Salzburger gaben SPÖ Schuld an Finanzskandal - Rote Stammwähler blieben zu Hause

5. Mai 2013, 22:10
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Wahltagsbefragungen: Salzburger wollen Grüne in der Regierung sehen

Die Wähler haben bei der Salzburger Landtagswahl die Verantwortung für den Finanzskandal stärker bei der SPÖ als bei der ÖVP gesehen und den Regierungsparteien entsprechend die Rechnung präsentiert. Das geht aus der SORA/ISA-Wahltagsbefragung im Auftrag des ORF hervor. Laut Peter Hajek ("Public Opinion Strategies") für ATV wurden vor allem die Grünen für ihre Themen gewählt, während bei den meisten anderen Parteien das Stammwähler-Motiv vorherrschte. Am häufigsten als Wunschkoalition genannt wurde ÖVP-Grün - was sich laut den Hochrechnungen aber nicht ausgehen wird.

Laut SORA sahen 57 Prozent die Verantwortung für den Finanzskandal bei der SPÖ, 42 bei der ÖVP und 26 Prozent bei "allen Parteien im Landtag" (Mehrfachantworten waren möglich). Dies sei für das Wahlverhalten entscheidend gewesen, hieß es in einer Analyse des Instituts. Wer der SPÖ die Schuld gab, wählte diese kaum und überdurchschnittlich die ÖVP. Wer die ÖVP verantwortlich sah, wählte statt dieser überdurchschnittlich die Grünen. Wer die Verantwortung bei allen sah, wählte überdurchschnittlich SPÖ.
Die Motive der Nichtwähler zeigen, wie stark sich der Finanzskandal auf die Wahlbeteiligung ausgewirkt hat.

Die bisherige Landeshauptfrau Gabi Burgstaller konnte zwar bei den Frauen punkten, allerdings nur unwesentlich mehr als Haslauer. 

Wie schon bei der Landtagswahl in Tirol war die ÖVP bei den Wählern und Wählerinnen ab 60 die stärkste Partei. Bei den Jungen wählten die meisten die FPÖ, gefolgt von den Grünen.
Unter PensionistInnen lagen SPÖ und ÖVP gleichauf, Angestellte gaben den Grünen ihre Stimme, ArbeiterInnen der FPÖ.
Bei der Direktwahl des Landeshauptmannes bzw. der Landeshauptfrau lagen beide KandidatInnen gleich.

Stärkstes Wahlmotiv für die SPÖ war laut SORA der Wunsch nach Verbleib der Partei (82 Prozent "trifft sehr zu") bzw. Bugstallers (77 Prozent) in der Landesregierung. 2009 war noch die Kandidatin selbst mit großem Abstand wichtigstes Motiv.

Sehr ähnlich die Motive der ÖVP-Wähler: ÖVP in Landesregierung (83 Prozent) rangierte vor Interessensvertretung durch ÖVP (73 Prozent) und Wilfried Haslauer als Landeshauptmann (72 Prozent). Während das Motiv "bester Spitzenkandidat" 2009 nur von 32 Prozent der ÖVP-Wähler genannt wurde, waren es diesmal 57 Prozent.

Bei Grünen und FPÖ waren der Wunsch nach Einzug in die Landesregierung und Kontrolle die wichtigsten Motive der Wähler.

Der Finanzskandal war zwar wichtig, aber nicht das wichtigste Thema für die Wähler und Wählerinnen in Salzburg. In der Rangliste aller wichtigen Themen für die Wahlentscheidung lag die Spekulationsaffäre relativ weit abgeschlagen hinter Arbeitsplätzen und Bildung.

Bei der Hajek-Befragung ist bei SPÖ, ÖVP und FPÖ "Stammwähler/vertritt meine Interessen" wichtigstes Motiv. Burgstaller schaffte es bei der SPÖ auf Platz 2 der Motive, bei der ÖVP der Finanzskandal auf Platz 3. Bei der FPÖ war der Protest drittwichtigstes Motiv, ebenso wie bei den Grünen. Diese wurden in erster Linie aber wegen ihrer Themen, Inhalte und Werte und für ihre Arbeit im U-Ausschuss gewählt. Das Team Stronach konnte als Wirtschaftspartei, wegen ihres Neuigkeitsfaktors und mit dem Protestmotiv punkten.

Die Grünen wollen die Salzburger in der Regierung sehen. So wurde bei Hajek - der nur Zweier-Varianten abfragte - als gewünschte Koalitionsform am häufigsten ÖVP-Grüne (mit 21 Prozent) genannt, vor SPÖ-Grüne (19 Prozent), SPÖ-ÖVP (11 Prozent), ÖVP-Freiheitliche (9 Prozent) und SPÖ-Freiheitliche (5 Prozent).

Wählerstromanalyse

Die SPÖ kann bei dieser Wahl nur 53.000 (48%) der WählerInnen von 2009 wieder für sich gewinnen und weist damit die niedrigste Behalterate bei dieser Wahl auf. Der größte Wählerstrom bei der Salzburger Landtagswahl 2013 geht von der SPÖ an die NichtwählerInnen (32.000 Stimmen). 12.000 WählerInnen verliert die SPÖ an die Grünen, 6.000 an die FPÖ, 5.000 an das Team Stronach und 2.000 an die ÖVP. Zugewinne erzielt die Partei nur von ehemaligen NichtwählerInnen (5.000 Stimmen) der ÖVP (3.000) und der FPÖ (1.000).

Die ÖVP kann bei dieser Wahl 64% ihrer WählerInnen von 2009 wieder für sich gewinnen. Die größten Verluste erleidet sie an die Grünen (14.000 Stimmen). 7.000 Stimmen gehen an die FPÖ verloren, 5.000 an das Team Stronach, 3.000 an die SPÖ. 7.000 Stimmen verliert die ÖVP an die NichtwählerInnen, von denen sie im Gegenzug 8.000 WählerInnen mobilisieren kann, also im Saldo 1.000 Stimmen gewinnt. Weitere Zugewinne von 2.000 Stimmen kommen von der SPÖ, je 1.000 von FPÖ, Grünen und BZÖ.

Die FPÖ mobilisiert 2013 62% ihrer WählerInnen von 2009 wieder für sich. Die größten Verluste gehen an das Team Stronach (6.000 Stimmen) und die NichtwählerInnen (5.000). Im Saldo 6.000 bzw. 5.000 Stimmen gewinnt die FPÖ von der ÖVP bzw. SPÖ, weitere 4.000 sind ehemalige BZÖ-WählerInnen.

Die Grünen können über drei Viertel (77%) ihrer WählerInnen von 2009 halten. Kleine Verluste von je 1.000 Stimmen gehen an ÖVP, FPÖ und Sonstige, 2.000 Stimmen an das Team Stronach. Den größten Zugewinn von 14.000 Stimmen erzielen die Grünen von der ÖVP gefolgt von 12.000 Stimmen von der SPÖ. 6.000 Grün-WählerInnen sind ehemalige NichtwählerInnen, 3.000 Stimmen kommen vom BZÖ.

Das Team Stronach kann bei seinem ersten Antreten in Salzburg 8,4% der Stimmen auf sich vereinen. Davon kommen 6.000 von der FPÖ, je 5.000 von ÖVP und SPÖ und je 2.000 von den Grünen, dem BZÖ und NichtwählerInnen von 2009.  (red, derStandard.at, APA/5.5.2013)

  • SORA-Wahltagsbefragung und Wählerstromanalyse Landtagswahl Salzburg 2013

    Grundgesamtheit: Wahlberechtigte zur Landtagswahl Salzburg 2013

    Art der Erhebung: telefonische Interviews (CATI)

    Befragungszeitraum: 2. Mai abends bis 5. Mai 2013 mittags

    Durchführung der Interviews: IPR (Institute for Panel Research)

    Stichprobe: n=1.227 (repräsentative Zufallsauswahl)

    Gewichtung der Daten: soziodemographisch (Geschlecht, Alter, Bildung, Erwerb), Landtagswahl 2009 Hochrechnung um 17:10 Uhr, Schwankungsbreite: max. 2,8%

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  • Peter Hajek: Motive zur Salzburger Landtagswahl

    Auftraggeber: ATV Privat TV

    Methode: Telefonische Befragung

    Zielgruppe: Salzburger Bevölkerung ab 16 Jahren

    Stichprobengröße: 1.000 Befragte

    Maximale Schwankungsbreite der Ergebnisse: +/- 3,1%

    Feldarbeit: 30. April – 4. Mai 2013 (Durchführung IGF-Institut)

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