"Emotionale Achterbahnfahrt" mit der Bühnenzeitung

Interview7. Mai 2013, 10:25
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Die Pop-Up-Zeitung stellt das Erzählen von Geschichten in den Vordergrund

Ein Magazin, das man nicht in die Hand nehmen kann, sondern das als einzigartiges Event Konzerthallen füllt. Das Pop-Up Magazine in San Francisco war das erste Live-Magazin bei dem Geschichten live vor Publikum erzählt wurden. Mittlerweile gibt es solche Storytelling-Formate auch in New York (The Moth), London (Spark) und ab seit Mai 2013 auch in Wien die "Bühnenzeitung" von STANDARD und derStandard.at.

Im E-Mail-Interview erklärt Organisator Klaus Weinmaier, warum das Storytelling-Format so faszinierend ist, Werbetreibende hier keine Videowerbung abspielen dürfen und dass Medienhäuser mit solchen Events auch kommerziell erfolgreich sein können.

derStandard.at: Nach Papier und Web wollen Zeitungen auf Bühnen. Was dürfen sich Zeitungs- beziehungsweise Onlineleserinnen und -leser unter einer Pop-Up-Zeitung vorstellen?

Weinmaier: Eine Zeitung oder ein Magazin lebt von guten Geschichten, die den Leserinnen und Lesern erzählt werden und sie mit auf eine emotionale Reise nehmen. Die Geschichten bringen die Leserinnen und Leser zum Nachdenken, zum Schmunzeln, sind informativ und überraschend.

Genau das macht auch die Bühnenzeitung – bemerkenswerte Persönlichkeiten erzählen spannende Geschichten, live vor Publikum. Dabei wollen wir das Erzählen in den Vordergrund stellen und weitgehend auf den Einsatz von begleitenden Videos, Musik oder Fotos verzichten.

derStandard.at: Die Idee kommt aus San Francisco, wie haben Sie dieses Format dort erlebt? Was fasziniert daran?

Weinmaier: Das Format hat uns sofort fasziniert – die Geschichten aus allen Bereichen des Lebens haben uns in eine emotionale Achterbahnfahrt versetzt. Nach der ersten Ausgabe habe ich verstanden, warum es fast unmöglich ist, Tickets zu ergattern. Die Auswahl der Geschichten ist extrem spannend, manchmal bleibt einem das Lachen buchstäblich im Hals stecken, auf lustige Anekdoten folgen ernste oder traurige Erzählungen. Das Format lebt von den Geschichten, die ohne den sonst üblichen und gewohnten multimedialen Aufwand erzählt werden und die Person in den Vordergrund stellen.

derStandard.at: Wird das Format 1:1 in Wien umgesetzt?

Weinmaier: Die Grundidee des Geschichtenerzählens live vor Publikum wird mit einigen kleineren Veränderungen auch in Wien umgesetzt. Wir bieten nicht nur spannende Geschichten, sondern nach der Vorstellung gibt es eine Aftershowparty, auf die wir unser Publikum auf Essen und Trinken einladen.

derStandard.at: Welche Protagonisten wird man in Wien auf der Bühne sehen?

Weinmaier: Wir wollen die Spannung nicht verderben und daher nicht alle Einzelheiten zum Programm verraten. Das Publikum wird aber auf alle Fälle nach der Bühnenzeitung mehr über Quantenphysik wissen, ein Kunstwerk im Detail kennen, kulinarische Anekdoten eines Reisenden in Sachen Essen & Trinken genossen oder auch etwas zu Hören und zu Riechen bekommen haben. Dazu gibt es Einsichten mit politischen Anekdoten und bewegende Erzählungen eines Zeitzeugen oder die Erfolgsgeschichte einer erfolgreichen Sportlerin.

derStandard.at: Welches Team steckt hinter der "Bühnenzeitung"? Wer macht die Chefredaktion?

Weinmaier: Die Idee für die Bühnenzeitung in Wien haben Anita Zielina und ich aus den USA mitgebracht und mit dem Medienhaus STANDARD und der Agentur Super-Fi zwei perfekte Partner für die Umsetzung gefunden. Die inhaltliche Verantwortung liegt bei Anita und mir, wobei das gesamte Team Ideen für das Programm beigesteuert hat.

derStandard.at: Wie wichtig ist Social Media für dieses Experiment?

Weinmaier: Sehr, mit der Kommunikation über unsere und die sozialen Netzwerke unserer Partner erreichen wir unser Publikum einfach und auch kostengünstig. Unterstützt werden diese Aktivitäten durch klassische Kampagnen in der Printausgabe und auf derStandard.at.

derStandard.at: Über das Pop-Up-Magazin in San Francisco heißt es, dass Ausgaben nur für eine Nacht existieren, also nicht online gehen oder gefilmt werden. Muss das Wiener Publikum das Smartphone an der Garderobe abgeben?

Weinmaier: Das nicht, aber jede Ausgabe der Bühnenzeitung findet tatsächlich nur genau einmal statt. Wer die Geschichten hören möchte, muss hingehen.

derStandard.at: Als "Bühnenzeitung" soll aus dem Nachrichtenkonsum ein einzigartiges Erlebnis werden. Was hat eine Medienmarke davon, abseits der Stärkung der Community?

Weinmaier: Mit der Bühnenzeitung hat das Medienhaus STANDARD ein weiteres Format in seinem Portfolio, das gute Geschichten auf einem innovativen Weg vermittelt und das bei den Werbepartnern auf enorm positives Echo gestoßen ist. Events dieser Art können für Medienhäuser damit auch kommerziell erfolgreich sein.

derStandard.at: Welche Rolle spielt Interaktion?

Weinmaier: Im Vordergrund steht das Zuhören, daher spielt Interaktion bei der Bühnenzeitung selbst keine zentrale Rolle. Interaktion zwischen Erzählerinnen und Erzählern und Publikum findet im Anschluss bei der Aftershowparty statt. Dieser Austausch zwischen allen Beteiligten ist uns jedoch sehr wichtig.

derStandard.at: Ohne Werbung keine Zeitung. Wie wird Werbung ins Programm eingebaut? Wie funktioniert "Lebendwerbung"? (Gibt's Parfümproben fürs Publikum? ;-))

Weinmaier: Auch Werbung basiert auf dem Erzählen von Geschichten. Und auch hier gilt das Konzept der Bühnenzeitung: Die Geschichten müssen live erzählt oder performt werden – das simple Abspielen eines Werbevideos gilt nicht. Und das ist tatsächlich eine Premiere in Österreich.

derStandard.at: Welche Werbetreibenden machen mit?

Weinmaier: Mit A1, Lufthansa, Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, Red Bull und Samsung haben wir Werbepartner gefunden, die unserem Anspruch an "Lebendwerbung" voll erfüllen – bei der Bühnenzeitung sind selbst die Werbepausen sehr unterhaltsam und überraschend.

derStandard.at: Zirkulation, Reichweite ist für Medien ein großes Thema – auch für die Pop-Up-Ausgaben? Würde eine Ausgabe beispielsweise in einem Stadion funktionieren?

Weinmaier: Das Format lebt auch von der Unmittelbarkeit, diese würde bei einer Übertragung über Großleinwand verloren gehen. Daher sind meiner Meinung nach natürliche Grenzen gesetzt – der Erzähler sollte schon noch mit freiem Auge erkennbar sein.

derStandard.at: Sind weitere Ausgaben der "Bühnenzeitung" geplant?

Weinmaier: Ja. (Sabine Bürger, derStandard.at, 6.5.2013)

Klaus Weinmaier ist Mitbegründer von derStandard.at und Gründer der Agentur The Engagement Lab. Als Knight Fel­low­ship Affil­i­ate an der Stan­ford Uni­ver­sity in Palo Alto, Kali­fornien, befasste er sich mit Inno­va­tion­s­man­age­ment, Design Thinking und Online-Geschäftsstrategien.

Links

Mehr Infos zum Live-Event in Wien: derStandard.at/Buehnenzeitung

Pop-Up Magazine in San Francisco

The Moth in New York

Spark in London

Bühnenzeitung Ausgabe Nr. 4

Datum: 30. April 2014
Beginn: 19:30 Uhr
Ort: Odeon Theater, Taborstraße 10, 1020 Wien
Dauer: ca. 1,5 Stunden, davor und danach gibt es Drinks

  • Österreichs erstes Live-Magazin am 15. Mai auf der Bühne des Odeon Theaters.

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  • Klaus Weinmaier: "Events dieser Art können für Medienhäuser auch kommerziell erfolgreich sein."
    foto: the engagement lab

    Klaus Weinmaier: "Events dieser Art können für Medienhäuser auch kommerziell erfolgreich sein."

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