Auch Gemeinnützige gegen "Prinzip Baurecht"

3. Mai 2013, 18:08
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gbv-Obmann Karl Wurm weist darauf hin, dass sich die Stadt auch die Errichtung sozialer Infrastruktur leisten können muss

Die am Donnerstag von den Wiener Grünen vorgeschlagene neue Wiener Grundstückspolitik wirft für viele Beobachter weiterhin mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Wie berichtet, hat das SP-geführte Wohnbauressort arge Bedenken, was (unter anderem) die Finanzierung des Grundstücksfonds betrifft, wenn Grundstücke nur noch im Baurecht vergeben werden sollten.

Mehr Zweifel als Begeisterung lässt die Idee auch beim Obmann des Verbands Gemeinnütziger Bauvereinigungen (gbv), Karl Wurm, aufkommen. Es sei selbstverständlich immer zu begrüßen, wenn Baugrund günstiger werde, sagt er am Freitag zu derStandard.at. Und die Stadt Wien vergebe ja schon seit mehreren Jahren sehr aktiv Grundstücke im Baurecht – im vergangenen Jahr waren etwa von insgesamt 5.000 bewilligten Wohneinheiten 2.500 davon betroffen, also genau die Hälfte.

Knackpunkt soziale Infrastruktur

Daraus ein "Prinzip" zu machen, wie es den beiden Grünen David Ellensohn und Christoph Chorherr vorschwebt, dagegen hegt der gbv-Obmann allerdings massive Bedenken. "Die Frage ist, ob sich die Stadt das auf Dauer leisten kann. Schließlich muss sie neben der Förderung des Wohnbaus auch die nötigen Mittel für den Ausbau der sozialen Infrastruktur wie Schulen, Kindergärten etc. bereitstellen." Er selbst habe etwa gerade ein Projekt in der "Pipeline", das vorerst nicht gefördert werden könne, weil die soziale Infrastruktur fehlt. "Es ist immer notwendig, das Gesamte zu sehen. Grundstücke, Widmungen, Infrastruktur, Bauqualität, Anrainer – alles hängt zusammen", sagt Wurm.

Und noch etwas spricht für ihn dagegen, ein Prinzip "Baurecht vor Verkauf" einzuführen: "Die Stadt hat ja auch viele Liegenschaften, die für geförderten Wohnbau zu klein sind. Die eigenen sich viel besser für den Verkauf an Bauträger, die dort dann freifinanzierten Wohnbau umsetzen." (map, derStandard.at, 3.5.2013)

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