Der Kapitalist als Märtyrer

5. Mai 2013, 17:15
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"Die fetten Jahre sind vorbei" im Linzer Theater Phoenix

Linz - Dabei beginnt es vielversprechend: eine Leinwand als Projektionsfläche, hinter der die Schauspieler als Silhouette agieren und sich mittels scharfer Messer den Weg auf die Bühne freischneiden. Politische Parolen hinterlassen keine Spuren und haben kaum Wirkung, denn auch sie sind nur projiziert und nicht auf den Wänden manifest.

Diese erste Bühnenbildschicht wird eingerissen - dahinter liegt der Salon einer Villa. Jan (Felix Rank) und Peter (Matthias Hack) brechen als "Die Erziehungsberechtigten" in die Häuser der Reichen ein, wo sie zwar nichts stehlen, allerdings Möbel und Wertgegenstände zu mahnenden Götzen-Installationen auftürmen.

Eine dieser Villen gehört Hardenberg, dem Jule (Lisa Fuchs) 100.000 Euro schuldet, weil sie sein Auto zu Schrott gefahren hat. Jule überredet Jan, während Peters Abwesenheit in diese Villa einzusteigen. Alles geht schief, Hardenberg kommt unerwartet nach Hause, erkennt Jule, wird bewusstlos geschlagen und entführt.

So weit die Geschichte, die Hans Weingartners Film Die fetten Jahre sind vorbei aus dem Jahr 2004 erzählt. In der Bühnenfassung von Gunnar Dreßler bringen die Linzer Revolutionäre ihren Hardenberg allerdings auf eine Müllhalde anstatt auf eine Almhütte. Von da an geht's bergab: Ein herumliegendes mannshohes Kreuz wird dem Millionär auferlegt, samt Mülldornenkrone wird er die Halde hochgejagt und muss eine Zeitlang mit heruntergelassenen Hosen am Kreuz stehen, singen und spielen.

Eduard Wildner nimmt man allerdings auch sitzend und angezogen die eigene revolutionäre 68er-Vergangenheit nicht ab, und schon gar nicht Sätze wie: "Vor dreißig Jahren hätten wir gerne mal so einen Bonzen in der Mangel gehabt. Und jetzt sitz ich selber hier. Das ist - schon komisch."

Blöd nur, dass eine Kraft dieser Geschichte eben dort liegt, wo sich zwei Generationen gegenüberstehen und an den jeweiligen Projektionen erkennen. Bei Hirzenberger aber wird der Kapitalist bloß zum Märtyrer und revoltierende Jugendliche zu computerspielenden Doofis - sie sind sogar zu dämlich zum Essenkaufen (Tiefkühlpizza, aber kein Backrohr, oje ... ). (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 6.5.2013)

Nächste Termine: 8./9./10.5.

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