Niemetz-Verkauf immer wahrscheinlicher

6. Mai 2013, 11:57
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Der Tag der Entscheidung steht bevor: Am Dienstag stimmen die Gläubiger über die Zukunft der Schwedenbomben ab

Wien - Am Dienstag wird die Zukunft des Wiener Schwedenbombenherstellers Niemetz besiegelt. Die Gläubiger stimmen gegen Mittag über den Sanierungsplan des in die Insolvenz gerutschten Unternehmens ab. Als Bedingung für eine Zustimmung werden 50 Prozent als Barquote gefordert, wodurch der Süßwarenfabrikant 2,2 Mio. Euro plus Verfahrenskosten sofort hinblättern müsste. Der Kreditschutzverband von 1870 (KSV), der rund 30 Prozent der Gläubiger vertritt, rechnet allerdings nicht damit, dass Niemetz diese Summe stemmen wird können, und rechnet mit einem Verkauf.

"Wir haben einen Tag vor der Abstimmung keine Finanzierungszusage, keine Kontaktaufnahme, keine Dokumente vorliegen", sagte Roman Tahbaz vom KSV. Insofern sei ein Verkauf "ziemlich wahrscheinlich" - wobei er nichts ausschließen wolle: "Vielleicht kommt ja morgen doch der ominöse Geldkoffer."

Produktion dürfte weitergehen

Falls nicht, werde sofort mit dem Verkauf von Niemetz gestartet, wahrscheinlich in Form eines Bieterverfahrens. Die Schwedenbombenproduktion könne während des Prozederes aber weitergeführt werden. Gläubigervertreter Tahbaz geht davon aus, dass die Sache noch im Mai, spätestens bis Sommer, über die Bühne gehen würde.

14 Interessenten - darunter Manner, Heindl oder der Risikokapitalgeber GCP - haben seit April Interesse bekundet und zum Teil auch unverbindliche Angebote gelegt. In der vergangenen Woche habe es erste Betriebsbesichtigungen gegeben, nun gebe es offenbar eine Handvoll verbindlicher Angebote, so Tahbaz. Von welchen Firmen sie kommen, werde erst im Zuge der Abstimmung bekannt gegeben, hieß es. Die Gläubiger könnten im Verkaufsfall zumindest ebenfalls mit einer 50-Prozent-Quote rechnen, wahrscheinlich würde sie laut KSV sogar über dieser Marke liegen.

Zu den finanziellen Details: Laut Daniela Fradinger-Gobec vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) wurden insgesamt 6,2 Mio. Euro an Ausständen angemeldet. Davon sind inzwischen 2,8 Mio. Euro als feststehend anerkannt. Das heißt, dieser Betrag muss bei der Quotenausschüttung jedenfalls berücksichtigt werden. Weitere 3,4 Mio. Euro seien bestritten, was bedeutet, dass hier noch nicht feststeht, ob sie in die Quote miteinberechnet werden.

"Der Masseverwalter (Anwalt Stephan Riel, Anm.) geht von insgesamt 4,4 Mio. Euro aus", berichtete Fradinger-Gobec. Infolge der geforderten 50-Prozent-Quote - ursprünglich waren von Niemetz nur 20 Prozent binnen zwei Jahren angeboten worden - bedeutet dies 2,2 Mio. Euro für die Gläubiger. Dazu kommen noch die Verfahrenskosten von rund 200.000 Euro. Macht unterm Strich 2,4 Mio. Euro - und das sofort.

Betriebsumsiedlung 2014

Lediglich auf eine Barquote wollen sich die Gläubigervertreter deshalb einlassen, weil eine Zweijahresfrist so gut wie unmöglich bedient werden könne, argumentierte KSV-Experte Tahbaz. Denn im Sommer breche der Schwedenbomben-Umsatz traditionell deutlich ein. Zudem stehe 2014 eine vermutlich kostenintensive Betriebsumsiedlung an, denn das Unternehmen hat zwecks Kapitalbeschaffung bereits vor einigen Monaten den Standort im dritten Bezirk veräußert.

Das 1890 ursprünglich als Konditorei gegründete Traditionsunternehmen, das auch die Cremeriegel Swedy und Manja herstellt, meldete Anfang Februar Insolvenz an. Zuvor waren Lieferanten und Mitarbeiter gar nicht oder nur zum Teil bezahlt worden. Als Gründe für den stetigen Abstieg wurden von Fachleuten u.a. fehlende Produktinnovationen, veraltete Maschinen und schlechtes Marketing genannt. (APA, 6.5.2013)

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    Offenbar gibt es für Niemetz eine Handvoll verbindlicher Angebote.

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