Salzburg: Jetzt steht der Junior an der Spitze des Landes

Kopf des Tages5. Mai 2013, 18:45
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Wilfried Haslauer führt Salzburgs ÖVP auf Platz eins

Wilfried Haslauer hat die Reconquista geschafft und die aus Sicht der ÖVP politisch "natürliche Ordnung" im konservativen Kernland Salzburg wiederhergestellt. Läuft alles nach Plan, wird Haslauer bald in die Fußstapfen seines Vaters treten: Wilfried Haslauer senior war bis 1989 Landeshauptmann. Im Gegensatz zu seinem Vater kann sich der Junior freilich nicht auf eine komfortable Mehrheit stützen, sondern muss nach den Verlusten vom Sonntag mühsam eine Koalition zusammenbasteln.

Neun Jahre hat der Junior, der die ÖVP-Landespartei als Co-Spitzenkandidat 2004 von Franz Schausberger übernommen hatte, auf die Chance gewartet. Neun Jahre musste er sich hinter Landeshauptfrau Gabi Burgstaller mit Platz zwei begnügen. In dieser Zeit gelang es dem manchmal etwas spröde wirkenden Anwalt aber, sich als Sachpolitiker zu profilieren. Masterpläne wurden erarbeitet und "abgearbeitet", wie Haslauer das selbst nennt.

Kühl kalkulierend hat der 57-Jährige auch nach Bekanntwerden der Spekulationsverluste die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Obschon auch hochrangige ÖVP-Beamte im Zentrum des Skandals stehen, ist es Haslauer gelungen, das Finanzdesaster als Versagen der SPÖ darzustellen. Emotionen zeigte er dabei kaum. Dass er zum Neuwahlbeschluss einmal die gesamte SPÖ als "Bande" bezeichnet hatte, gehört zu den seltenen Ausrutschern.

Sein persönliches Risiko am Wahltag war übrigens gering. Hätte Haslauer Platz eins nicht erreicht, wäre er zurückgetreten und in seine Anwaltskanzlei zurückgekehrt. Als Anwalt wurde er auch vor der Politik bereits landesweit bekannt. Haslauer war einer der Verteidiger im Prozess nach der Brandkatastrophe von Kaprun.

Dass Haslauer die parteiinterne Ochsentour erspart geblieben ist, mag an seiner Herkunft liegen. Gut vernetzt ist er als Leiter des VP-Ideologiezirkels "Seebrunner Kreis" und Cartellverbandsmitglied trotzdem geblieben. Dem Ruf der Bundespartei, das Justizressort zu übernehmen, hat er 2011 widerstanden. Das mag auch an der Lebenssituation des vierfachen Vaters, der jetzt in einer Partnerschaft lebt, gelegen haben. Politisch ausgezahlt hat sich die Zurückhaltung allemal.

"Passt mir auf mein Salzburg auf", soll der 1992 verstorbene Altlandeshauptmann Haslauer senior am Totenbett gesagt haben. Ein Mythos, den die ÖVP gerne pflegt. In den kommenden Jahren soll der Junior die Geschicke des Landes lenken. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 5.5.2013)

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