Hisbollah: Bei vielen Libanesen unten durch

Analyse6. Mai 2013, 05:30
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Die Hisbollah nimmt den ganzen Libanon in die Geiselhaft ihres "Widerstands"

Beirut/Wien - Es war die Hisbollah, die vor einer Woche den inner­libanesischen politischen Neutralitätskonsens zerbrach, indem sie sich zur "Notwendigkeit", in Syrien zu kämpfen, bekannte. Zwar stand bei den Erklärungen von Hisbollah-Vertretern die Behauptung im Vordergrund, Libanesen, die auf der syrischen Seite der Grenze und an der Grenze leben, verteidigen zu müssen. Aber es war klar, dass die Hisbollah in die militärische Strategie des Assad-Regimes eingebunden war, das mit der Rückeroberung der Grenzstadt Qusayr den Weg zwischen Damaskus und den Alawitengebieten sichern wollte.

Vor einigen Tagen legte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah eins drauf, als er sagte, der Iran werde nicht dabei zusehen, wie Bashar al-Assad gestürzt werde. Die Hisbollah, die mithilfe iranischer Revolutionsgarden 1982 als Reaktion auf die israelische Libanon-Invasion gegründet wurde, erinnert daran, dass ihr Sponsor selbst in Syrien voll engagiert ist: In Syrien werden die Iraner bis zum letzten Alawiten kämpfen, heißt es immer wieder bitter von Syrern. Sie zahlen für den von Iran und der Hisbollah proklamierten "Widerstand" - in dessen Geiselhaft sich auch der Libanon befindet.

Die Hisbollah tut sich zunehmend schwer, das den Libanesen, von denen die meisten nach den langen Jahren des Bürgerkriegs in Ruhe leben wollen, zu verkaufen. Laut Friedensabkommen und Uno-Resolutionen sollte ihr bewaffneter Arm längst aufgelöst sein, stattdessen bleibt sie die stärkste militärische Gruppe, die 2008 - als die Regierung sie beschneiden wollte - gezeigt hat, dass sie bereit ist, ihre Stärke auch im Libanon selbst einzusetzen.

Der jüngste Offenbarungseid der Hisbollah zugunsten Assads hat auch den rasanten Radikalisierungstendenzen, die es unter einigen Sunniten im Libanon gibt, Auftrieb gegeben: Auch sie kämpfen in Syrien, auf der anderen Seite. Das alles trifft den Libanon in einer politisch heiklen Phase: Im Juni sollten Parlamentswahlen stattfinden, für die die Gruppen sich noch immer nicht auf ein Wahlrecht einigen konnten.

Die Verhinderer

Und vor allem stocken die Versuche von Tammam Salam, eine neue Regierung zu bilden, nachdem der von der Hisbollah und ihren Verbündeten (die "8.-März-Allianz") gestützte Premier Najib Mikati zurückgetreten war. Salam will eine möglichst neutrale, die Hisbollah eine politische Regierung, eine der "nationalen Einheit", in der jede Gruppe, also auch der "8. März", ein Vetorecht hat. Die Hisbollah steht als Verhinderer da - und findet dafür wirklich nur mehr bei den eigenen Anhängern Verständnis.

Wenn Israel ins Spiel kommt, schließen sich im Libanon die Fronten eher - insofern könnte der israelische Angriff der angeschlagenen Hisbollah auch etwas helfen. Der Libanon muss nun bei der Uno gegen die israelischen Luftraumverletzungen protestieren - wenngleich mit knirschenden Zähnen bei vielen Libanesen, die keinen Wert darauf legen, dass die Hisbollah immer bessere Raketen vom Iran bekommt. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 6.5.2013)

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    Eine Hisbollah-Kundgebung in Baalbek

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