"Natürlich sind wir jetzt unter Druck"

6. Mai 2013, 18:20
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Wer ein richtiger Fußballer werden möchte, muss auch Rückschläge verkraften - Der Bremer Michael Lercher und der Austrianer Sascha Horvath bleiben jedenfalls unbeirrt

Wien/Dubnica - Sascha Horvath war angefressen. Mit einem 0:1 in die EM-Endrunde zu starten ist maximal suboptimal. Immerhin sei man mit Gastgeber Slowakei auf Augenhöhe gewesen, im Fußball, sagt Horvath, benötige man auch Glück. Der Gegentreffer in der Nachspielzeit sei das Gegenteil davon gewesen. Österreichs U17-Team hat sich am Sonntagabend in Zilina mit Trainer Hermann Stadler die Partie zwischen Schweden und der Schweiz, den weiteren Gruppengegnern, angeschaut. Die Skandinavier siegten 1:0, sie sind am Mittwoch in Dubnica (16 Uhr, ORF Sport Plus) der Prüfstein. "Natürlich sind wir jetzt unter Druck", sagt der 16-jährige Horvath. Kapitän Michael Lercher, er ist 17, rechnet mit einer Leistungssteigerung. "Fürchten müssen wir uns nicht. Das Halbfinale bleibt das Ziel."

Der Vergleich

Horvath, ein Wiener, trainiert bereits mit der Kampfmannschaft der Austria. Die Umstellung sei relativ unproblematisch gewesen. "Peter Stöger und die Spieler unterstützen mich. Ich profitiere vom direkten Vergleich. Weil ich jeden Tag sehe, in welchen Belangen ich noch zulegen muss - in allen." Als ganz kleiner Bub hat er in Schwechat gekickt, in einem Match gegen die Austria ist er positiv aufgefallen. Schwups, wurde er im Alter von zehn Jahren wegengagiert, Schwechat konnte da nicht mithalten.

Horvath ("Ich spiele ungefähr die Position von Zlatko Junuzovic") besucht das Oberstufenrealgymnasium Wendstattgasse in Favoriten. "Ich will die Schule unbedingt fertig machen, man weiß ja nie." Er hat einen sogenannten Jungprofivertrag, verdient bereits Geld. "Wie viel, sage ich nicht." Einmal hat Stöger den Mittelfeldkicker in der Bundesliga auf die Bank gesetzt. "Ein Höhepunkt meiner Karriere."

Außenverteidiger Lercher stammt aus Innsbruck, im Juli 2012 hat er die Tiroler Akademie verlassen. "Neue Trainer sind gekommen, das hat mir nicht getaugt." Da er im Besitz eines Angebots von Werder Bremen war, " fiel mir der Abschied nicht schwer". Lercher bereichert das Gymnasium Obervieland in Bremen, in Deutschland heißt die Matura Abi. Er ist schon oft verletzt gewesen (zweimal den Mittelfuß gebrochen), weiß also, "dass man keine Garantie hat. Ich interessiere mich sehr für Architektur, das wäre ein zweites Standbein im Hinterkopf." Im Vorderkopf ist freilich nur Platz für Fußball.

Geduld- und Wegfragen

"Es gibt nicht nur einen Weg, jeder muss den seinen finden und gehen. Egal, ob im Ausland oder im Inland", sagt Horvath und bestätigt Lercher, der auch auf einen Jungprofivertrag spitzt. "Man muss Geduld haben, einen Schritt nach dem anderen setzen."

Der Bremer hat übrigens keinen Kontakt zum Klubkollegen Marko Arnautovic. "Ich kenne ihn nicht, er muss ein eigener Mensch sein." Als Vorbild bezeichnet er David Alaba. Horvath liegt da voll auf der Linie. " Er zeigt, dass alles möglich ist - wenn du hart arbeitest. Das Leben ist ein Lernprozess." Die Gefahr des Abhebens bestehe nicht. "Unsere Familien halten uns klein." Auf die Horvaths und Lerchers ist Verlass.

Die EM in der Slowakei ist quasi ein Türöffner. Scouts aus ganz Europa schauen vorbei, die beiden Österreicher schieben das beiseite. "Du musst dich auf das Wesentliche konzentrieren." Kapitän Lercher glaubt fest an den Aufstieg. "In der Mannschaft steckt Potenzial. Sie kämpft und weiß, worum es geht. Die EM ist für alle eine aufregende Geschichte."

Spielmacher Valentino Lazaro (17), der für Red Bull Salzburg schon einmal gegen Rapid im Einsatz war und einen Jungprofivertrag vorweisen kann, hat sich in der ersten Partie leicht verletzt. Er sollte gegen Schweden fit sein. Lazaro, Horvath und Lercher sagen: "Das Turnier kann über Karrieren entscheiden." (Christian Hackl, DER STANDARD, 7.5.2013)

  • Sascha Horvath im Dress von Austria Wien.
    foto: fk-austria.at

    Sascha Horvath im Dress von Austria Wien.

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