Regulatoren machen Druck auf JPMorgan

Der Fall Madoff, Milliardenverluste mit Derivaten und jetzt noch manipulierte Energiepreise. Aufsichtsbehörden nehmen die US-Bank in die Mangel

New York / Wien - JPMorgan kommt nicht aus den Schlagzeilen. Die größte Bank der USA ist erneut unter dem Brennglas der Regulierungsbehörden. Diesmal untersucht die Federal Energy Regulatory Commission, eine Energieaufsichtsbehörde, ob JPMorgan die US-Energiemärkte manipuliert hat. Das wirft der Aufseher der Bank in einem Dokument, aus dem die New York Times zitiert, vor. Energiehändler in Houston sollen 2010 und 2011 Energiepreise falsch kalkuliert haben und so 83 Millionen Dollar an " exzessiven Einnahmen" lukriert haben.

Im Fokus der Untersuchung steht vor allem Chefin der Abteilung Rohstoffe bei JPMorgan, Blythe Masters. Sie soll in dem Energieskandal unter Eid gelogen haben. Die gebürtige Britin gilt als Koryphäe an der Wall Street und als Erfinderin der Kreditausfallversicherungen (CDS), die zur Finanzkrise beigetragen haben und von Investmentlegende Warren Buffett als "finanzielle Massenvernichtungswaffen" bezeichnet werden.

Spekulationsverluste und Krisennachwehen

Die jüngste Untersuchung reiht sich in eine lange Liste von Kontroversen um die Bank. Vor genau einem Jahr wurde etwa publik, dass ein Händler von JPMorgan eine außergewöhnlich große Position in einem exotischen Derivatemarkt ausgebaut hatte. Die Bank musste die große Position abbauen und baute dabei einen Verlust von sechs Milliarden Dollar. Die Spekulationsverluste beschäftigen Regulatoren genauso wie Nachwehen der Finanzkrise.

So untersucht die Bankenaufsicht OCC JPMorgan in zwei Fällen: Einerseits soll die Bank beim Eintreiben von Kreditkartenschulden unrechtmäßig vorgegangen sein. Andererseits wird dem Geldhaus vorgeworfen, dass es als Hausbank des Betrügers Bernard Madoff zu wenig unternommen hat, um das Pyramidenspiel aufzudecken. Dabei könnte die Bank ein Bundesgesetz verletzt haben, das Institute dazu zwingt, verdächtige Transaktionen auf Konten rasch an die Behörden weiterzuleiten. Laut Medienberichten laufen von acht verschiedenen Aufsichtsbehörden Untersuchungen gegen JPMorgan.

Vertreter des OCC und der New Yorker Fed sollen bei einem Treffen im April den Vorständen mitgeteilt haben, dass sie ihnen nicht länger vertrauen. Vorstands-Chef Jamie Dimon etwa hatte nach Bekanntwerden der Wetten die milliardenschwere Position der Bank in exotischen Derivaten als "Sturm im Wasserglas" bezeichnet. Die OCC stuft das JPMorgan-Management auf einer internen Bewertungsskala nur noch als " mittelmäßig" ein. (sulu, DER STANDARD; 4.5.2013)

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