicher Breite und zwischen 35 und 56° südlicher Breite ermöglichen wird. Diese Daten werden anschließend verarbeitet und einem großen Kreis internationaler Nutzer zugänglich gemacht, unter anderem der Europäischen Kommission, gab die ESA in einer Aussendung am Dienstag bekannt.

Estlands erster Satellit

An der Entwicklung eines weiteren, von Studenten aus Estland gebauten Nanosatelliten war auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt. ESTCube 1 ist Estlands erster Satellit. Er wird ein 10 m langes Seil freisetzen, um elektrostatisches Manövrieren durch Plasmaströmungen zu demonstrieren, was zur Entwicklung elektrostatischer Sonnensegel für treibstofffreie interplanetare Flüge führen könnte.

Die Satelliten wurden nach der dritten und vierten Zündung der Oberstufe ausgesetzt. Mit einer fünften und letzten Zündung wurde im Einklang mit den neuen Vorschriften zur Eindämmung von Weltraummüll die ausgediente Oberstufe auf eine Flugbahn befördert, die ihren sicheren Wiedereintritt in die Erdatmosphäre gewährleistet. 

Vega komplettiert Raketenfamilie

Die vor allem in Italien gebaute Vega komplettiert die europäische Raketenfamilie, die bisher aus der mehr als 50 Meter hohen Ariane 5 und der mittelgroßen, von Russland zugekauften Sojus bestand. Der jüngste Träger kann je nach Art und Höhe der gewünschten Umlaufbahn Nutzlasten von bis zu 1.500 Kilogramm in niedrige polare Umlaufbahnen zwischen 300 und 1500 Kilometer Höhe bringen. Anders als die meisten anderen Kleinträger kann die Vega mehrere Nutzlasten in den Weltraum befördern. Die erste Rakete war im Februar 2012 gestartet. (APA/red, derStandard.at, 7.5.2013)


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