Duften statt stinken

7. Mai 2013, 17:29
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Wer schwitzt, soll es geruchlos machen. Dafür wurden Deodorants erfunden. Wer, wie, wann und warum? Ein olfaktorischer Überblick aus der Gerücheküche

Menschen, die sich selbst sehr stark lieben, finden alles an sich fantastisch. Manchmal kann diese Art von Narzissmus anderen unangenehm in die Nase steigen, als Schweißgeruch nämlich. Und weil an den wenigsten von uns die Hygiene-Welle der 80er-Jahre spurlos vorübergegangen ist, hat jeder und jede das Recht bekommen, die Nase zu rümpfen. Wer erinnert sich nicht an den legendären Werbeslogan: "Mein Bac, dein Bac. Bac ist für uns alle da" - das war der Beginn einer Antistinkkampagne, die seit damals nie aufgehört hat. Wer heute in einem Drogeriemarkt die Deodorantprodukte durchzählt, kommt auf fast 200 verschiedene Produkte - Männer- und Frauenspezifisches gemeinsam gerechnet. Die Auswahl ist groß. Längst gibt es nicht mehr nur Roll-ons, Sticks und Sprays, mittlerweile unterscheidet man nach Wirkungsdauer (48 Stunden), Farbechtheit (Flecken auf der Wäsche) und gesundheitlicher Unbedenklichkeit.

Das Wichtigste vorneweg: Gerüchte, wonach die in Deodorants enthalten Aluminiumsalze für die steigenden Krebsfälle mitverantwortlich sein könnten, waren 2007 aufgekommen. 2011 gab die US-Gesundheitsbehörde FDA jedoch Entwarnung: Es konnten keinerlei Hinweise gefunden werden, wonach das äußerlich aufgetragene Deodorant die Entstehung von Krebszellen begünstigt. "In den Internet-Foren werden diese entlastenden Ergebnisse allerdings weiter ignoriert - es ist so, als ob die Menschen Angst vor Deos haben wollen", ärgert sich Erich Leitner von der Gesellschaft Österreichischer Chemiker.

Auf das Adreanlin kommt es an

Aluminiumsalze haben sich beim Unschädlichmachen von unangenehmen Gerüchen nämlich bestens bewährt. Schweiß an sich stinkt nicht. Vielmehr sind es die Bakterien, die die im Schweiß enthaltenen Proteine zersetzen. Und genau diesen Vorgang können Aluminiumsalze nachhaltig in Schach halten. Deodorants, die auf die geruchskillende Wirkung mit Alkohol oder ätherischen Ölen setzen, wirken oft nicht lange genug. Gegen Abend haben sich die Bakterien und damit der Schweißgeruch wieder durchgesetzt. Thomas Schmidt-Rose, Leiter der Nivea Forschungsabteilung "Deo" im Beiersdorf-Konzern, weiß, dass Schweißgeruch vor allem vom Adrenalinspiegel abhängig ist. Der kommt aus speziellen Drüsen und ist "im Gegensatz zu Schweiß, der sich zur Körpertemperaturregulation bildet, nicht geruchsneutral", sagt er.

Beiersdorf hat in seine Deos, die im Untertitel dann "Stress Protect" heißen, extra geruchstötende Zinkverbindungen eingebaut. Viele Deos sind darüber hinaus auch Antitranspirantien. Das heißt: sie verengen die Schweißdrüsen, und das wiederum hilft das Phänomen lästiger Schweißringe zu reduzieren, die durch Achselnässe entstehen. Für Menschen, die wirklich stark schwitzen - Hyperhidrose ist der Fachbegriff für die entsprechende Störung - sind Botox-Injektionen unter die Achseln oft der letzte Ausweg. Sie lähmen die Schweißdrüsen. Dass dies auch beim Tragen dunkler Oberteile von Vorteil sein kann, haben auch die Fashionistas schon entdeckt und leisten sich alle sechs Monate wieder eine 600-Euro-Spritze.

Mit Zitrone oder Essig gegen Schweißflecken

Bei knapp drei Prozent der Europäer ist Achselschweiß übrigens weiß. Überprüfen lässt sich das über das Ohrenschmalz. Wenn das weiß ist, ist auch der Schweiß farblos. Bei der überwiegenden Mehrheit ist es quittegelb und der Schweiß verfärbt somit vor allem die weiße Wäsche. "Gelbe Flecken lassen sich am besten mit ein bisschen Säure – zum Beispiel Zitrone oder Essig - behandeln, dann gehen sie beim Waschen raus", rät Chemiker Leitner. Schwer tue man sich, wenn man die Schweiß-Deo-Mischung erst einmal eingebügelt hat, "dann hat man keine Chance, entsprechende Chemikalien würde auch das Gewebe zerstören", sagt Leitner.

In den Laboratorien von Garnier hat man Eisen-Ionen in den Deos als die Schuldigen identifiziert und entsprechende chemische Formulierungen entwickelt, die ohne diese auskommen. Auch jeglicher Duftstoff muss in den Garnier-Labors erst einmal einen "Anti-Gelb-Test" bestehen. Ein Tipp aus dem Internet: Rostentferner gegen gelbliche Schweißränder können Wunder wirken, "Chlor ruiniert das Gewebe", ist Chemiker Leitner überzeugt.

Schweiß-Faktor "Kleidung"

Auf dunklen Stoffen wiederum hinterlassen viele Deodorants weiße Ränder. Auch unschön. Durch entsprechend lichtzerstreuende Zusatzstoffe versuchen die Deo-Hersteller auch dieses lästige Problem in den Griff zu bekommen. Die Idee, dass man morgens das Deo auf die Kleidung abstimmt, eröffnet Marketing-Experten sicherlich interessante Perspektiven.

Nicht zuletzt hängt Schweißgeruch aber ursächlich auch von der Kleidung ab. Naturfasern sind atmungsaktiver, Schweiß staut sich weniger leicht im Gewebe und zudem können Baumwolle und Co im Gegensatz zu Kunstfasern heißer gewaschen werden. Polyesterfasern "schweißeln" übrigens am stärksten. Wer sich und anderen einen Gefallen tun will, meidet sie zur olfaktorischen und zwischenmenschlichen Verbesserung der Welt. (Karin Pollack, derStandard.at, 7.5.2013)

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    Schweiß an sich stinkt nicht. Vielmehr sind es die Bakterien, die die im Schweiß enthaltenen Proteine zersetzen.

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