Hypo-Investmentbanker stritten um Geld

6. Mai 2013, 18:38
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Vorzugsaktien für VCP und HSBC - Statt Landesholding zahlte Hypo Beraterhonorar

Wien - Im Gerichtsstreit der BayernLB gegen die Verkäufer der Hypo Alpe Adria wird am Dienstag Grawe-Chef Othmar Ederer als Zeuge einvernommen. Die Bayern fordern die Rückabwicklung des Deals; sie fühlen sich von den Verkäufern (darunter war auch die Grawe) getäuscht. Vorige Woche hatte zu diesem Thema auch Investmentbanker Heinrich Pecina ausgesagt; Chef der Vienna Capital Partners (VCP). Die VCP war lange Kapitalmarktberater der Hypo Gruppe gewesen.

Pecina, bzw. die ihm zuzurechnenden Privatstiftungen Annagasse und Collegia, hatten auch Hypo-Vorzugsaktien gezeichnet. Das hat den Investmentbanker in jenes Strafverfahren in Kärnten verwickelt, in dem es um den Vorwurf der Beihilfe zur Untreue bzw. Bilanzfälschung geht. Denn die Vorzugsaktien wurden dem Eigenkapital zugerechnet, obwohl sie mit Geld von der Hypo erworben worden sind.

Aus Pecinas Einvernahmen vor dem Staatsanwalt (er bestreitet die Vorwürfe, und es gilt die Unschuldsvermutung) geht hervor, warum das geschah. Laut Pecina hätte sich die VCP den Erwerb der Aktien selbst leisten können. "Auf Wunsch von Wolfgang Kulterer" (dem damaligen Hypo-Chef; Anm.) sei aber eine Kreditfinanzierung über die Hypo Liechtenstein erfolgt - und zwar, "um das Kreditvolumen von dieser Bank zu erhöhen". Die Sache wurde sehr diskret abgewickelt: Als Kreditnehmer trat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auf, die die Buchhaltung der Stiftungen besorgte.

Im September 2007 übernahm die Annagasse weitere Vorzugsaktien; in Summe ging es dann um ein Volumen von 30,4 Mio. Euro. Das ganze Paket wanderte aber gleichen Tags zur Investmentbank HSBC. Auch sie war Beraterin der Kärntner gewesen und Geschäftspartnerin der VCP.

Ein Jahr davor hatte sich zwischen den Investmentbankern und den Hypo-Eignern allerdings ein Streit entzündet .

Damals stieg Berlin & Co in die Hypo ein - ohne Zutun und wider den Rat von HSBC und VCP. "Wir hegten Zweifel, ob Berlin & Co.tatsächlich in der Lage sein würden, das erforderliche Kapital aufzubringen", sagte Pecina aus. Die Bank habe man darauf hingewiesen. Die Folge war ein Honorarstreit, "der in erster Linie von der Grawe ausging". Weil Berlin & Co als Kapitalgeber nicht von den Investmentbankern gebracht worden war, habe Grawe-Chef Ederer "die Meinung vertreten, dass HSBC/VCP überhaupt kein Honorar zustehen würde". Die Folge: Alle Verträge wurden beendet.

Allerdings durfte die HSBC beim Bayern-Einstieg 2007 dann auftrags der Kärntner Landesholding die Fairness Opinion erstellen. Bezahlt hat die 3,8 Mio. Euro aber die Hypo - auch das interessiert die Justiz. (gra, DER STANDARD, 7.5.2013)

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