"Was Sie Aufruhr nennen, nenne ich Werbewirksamkeit"

Interview5. Mai 2013, 19:01
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Herbert Kickl, Generalsekretär der FPÖ, über die EU-Hörigkeit der blauen Hauptgegner und das politische Vollsortiment seiner Partei

STANDARD: Endlich wieder blaue Zuwächse bei einer Wahl: Ist Konkurrent Frank Stronach damit für die Nationalratswahl im Herbst in Schach gehalten?

Kickl: Unser Hauptgegner ist und bleibt das Duo-Inferior Faymann-Spindelegger. Das ist der Kampf gegen ein System der EU-Hörigkeit nach außen und der Reformverweigerung nach innen. Stronach ist mit seinem Personal und seinen Netzwerken Bestandteil dieses Systems. Stimmen für ihn sind daher nur eine Art Lebensverlängerungsmaßnahmen für Rot-Schwarz.

STANDARD: Trotzalledem: Die FPÖ und das Team Stronach wollen mit nahezu denselben Sprüchen punkten: Gegen die Union, gegen die Koalition. Ist es nicht höchst an der Zeit, sich mehr einfallen zu lassen?

Kickl: Die FPÖ bietet ein politisches Vollsortiment. Von A wie Arbeitsmarkt und Armutsbekämpfung bis Z wie Zuwanderung und Zukunft unserer Familien. Da ist alles drinnen: Sozialpolitik genauso wie Wirtschaftspolitik oder Steuersenkungsinitiativen. Dass die EU da fast überall hineinspielt mit ihrem Euro-Pfusch liegt auf der Hand. Und wir sind glaubwürdig, heißt: Uns gibt es auch nach der Wahl, 365 Tage im Jahr als eine Partei und nichts als Ansammlung von Ich-AGs, wo Fliehkräfte dominieren.

STANDARD: Sie gelten als Mastermind starker Sprüche, die für Aufruhr sorgten. Schon neue im Talon?

Kickl: Plakate und Slogans müssen emotionalisieren, denn ohne Emotion gibt es auch in der Politik keinen Erfolg. Die Wahl gewinnt, wer mit der Kampagne die Herzen erreicht. Da kann man keine Romane schreiben. In der Kürze liegt die Würze. Was Sie Aufruhr nennen, nenne ich Werbewirksamkeit.

STANDARD: Was, wenn Stronach bei der Nationalratswahl weiter zulegt: Braucht die FPÖ dann neue Leute an der Spitze?

Kickl: Stronach ist bisher deutlich unter seinen eigenen Erwartungen geblieben. Dort wo seine Söldner gewählt wurden, herrschen nach der Wahl Streit und Chaos. Dieses Projekt ist keine Alternative zum System, sondern maximal ein Beitrag zu seiner Lebensverlängerung. Die FPÖ ist die einzige Erneuerungskraft. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 6.5.2013)

Herbert Kickl (44) ist seit April 2005 Generalsekretär der FPÖ. Sein Spezialgebiet: Umstrittene Wahlkampfslogans wie "Daham statt Islam".

  • Herbert Kickl will "die Herzen erreichen".
    foto: standard/cremer

    Herbert Kickl will "die Herzen erreichen".

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