Walter Steidl: Ein geeichter Polit-Profi für alle Fälle

Kopf des Tages6. Mai 2013, 18:54
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Walter Steidl wird neuer Parteichef der Salzburger SPÖ

Einer Regierung unter einem ÖVP-Landeshauptmann Wilfried Haslauer möchte er nicht angehören. Das war die erste Emotion von Walter Steidl, nachdem am Sonntag das katastrophale Ausmaß der SPÖ-Niederlage bei den Landtagswahlen bekannt geworden war. Bereits am frühen Abend hatte der 55-Jährige seine Emotionen bereits wieder im Griff: Vielleicht lasse sich ja das im Wahlkampf zerschlagene Porzellan wieder kitten.

Seine Gefühle zu zügeln, hat der Elektroinstallateur mit Facharbeiterprüfung in unzähligen Sozialpartnerverhandlungen gelernt. Er ist seit 2003 Geschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten, zuvor war er Regional- und Jugendsekretär. Sein gewerkschaftliches Engagement habe seine Wurzeln auch in seiner Herkunft, erzählen Gewerkschaftsfunktionäre: Steidl stamme aus einfachsten Verhältnissen, die Mutter Putzfrau, der Vater Lkw-Fahrer, die Familie hatte sechs Kinder.

Nun soll er sein gewerkschaftliches Verhandlungsgeschick für die Salzburger SPÖ verwenden. Steidl folgt Gabi Burgstaller an der Spitze der Partei nach. Er wird auch das rote Verhandlungsteam in die Regierungsverhandlungen führen - für seine jeweiligen Gegenüber nicht unbedingt eine gute Nachricht. Der Pinzgauer gilt nicht nur als zäher Verhandler, sondern auch als geeichter Polit-Profi, den man fast überall einsetzen kann. Neben seiner Gewerkschaftstätigkeit war er ab 1999 auch Landtagsabgeordneter, zwei Jahre davon (2007-2009) SP-Klubchef.

Sein Eintritt in die Landesregierung im September 2012 war weniger Ergebnis konsequenter Karriereplanung, sondern eher ein Dienst an der Partei. Als Soziallandesrätin Cornelia Schmidjell krankheitsbedingt zurücktreten musste, holte ihn Burgstaller in die Regierung. Dass er dann im Jänner 2013 vom Landesrat zum Landesvize aufstieg, war auch nicht geplant. Er folgte dem im Zuge des Finanzskandals zurückgetretenen David Brenner.

Dass der Vater von vier Kindern jetzt die SPÖ übernimmt, passt in das Bild eines Funktionärs, der zur Stelle ist, wenn Not an der Partei ist. Dabei kann es schon einmal zu Loyalitätskonflikten kommen. Als Gewerkschafter und Abgeordneter unterstützte er 2010 noch eine Petition an den Landtag, die die Angleichung der Landesförderung für Sozialvereine an den jeweiligen Kollektivvertrag für die Mitarbeiter zum Ziel hatte. Drei Jahre später - als Sozialressortchef - wollte er davon nichts mehr wissen. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 7.5.2013)

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