Doku zur NS-Aufarbeitung: Trauma und Scham

3. Mai 2013, 19:15
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Mechanismen der Verdrängung: NS-Opfer sprechen am 4. Mai über das Unaussprechliche

Die Kärntner Slowenin Katja Sturm-Schnabl musste als Kind miterleben, wie ihre kleine Schwester starb: in den Armen der Mutter. Getötet von einem KZ-Arzt mittels Injektion. Mutter und Tochter konnten das Trauma nie verwinden - auch nicht darüber sprechen. Die Enkelin übernahm die (unausgesprochenen) Wunden - und brach mit ihren drängenden Fragen das Schweigen.

So wie die junge Kärntner Slowenin fragten auch eine junge Jüdin und eine Romni nach, was ihren Großmüttern und Großvätern in den Vernichtungslagern der NS-Schergen widerfahren war und warum die Opfer schwiegen.

In ihrem Dokumentarfilm Schatten der Scham (Sence sramote) beschäftigt sich Sabina Zwitter-Grilc vor allem mit den Mechanismen der Verdrängung des unaussprechlichen Entsetzens, das alle drei Opfergruppen eint. Filmemacherin Zwitter, die selbst der slowenischen Volksgruppe entstammt, packt die Erzählungen der Opfer und ihrer Nachfahren in großformatige Bilder. Das Erlittene spiegelt sich in Gesichtern voller Melancholie - ohne ostentative Anklage.

Aber nicht nur Betroffene, auch Künstler und Schriftsteller wie Peter Handke, Maja Haderlap, Lilly Brett, André Heller und Harry Belafonte kommen zu Wort. "Die Opfer schämen sich, das ist der Trick der Peiniger", meint Handke. Für Heller erscheinen die Opfer als "Mahnmale, die keiner sehen wollte". Und so seien die Opfer immer wieder neue Opfer geworden. Für sie gibt es nur Heilung, wenn derartiges nie wieder passieren kann. Sonst war ihr Opfer vergebens: ein Resümee, das in der Doku eindrucksvoll gelingt. Zu sehen in ORF 3 am Samstag, den 4. Mai um 20.15 Uhr.  (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 3.5.2013)

  • Mädchen hinter Gitter.
    foto: orf/marco zwitter

    Mädchen hinter Gitter.

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