"Google Glass": Liebe, Hass und Ahnungslosigkeit

5. Mai 2013, 13:16
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Bisherige Reaktionen zeigen vor allem die Schwierigkeit objektiver Einschätzung neuer Produkttypen

In den vergangenen Wochen hat Google damit begonnen, die ersten Exemplare seiner Datenbrille "Google Glass" an Außenstehende zu vergeben. Entsprechend trudeln nun nach und nach die ersten unabhängigen Einschätzungen, sowohl von Personen, die die aktuelle "Explorer Edition" ihr eigen nennen, aber auch von so manch externen BeobachterInnen ein.

Hype? Revolution?

Und das Verdikt könnte hier nicht unterschiedlicher ausfallen. Während die einen - wie der notorisch begeisterte Tech-Blogger Robert Scoble - darin geradezu eine technologische Revolution ausmachen wollen, halten andere Glass schlicht für "unnötig" beziehungsweise einen vorübergehenden Hype. Doch wer davon hat nun recht? Keiner - so sieht es zumindest das US-Tech-Blog Techcrunch.

Realitätscheck

Der simple Fakt sei, dass man den Erfolg oder Misserfolg von Google Glass derzeit noch gar nicht abschätzen könne. Momentan handle es sich um einen Prototypen, dessen Alltagstauglichkeit sich erst zeigen müsse, eine interessante Idee der aber noch die "Killer-App" fehlt. Erst wenn es EntwicklerInnen gelingt, "begeisternde" Anwendungen zu finden, die mit Smartphone und Co. nicht möglich wären, dann kann Glass auch ein Erfolg im Massenmarkt werden.

Experimentell

Das weiß natürlich auch Google selbst, entsprechend richtete sich die "Explorer Edition" primär an App-EntwicklerInnen. Wer glaubt schon jetzt ein Urteil über den Erfolg von "Glass" im Massenmarkt abgeben zu können, sollte daran erinnert werden, dass die derzeitige Variante diesen wohlweislich gar nicht anvisiert.

Schwierige Einschätzung

Die aktuellen Reaktionen auf Google Glass verdeutlichen aber noch etwas anderes: Wie schwer sich auch Profis mit der Einschätzung gänzlich neuer Produkttypen tun. Ohne Bezugsrahmen ist es einfach ziemlich schwer, ein solche neues Produkt in seinem vollständigen Potential zu fassen. Schon eine herausragende Anwendung könnte alles verändern.

Unsicherheit

In diesem Zusammenhang erinnert Techcrunch an den Test des ersten iPhones bei CNET: Im Fazit hieß es damals, dass das iPhone trotz diverser Probleme eine Messlatte für die "Kombination aus Mobiltelefon und MP3-Player" setze - ein Blickpunkt der im Nachhinein etwas seltsam anmutet. Immerhin war es im Endeffekt die Welt der "Apps" und nicht der mitgelieferte Musik-Player, der dem iPhone zum Siegeszug verhalfen. Und dann wäre da natürlich die legendäre erste Reaktion von Microsoft-Boss Steve Ballmer, der das iPhone kurz nach seiner Vorstellung noch offensiv verlachte.

Insofern lautet die Devise derzeit: Abwarten. Ob Google Glass ein Erfolg wird oder nicht, entscheidet sich nicht heute. Und wer meint dies jetzt schon zuverlässig prognostizieren zu können, hat eigentlich nur Eines: Unrecht. (red, derStandard.at, 05.05.13)

  • Google Glass.
 
    foto: google

    Google Glass.

     

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