Jung, urban, weiblich: Das Erfolgsrezept der Grünen

6. Mai 2013, 20:56
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Wo junge, gut gebildete Menschen in städtischen Räumen leben, ist der Wähleranteil der Grünen besonders hoch

Das Muster war an den drei Wahlsonntagen stets gleich: Solange die Ergebnisse aus den ländlichen Kleingemeinden eingetroffen sind, blieb der Jubel bei den Grünen verhalten. Im städtischen Bereich waren ihre Erfolge dagegen umso größer - auch am vergangenen Sonntag mussten die Hochrechnungen immer wieder zugunsten der Grünen nachgebessert werden, weil sie in den später ausgezählten städtischen Wahlsprengeln deutlichere Zugewinne erzielen konnten als das die Wahlergebnisse in den ländlichen Gemeinden erwarten ließen.

Schließlich 26,32 Prozent Grünen-Stimmen in der Stadt Salzburg - eineinhalb Prozentpunkte mehr als die Bürgermeister- und bisherige Landeshauptfrau-Partei SPÖ. Damit ist Salzburg die zweite Landeshauptstadt, in der die Grünen bei einer Landtagswahl die relative Mehrheit erreichen konnten.

Eine Woche davor war dasselbe bereits in Innsbruck gelungen - dort haben die Grünen 23,85 Prozent erreicht, fast fünf Prozentpunkte mehr als bei den ohnehin schon erfolgreichen Gemeinderatswahlen.

Grünes Wählermuster

Ähnlich, wenn auch nicht so spektakulär, waren auch die Zugewinne in Klagenfurt und Villach, den beiden größten Kärntner Städten, ähnlich auch das Muster bei der Auszählung der Stimmen im Wiener Umland, als im März der niederösterreichische Landtag gewählt wurde.

Nun weiß man auch bei den Grünen, dass Landtagswahlergebnisse (und erst recht Kommunalwahlergebnisse) nicht direkt auf die Bundesebene umgelegt werden dürfen - aber es ist eben auch wahrscheinlich, dass jemand, der schon einmal die Grünen gewählt hat, bei einer anderen Wahl wieder Grün wählen wird.

Die Wählerstromanalyse, die das Institut Sora für den ORF in Salzburg gemacht hat, ist dafür ein Beleg. Dort heißt es: "Die Grünen können über drei Viertel (77 Prozent) ihrer Wählerinnen und Wähler von 2009 halten. 6000 Grün-Wähler sind ehemalige Nichtwähler." Das hängt auch damit zusammen, dass viele Anhänger der Grünen bei der vorigen Wahl noch gar nicht wahlberechtigt waren. Denn typische Grün-Wähler sind nicht nur urban, sie sind auch deutlich jünger als der Bevölkerungsdurchschnitt: In Salzburg bekannten sich Jungwähler unter 30 in höherem Ausmaß zur Wahl der Grünen als zu jeder anderen Partei.

Dazu kommt, dass die Grünen wesentlich besser weibliche Wähler ansprechen können als andere Parteien.

Gut aufgestellt

Rund 15 Prozent erreichen die Grünen nun in den meisten Umfragen, sie sind damit rund eineinhalbmal so stark wie bei der Wahl 2008. Österreichs Grüne sind damit auch im Vergleich mit Grün-Gruppen in anderen EU-Ländern sehr gut aufgestellt - und die Wahlberechtigten stellen ihnen in den regelmäßigen Market-Umfrage für den STANDARD auch im Vergleich zu den österreichischen Parteien überwiegend gute Noten aus: Nur bei den Freiheitlichen wisse man ähnlich genau, wofür sie stehen (nämlich ziemlich genau für das Gegenteil dessen, was die Grünen vertreten).

Parteichefin Eva Glawischnig sagte dazu bei der vom Standard mitveranstalteten Diskussion "Zukunft am Wort": "Die Wähler denken nicht nur bis zur nächsten Wahl, sondern wollen eine Partei mit längerfristiger Vision."

In den Umfragen zeigt sich eine weitere Stärke: Keiner anderen Partei wird in so hohem Maß zugetraut, dass sie jungen Menschen eine Chance gibt, sich in der Politik zu bewähren. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 7.5.2013)

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    Grüne im Aufwind - nicht nur auf Plakaten: Die Grünen streben nun Regierungsbeteiligungen an und versuchen, ihrer jungen, urbanen Klientel etwas zu bieten.

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