"Meilenstein" wider das Vergessen

5. Mai 2013, 18:11
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Gedenkort und zwei neue Dauerausstellungen in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen eröffnet - Heer besetzt Heldenplatz am 8. Mai

Mauthausen - Der Frühling zeigt sich an diesem Sonntagnachmittag von seiner besten Seite: Der Himmel strahlt blau, die Sonne wärmt angenehm. Und trotzdem herrscht ein Gefühl der Beklemmung vor. 68 Jahre sind seit dem Tag der Befreiung von der Nazi-Herrschaft vergangen. Und doch ist an diesem Sonntag die Vergangenheit im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen fast furchterregend präsent. Überlebende marschieren heute mit ihren gestreiften Häftlingskappen, gestützt von ihren Angehörigen, über den ehemaligen Appellplatz des einstigen NS-Vernichtungslagers.

Am Sonntag wurden im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen nach fünfjähriger Entstehungszeit unter großer internationaler Beteiligung ein neuer Gedenkort und zwei neue Dauerausstellungen offiziell eröffnet. Damit soll die Geschichte und das Vermächtnis der Überlebenden lebendig gehalten werden. Im Zentrum des neu gestalteten Bereichs steht dabei unter anderem der "Raum der Namen": Dort sind 81. 000 Opfer, die in Mauthausen von den Nazis umgebracht wurden, namentlich aufgelistet, in Originalsprache und -schrift, ungeordnet und dicht aneinander.

Am Festakt selbst nahmen neben 30 Überlebenden rund 500 Ehrengäste teil - darunter die israelische Justizministerin Zipi Livni, der ungarische Staatspräsident János Áder und der polnische Präsident Bronislaw Komorowski. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) betonte, dass es mit dem neuen Ausstellungskonzept gelungen sei, "das Vermächtnis der Überlebenden für nächste Generationen zu erhalten". Die Eröffnung sei " ein großer Meilenstein in der Geschichte der Gedenkstätte Mauthausen".

Bundespräsident Heinz Fischer sagte, dass in den Nachkriegsjahren "das Bemühen um restlose Aufklärung aller Nazi-Verbrechen, um eine angemessene Entschädigung der Opfer der NS-Zeit nicht so konsequent war" . Erst in den Achtzigerjahren hätten Politik und Wissenschaft damit begonnen, sich "verstärkt und umfassend mit dem Horror des NS-Staates und der österreichischen Mitverantwortung auseinanderzusetzen". Fischer: " Spät, aber nicht zu spät."

Die Überlebenden und Angehörige der Opfer übergaben den Verantwortlichen der Ausstellung im Rahmen des Festaktes auch eine sogenannte "Zeitkapsel" , in die sie persönliche Erinnerungsgegenstände platzierten. Die Kapsel wird als Mahnmal für nachfolgende Generationen gleich zu Beginn der neuen Ausstellung aufgestellt.

Heer verdrängt Schlagende

Das Bundesheer wird am 8. Mai, dem Gedenktag zum Ende des Zweiten Weltkriegs, eine Mahnwache bei der Krypta am Heldenplatz abhalten - und zwar den ganzen Tag. Das hat Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) via Kleine Zeitung angekündigt. Damit ist der Platz an diesem Tag besetzt, das umstrittene "Totengedenken", an dem vor allem schlagende Burschenschaften teilnehmen, kann nicht stattfinden. Auch am Abend ist der Heldenplatz bereits gebucht: Da werden die Wiener Symphoniker auf Betreiben des Mauthausen-Komitees ein Konzert unter dem Titel "Fest der Freude" veranstalten. Klug sagte, das Heer wolle mit seiner Mahnwache " der Opfer des Faschismus gedenken", für "einschlägige Gruppierungen" dürfe kein Platz sein. Die FPÖ hat bereits protestiert, damit sei die verfassungsmäßige Versammlungsfreiheit gefährdet. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 06.05.2013)

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    Israels Justizministerin Zipi Livni besuchte Mauthausen.

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