Habsburg-Gruppe ist am Zug

6. Mai 2013, 18:20
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Gericht beendet Saga um Zeitungskauf in Bulgarien

Sofia/Istanbul – "Es war nix."  Auf diese überraschende Formel lässt sich das Urteil einer Richterin am Sofioter Stadtgericht bringen, die Ende April weitgehend unbemerkt einen Schlussstrich zog unter einen seit zwei Jahren dauernden Streit zwischen einer Wiener Käufergruppe um Karl von Habsburg und ihren bulgarischen Geschäftspartnern, dem Industriellen Ognyan Donew und dem Verleger Ljubomir Pawlow. Gemeinsam hatten sie zwei der auflagenstärksten Zeitungen in Bulgarien vom deutschen WAZ-Konzern gekauft.

Das Gericht befand nun, dass die unabgesprochene Überschreibung von 83 Prozent der Anteile am gemeinsamen Medienunternehmen an den Pharmahersteller Donew unrechtmäßig war und deshalb auch nicht gültig. Weil die Transaktion an einem Sonntag im März 2011 bei einer Notarin in Sofia rechtlich nicht stattfand, so folgerte das Gericht, hat sich auch niemand schuldig gemacht.

Käufertrio wieder Besitzer

Die konstruiert anmutende Argumentation setzt das Käufertrio Habsburg, Hristo Grosew und Daniel Rutz wieder ins Recht. Sie sind – wie vor dem März 2011 – Mehrheitseigentümer der Media Group Bulgaria Holding, der die Tageszeitungen Trud, 24 Chassa, die Wochenzeitung 168 Chassa, ein Verlagsgebäude, Druckerei, Vertriebssystem und eine Reihe kleinerer Magazine gehören. Habsburg & Co waren seinerzeit das Vehikel für den Einstieg beim Kaufgeschäft mit der WAZ; ihr Beitrag zur Kaufsumme belief sich auf sechs Millionen Euro, der überwiegende Teil der kolportierten Kaufsumme von 40 Millionen Euro stammt von Ognyan Donew, einem der führenden Industriellen des Balkanlands. Im Zug der Neuordnung der Eigentumsverhältnisse an den Zeitungen sollte der Anteil der Wiener Käufergruppe dann auf 34 Prozent sinken. Allerdings gab es darüber keine schriftliche Vereinbarung.

Und die Besitzer haben mittlerweile auch schon gewechselt: Trud und Chassa werden von einem neuen Medienunternehmen der früheren Chefredakteurin Wenelina Gotschewa geführt, angeblich finanziert von der Investbank, einem privaten bulgarischen Geldinstitut. Donew und Pawlow hatten sich nach eigenen Angaben starkem politischem Druck durch die Regierung des früheren Premiers Boiko Borrissow ausgesetzt gesehen. Sie verkauften ihre Anteile an den Zeitungen – und die der Wiener Gruppe – an Gotschewa.

Von Beginn an stand das Bulgarien-Abenteuer unter politischen Vorzeichen: Borissow, so wurde spekuliert, wollte die regierungsfreundliche Medienlandschaft ausbauen. Während sich Habsburg und Rutz im Hintergrund hielten, stritt Grosew vor Gericht. Die Gruppe wird möglicherweise auf einen weiteren Prozess verzichten und sich von Gotschewa ausbezahlen lassen. (Markus Bernath, DER STANDARD, 7.5.2013)

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    Bulgarien-Abenteuer zu Ende: Karl von Habsburg.

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