Anders als super

5. Mai 2013, 20:12
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Erdrutschbehauptungen seitens des ORF und kreuzkriecherische Demut seitens der Politiker

Jetzt ist schon wieder gewählt worden. Musste ja so kommen, weil, wie es so schön platt heißt, 2013 ja ein Superwahljahr sei. Was daran so super ist, bleibt traditionell im Dunkel des Jargons. Also geht man als Wähler einfach einmal davon aus, dass es mit der Anzahl der Urnengänge zu tun haben muss, die nur noch von jenen in den Krematorien übertroffen wird. Aber das allein reicht da wie dort nicht für ein Hochgefühl, das man mit "super"  umschreiben möchte.

Am Sonntag war es an Salzburg, über eine neue Landes­regierung abzustimmen. Das mündete in den Spezialsendungen des ORF zur Wahl in unzählige Erdrutschbehauptungen, die von keiner ein­zigen Mure belegt wurden. Und es ist auch nicht sehr galant, aus Gabi Burgstallers Rücktritt gleich einen Erdrutsch abzu­leiten.

Was fiel sonst auf? Bis auf Grün und die leicht zu euphorisierenden Blauen wirkten selbst die stimmenstärksten Schwarzen verschnupft. So als hätten sie eine langwierige Krankheit gerade einmal halbwegs ausgestanden. Das schlug sich im Interview mit Wilfried Haslauer in mehrfachen Demutsäußerungen nieder. Das ist zwar nicht neu, denn noch die hochmütigsten Politiker nehmen Wahlsiege in derselben Demut an, wie ein Wolf seine Kreide frisst. Doch neben all der kreuzkriecherischen Demut war ein Satz dabei, der aufhorchen ließ: "Die Wähler wollen, dass in einer Regierung zusammengearbeitet wird."

Eine Aussage, die man unterschreiben würde, allein, ein Blick auf die Politik genügt, und schon umweht sie der Verdacht, bloß die Floskel von der Demut zu ersetzen. Bisher ist es also bloß ein Wahljahr. Auf das super warten wir noch. (Karl Fluch, DER STANDARD, 6.5.2013)

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    Wilfried Haslauer umarmt eine Wahlhelferin während einer Wahlfeier der ÖVP am Sonntag in Salzburg.

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