In der Egofalle

3. Mai 2013, 19:07
15 Postings

"Extradienst"-Herausgeber Mucha tituliert Fernsehdirektorin Kathrin Zechner als "Hyäne", die "in menschenverachtender Weise mit ihren Mitarbeitern umgehe"

Wenn der Herausgeber des Branchenblattes "Extradienst", Christian W. Mucha, einmal vor jemandem den Hut lüftet, dann muss es sich schon um erlesene Persönlichkeiten mit ganz besonderen Fähigkeiten handeln. Kritisch, wie er ist, lüftet er seinen Hut nicht vor jedem oder jeder. Eine der sozial auffälligeren seiner Hutlüftungen fand, wie in dieser Kolumne erwähnt, vor einiger Zeit unter dem Titel "Piss me, Kate!" vor Frau Kathrin Zechner statt. Sie galt speziell der "Hyäne", die "in unvorstellbarer, menschenverachtender Weise mit ihren Mitarbeitern umgehe, was diese, wie einer Mitteilung gemäß § 8a Absatz 5 Mediengesetz" im aktuellen "Extradienst" zu entnehmen ist, zu einer Klage wegen übler Nachrede und Beschimpfung bewog.

Diese Reaktion dürfte in Mucha eine Zechner-Besessenheit ausgelöst haben, denn in einer Nachbetrachtung zur sogenannten Romy-Gala des "Kurier" berichtete er von einer erschütternden Entdeckung. "Bei der Gala fiel auf, dass die Meistgezeigte im ORF-Bild Kathrin Zechner war, der "Dank" von allen Seiten zuströmte. Umso erstaunlicher, dass ich, bei intensivster Durchforstung der Gesamt-"Kurier"-Berichterstattung (die sich über mehrere Tage zog), weder ein Foto noch eine Erwähnung im Text über sie fand (?!)".

Allein die intensivste Durchforstung der Gesamt-"Kurier"-Berichterstattung, noch dazu, wo sie sich "über mehrere Tage zog", weist auf eine masochistische Neigung hin, die sich zum Exzess steigert, wenn der Durchforster dabei von der Sucht nach einem "Foto" oder wenigstens der "Erwähnung" einer von ihm ins Tierreich beförderten Person getrieben ist. Wer sonst sollte sich einer solchen Mühe aussetzen, die nichts mehr an Erkenntnis bringt, als ohnehin bekannt ist: Dass der "Kurier" der "Kurier" und der ORF der ORF ist.

Die Absenz der "Hyäne" im "Kurier" war aber nicht das Einzige, das dem Romy-Berauschten auffiel. "Noch etwas war auffallend: Nämlich, dass die "Krone" über die Romy-Gala nichts brachte (da gibt's doch eine gemeinsame Mutter namens Mediaprint?!), der schärfste Konkurrent des "Kurier", "Österreich", aber über das Fest berichtete." Wolfgang Fellner ist eben bekannt für seinen Hang zu objektiver, von jeder Mutter unabhängiger Berichterstattung, daher: "Chapeau!"

Das sollte jetzt aber keine Spitze gegen die "Krone" sein. Daher galt es, noch einmal zum Hut zu greifen. "Den Hut muss ich dann aber schlussendlich" - er brauchte noch ein paar Zeilen, um die Kolumne vollzumachen - "auch vor der "Kronen Zeitung" und ihrer Star-Schreiberin Marga Swoboda lüften, die am letzten Wochenende in einer unfassbar gut geschriebenen Reportage das neue Buch "Die Narzissmusfalle" von Primar Reinhard Haller vorgestellt hat."

Es kann keinesfalls das Thema Narzissmus gewesen sein, das Mucha in seinen Bann schlug. Bei ebenso objektivem wie niemals getrübtem Sinn für Qualität war es zweifellos die Unfassbarkeit der "gut geschriebenen Reportage. Das größte Geheimnis in unserem Geschäft ist ja, dass man die Leser nicht verliert. Bei der Swoboda bleibt man atemlos bis zur letzten Sekunde dran. Und erfährt, wie leicht man in die Egofalle tappt."

Es muss die "unfassbar gute" Schreiberin der "Kronen Zeitung" glücklich machen, Christian W. Mucha als Leser nicht verloren zu haben, weil er "atemlos bis zur letzten Sekunde" dranblieb, um zu erfahren, wovon er bis dahin nicht die geringste Ahnung hatte, nämlich wie "leicht man in die Egofalle tappt". Chapeau!

Schade, dass über dieser Schwärmerei für die Frau, bei der man "atemlos bis zur letzten Sekunde dranbleibt", andere Talente der "Kronen Zeitung" von Mucha diesmal unerwähnt blieben, wie etwa Dieter Kindermann, der am Sonntag "in einer unfassbar gut geschriebenen Reportage" Restlverwertung in Sachen Team Stronach betrieb. "Auf der Terrasse des "Fontana"-Klubhauses in Oberwaltersdorf. Umgeben von See, Golfanlage, und dem Schneeberg als Kulisse. Plötzlich ein Donnergrollen. Nebel fällt ein, Regen setzt ein, prasselt auf einen Sonnenschirm, unter dem wir sitzen. Dr. Kathrin Nachbaur, 34, Frank Stronachs engste Vertraute, schreckt das nicht."

Warum auch? "Sie ist eine der wenigen, der Frank völlig vertraut", was daher kommt, dass sie "mit Frank ein Vertrauensverhältnis, das über viele Jahre gewachsen ist", hat. Sie ist nicht nur eine besonders attraktive Frau, sondern auch "Franks "Vizekanzlerin", weshalb es "Gerüchte gibt, wonach Kathrin Nachbaur den Job eines Justizministers anstrebe. Da bleibt man atemlos dran: Wie leicht man in die Egofalle tappt!" (Günter Traxler, DER STANDARD, 27./28.4.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.