Non-Profit-Unternehmen: Wer sind jetzt die Guten?

6. Mai 2013, 10:29
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Werte, Verantwortung, Weltverbesserung: Damit werben jetzt auch klassische Profit-Organisationen. Was bedeutet das für Non-Profit-Unternehmen und wie kann gutes Management bei Zielkonflikten gelingen?

"Lernt doch endlich auch ein bissl Betriebswirtschaft - und zwar von den Profis im For-Profit-Bereich." Das müsse man Non-Profit-Organisationen (NPO) in paternalistischer Attitüde längst nicht mehr sagen, "das wissen und können NPO mittlerweile gut", sagt Michael Meyer, Leiter der Abteilung für Nonprofit-Management an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Neben Finanzierungsfragen sieht er derzeit eine andere, neue Herausforderung für den NPO-Bereich, nämlich die zunehmende Wertekommunikation in der Wirtschaft. Zwei Drittel der Werbespots, so Meyer, hätten derzeit schon Werte und Verantwortung, Weltverbesserung und Beseitigung von gesellschaftlichen oder umweltrelevanten Problemen zum Inhalt. Somit stelle sich die Frage, wer nun die Guten seien.

Identitätsfragen

Meyer: "Dieser Werte-Megatrend kratzt an der Identität von NPOs." Umso wichtiger sei es, dass die Non-Profits in ihren Kernbereichen stark aufgestellt sind und zu klarer Wirkungskommunikation finden als Anbieter alternativer Lösungen für gesellschaftliche Probleme. Sonst falle die Unterscheidung zunehmend schwer.

Dies und der Umgang mit Zielkonflikten, also etwa Werte und Geld, inhaltliche Ziele und Liquidität, stehen am 13. Mai im Zentrum des elften NPO-Tags an der Wirtschaftsuni. Traditionell kommen da mehr als 100 Vertreter von ganz verschiedenen NPOs zusammen, um sich mit wissenschaftlichem Input für aktuelle Herausforderungen zu rüsten.

Zudem wird dem Thema Führung in NPOs heuer viel Raum gegeben - rund um die Fragestellungen transformativer Führung dort, wo klare Zielvorgaben schwierig sind. Bekannte Spannungsfelder wie das Entwerfen besserer gesellschaftlicher Optionen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung einer Routine im Betrieb, aber auch NPOs als "Gegenentwurf" zur Arbeitswelt, der immer noch aktuell ist, NPOs dadurch einerseits zu recht attraktiven Arbeitgebern macht, gleichzeitig aber mit Erwartungen und folglich mit Managementaufgaben befrachtet.

Der Professionalisierung und dem veränderten gegenseitigen Verhältnis von Non-Profit- und Profit-Organisationen Rechnung tragend, erscheint zum NPO-Tag auch die fünfte, stark überarbeitete Auflage des "Handbuchs der Non-Profit-Organisation", eines Standardwerks für Forschung, Praxis sowie für Aus- und Weiterbildung. (kbau, DER STANDARD, 4./5.5.2013)

"Auf der Überholspur. Management von NPOs" am 13. Mai an der WU Wien, Augasse 2-6, 1090 Wien, 9.00 bis 17.30 Uhr. Details, Teilnahmekosten und Anmeldung unter: www.npo.or.at

  • Zum kommenden elften NPO-Tag an der WU: Michael Meyer, Leiter des Forschungsinstituts für Non-Profit-Organisationen, zu Identitätsfragen und Zielkonflikten.
    foto: standard/fischer

    Zum kommenden elften NPO-Tag an der WU: Michael Meyer, Leiter des Forschungsinstituts für Non-Profit-Organisationen, zu Identitätsfragen und Zielkonflikten.

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