Indien und China ziehen Truppen aus umstrittener Grenzregion ab

6. Mai 2013, 17:47
84 Postings

Im jahrzehntelangen Grenzstreit um die Himalaya-Region zeichnet sich ein friedliches Ende ab

Neu-Delhi/Peking - Nach einer mehrwöchigen heiklen Konfrontation haben Indien und China ihren Grenzkonflikt im Himalaya-Gebirge vorerst entschärft. Nach Angaben der indischen Armee zogen sich am Sonntag zeitgleich Truppen beider Seiten von ihren Positionen in Richtung ihres jeweiligen Kernlandes zurück. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, wollte die Truppenbewegung zunächst nicht direkt bestätigen, sprach aber am Montag von "guten Entwicklungen".

Einheiten der chinesischen Volksbefreiungsarmee waren Mitte April nach Indiens Darstellung fast 20 Kilometer weit auf indisches Staatsgebiet vorgedrungen und hatten dort ein Lager errichtet. Auch indische Soldaten rückten daraufhin um einen Kilometer vor: Seitdem waren sich auf dem Plateau im Westen des Himalayas im indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir Truppen beider Seiten Auge in Auge gegenübergestanden.

Grenzkrieg 1962

Indien betrachtet das chinesische Vordringen als schwerwiegendste Grenzverletzung seit Jahren. Allerdings ist der Grenzverlauf in der Region völlig unklar (siehe Grafik links). Beide Staaten erkennen die vom jeweils anderen festgelegte Grenze nicht an. In der Region hatten die beiden größten Staaten Asiens vor einem halben Jahrhundert (1962) bereits einen Krieg geführt.

Die Einigung zum Rückzug wurde von den Feld-Kommandeuren beider Seiten wenige Tage vor einem geplanten Besuch des indischen Außenministers Salman Khurshid am Donnerstag in Peking erreicht. Ein Gegenbesuch des neuen chinesischen Premiers Li Keqiang Ende des Monats in Indien ist ebenfalls bereits vereinbart. "Es hat einen positiven Fortschritt in Gesprächen zwischen den zuständigen Stellen der beiden Länder gegeben", sagte Hua Chunying. Es liege im Interesse beider Länder, Frieden und Stabilität in der Region zu wahren. "China möchte mit Indien kooperieren, um eine breite Lösung zu erarbeiten", sagte sie.

Allerdings: Auch chinesische Waffenlieferungen an Indiens traditionellen Rivalen Pakistan belasten die Beziehungen. China wertet hingegen die tibetische Exilregierung in Indien als eine "Einmischung in innere Angelegenheiten". (red, DER STANDARD, 7.5.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In der Vergangenheit entzündete sich der Konflikt zwischen den beiden Riesenreichen in regelmäßigen Abständen.

  • Artikelbild
    graphik: standard
Share if you care.