Regierung setzt Kommission gegen Frauenmorde ein

6. Mai 2013, 09:46
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Horrende Zahlen über weibliche Mordopfer: Dem will die neue Regierung nun Abhilfe schaffen - Frauenrechtlerinnen sprechen von "Massaker"

Rom - Die Rekordzahl an Ministerinnen in der neuen italienischen Regierung trägt bereits erste Früchte: Es sollen verstärkt Maßnahmen gegen Frauenmorde ergriffen werden. Die italienische Ministerin für Chancengleichheit, Josefa Idem, hat die Einrichtung einer Kommission angekündigt, die die Bekämpfung der Gewalt an Frauen im Fokus hat. Damit reagiert Idem auf eine Reihe von Frauenmorden, die zuletzt die Öffentlichkeit schockierten. Volle Unterstützung kommt von der Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses Laura Boldrini: "Ich habe keine Angst, eine Kampffront zu eröffnen", sagte sie am Wochenende. 

Seit Beginn ihrer Tätigkeit als Parlamentspräsidentin habe sie hunderte Drohbotschaften und Beleidigungen erhalten. Das sei aber kein Problem, das nur sie betreffe, fuhr sie fort."Wenn eine Frau eine öffentliche Funktion innehat, löst das sexistische Angriffe aus", sagte sie. Die Zahl derer, die Frauen in Italien attackierten, wachse jeden Tag und das könne nicht ignoriert werden. Das Problem sei drängend und es müsse auf "institutioneller Ebene" angegangen werden, sagte sie.

"2012 wurden in Italien 124 Frauen von Ehemännern oder Lebensgefährten getötet. Seit Beginn dieses Jahres gab es weitere 25 Frauenmorde. Dieses Phänomen muss mit allen Mitteln bekämpft werden", betonte Idem nach Medienangaben vom Montag. Sie unterstützt somit eine Kampagne von Politikerinnen, Künstlerinnen und Intellektuellen, die eine Petition im Internet gegen Gewalt an Frauen gestartet haben.

Jeder vierte Mord innerhalb der Familie

Die Organisatorinnen der Kampagne sprechen von einem "Massaker an Unschuldigen". Sie planen eine Kampagne, um weiblichen Gewaltopfern konkrete Hilfe anzubieten. "Das Problem betrifft nicht nur Italien. Gewalt ist die häufigste Todesursache bei Frauen zwischen 15 und 60 Jahren", sagte eine Sprecherin der Bewegung. In 80 Prozent der Fälle sei der Täter ein Angehöriger oder eine Person aus dem Bekanntenkreis. Frauenschutzverbände riefen die Gesundheitsbehörden auf, Psychologen einzusetzen, um Konflikte zwischen PartnerInnen zu vermindern.

Die bisher höchste Zahl an Frauenmorden gab es in Italien 2011, als 129 derartige Verbrechen registriert wurden. In Italien wird fast jeder vierte Mord innerhalb der Familie verübt. In den meisten Fällen ist Eifersucht das Motiv. (APA, 6.5.2013)

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    Laura Boldrini ist Übergriffen und Beleidigungen ausgesetzt und weiß, dass das kein Problem ist, das nur sie betrifft.

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