Mit Fonds in Betongold investieren

5. Mai 2013, 16:59
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Während die Immobilienpreise stetig steigen, schneiden Fonds sehr durchmischt ab. Eine genaue Analyse ist erforderlich

Niedrige Zinsen, die Flucht in Substanzwerte und die politische Debatte um die Ankurbelung der Bautätigkeit vor der Nationalratswahl. Diese Trends bieten einen guten Nährboden dafür, ein Investment in Immobilien zu erwägen. Tatsächlich sind Wohnungen und Häuser aktuell die wohl begehrteste Anlageklasse. Seit 2007 sind die Preise für Immobilien in Wien etwa um 53 Prozent gestiegen (Quelle: OeNB). Das entspricht einem jährlichen Preiszuwachs von 7,4 Prozent. Grund genug sich anzusehen, wie Investoren mit Fonds in Immobilien investieren können.

Eines vorneweg: Mehr noch als bei den meisten anderen Anlageklassen müssen sich Anleger bei Immobilienfonds vor dem Investment informieren. Ein Blick auf die Erträge von verschiedenen Produkten seit März 2008 zeigt, dass sich einzelne Fonds drastisch unterscheiden. Manche, wie der heimische Fonds Real Invest Austria, mit Abstand der größte seiner Art in Österreich, sind eher mit einem Geldmarktprodukt zu vergleichen. Kontinuierlich und unaufgeregt hat er in den vergangenen fünf Jahren knapp 3,5 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaftet. Hier erhalten Anleger stetig Mieteinnahmen. Andere Fonds aber haben deutliche Verluste verzeichnet: der schwächste der 14 Fonds in dem aktuellen Vergleich, der für derstandard.at von Lipper durchgeführt wurde, hat 28 Prozent an Wert in den vergangenen fünf Jahren verloren. Bei einer Mietzinsausfallsrate von über 20 Prozent mussten die Anleger durch die Finger schauen.

Wo höheres Risiko liegt

Ein Risikofaktor ist etwa die Art der Immobilien, die in einem Fonds gebündelt werden. Sie reichen von Wohnimmobilien über Bürogebäude bis zu Seniorenheimen. Wer sich etwa nur kommerzielle Immobilien aus einem Land ins Portfolio legt, muss damit rechnen, dass das Risiko im Falle eines Konjunkturabschwungs sehr hoch ist. Mehr Risiko geht auch ein, wer in Immobilienentwicklung investiert. Diversifikation tut daher auch bei Immobilien not.

Doch es gibt bei Immobilienfonds noch einen zweiten Haken: die Liquidität. Wer ein Wertpapier kauft, möchte es auch dann wieder verkaufen können, wenn das Geld gebraucht wird. Die aktuelle Krise hat gezeigt, dass auch "offene Immobilienfonds" Probleme bekommen, wenn zu viele Anleger gleichzeitig verkaufen möchten. In Deutschland etwa sind eine Reihe von Produkten (derstandard.at berichtete) geschlossen und später abgewickelt worden. Denn Immobilien sind und bleiben Sachanlagen. Ein Bürogebäude lässt sich nicht so schnell verkaufen wie ein Aktienpaket, für das eine liquide Börse besteht.

US-REITs gewinnen Gewicht

Auch daher gewinnen wohl Immobilien-Aktienfonds oder US-amerikanische REITs (Real Estate Investment Trusts) in vielen Portfolios an Bedeutung. Diese aktiven, und auch passiven, Fonds investieren in Immobilienaktien. Diese haben sich in den vergangenen fünf Jahren durchwegs besser als die breiten Märkte entwickelt. In Europa etwa liegt der europäische Immobilienaktienindex (FTSE Nareit Europe) mehr als 15 Prozent im Plus, der Aktienindex Euro Stoxx hingegen 15 Prozent im Minus. Der Vorteil im Vergleich zu den direkten Immobilieninvestments. Sie sind liquide und lassen sich jederzeit wieder abstoßen.

Die höhere Liquidität kaufen sich Anleger freilich mit einer höheren Schwankung ein. Immobilienaktien sind und bleiben Aktien. Die haben in einer Krise gut und gerne 50 Prozent ihres Wertes eingebüßt. (Lukas Sustala, derStandard.at, 5.5.2013)

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    Diversifikation tut auch bei Immobilien not.

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