Weiterhin einkaufen über alle Kanäle

3. Mai 2013, 18:36
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Beim Shoppingcenter-Symposium diskutierten internationale Experten über den Statuts quo und die Zukunft des stationären Handels in Europa

Wie die Zukunft der europäischen Shoppingcenter aussehen könnte, war Thema eines einschlägigen Symposiums am 25. April 2013. Das Beratungsunternehmen RegioPlan hatte Experten aus dem In- und Ausland geladen, die in Diskussionsrunden und Vorträgen umfassend Input zum Thema Multi-Channeling lieferten.

"Gerade wenn es um die Zukunft des Einzelhandels und der Shoppingcenter geht, kommt man daran nicht vorbei", sagte Michael Oberweger von RegioPlan Consulting im Gespräch mit dem STANDARD. "Es geht um den Trend, den Online-Handel mit dem stationären Handel zu verbinden und den Kunden über mehrere Kanäle zu erreichen."  Das könne ein Social-Media-Kanal sein, eine Verkaufsplattform oder die Kombination von Produktwerbung im Internet und Abholung im Shop, führte Oberweger weiter aus. "Es ist der Versuch, den Kundennutzen zu erhöhen und den Kunden dort abzuholen, wo er die Möglichkeit für einen Einkauf hat." Dank Smartphone quasi überall.

E-Commerce wächst rasch

Diverse Zahlen und Studien belegen, dass sich durch die Angebote des Online-Handels das Verhalten der Konsumenten verändert. Die E-Commerce-Märkte wachsen rasch. So belegt eine E-Commerce-Studie des EHI Retail Institute aus dem Jahr 2012, dass bei Wachstumsraten von 28 Prozent die jeweils 250 umsatzstärksten Online-Shops in Österreich im Jahr 2011 Umsätze von 2,1 Milliarden Euro generierten. 2010 betrug der Umsatz noch 1,6 Milliarden Euro.

"Es gibt Prognosen, wonach der Anteil des Online-Handels in den nächsten zehn bis zwölf Jahren auf bis zu 30 Prozent steigen wird. Das geht zwangsläufig nur auf Kosten des stationären Handels", schilderte Oberweger. Ein Händler, der versucht, seinen Kundennutzen zu maximieren, wird über das Online-Geschäft nachdenken müssen und einen Teil seines Umsatzes ins Internet verlagern.

Miete gemäß Umsatz

Das stellt die Shoppingcenter-Betreiber vor Herausforderungen. Denn was der Händler zahlt, ist oft an den Umsatz gekoppelt. "Gerade Magnetmieter zahlen parallel zu ihrer Fixmiete noch Umsatzmiete. Wenn jemand gut verhandelt hat, dann zahlt er eine geringe Fixmiete, und die Umsatzmiete bleibt als Risiko beim Vermieter, das heißt, wenn der Umsatz weniger wird, wird automatisch die Miete für den Vermieter niedriger", erläuterte Oberweger.

Dennoch wollte beim Symposium, das rund 400 Besucher zählte, niemand das Ende der umsatzbezogenen Miete herbeireden. Denn der Löwenanteil der Handelsumsätze werde nach wie vor stationär getätigt, und für knapp zwei Drittel der deutschen Käufer beispielsweise bleibe das stationäre Geschäft nach wie vor die wichtigste Einkaufsquelle, wie eine kürzlich von der deutschen ECE Projektmanagement GmbH veröffentlichte Studie zeigt. ECE betreibt in Österreich unter anderem die Bahnhof-City Wien West.

Während der Vermieter aber keinen Einfluss auf den Umsatz habe, kann er sehr wohl für mehr Frequenz sorgen, etwa durch das Angebot von Erlebnis und Außergewöhnlichem, neben der Agglomeration vieler unterschiedlicher Shops. Ein zunehmend wichtiger Faktor, wie Oberweger sagt.

Zusatznutzen aufzeigen

Dabei geht es auch um den "Value Add", der in einer der Expertenrunden auf dem Symposium angesprochen wurde. Dieser soll bei der Suche nach dem USP der Kernbotschaft der jeweiligen Handelszone dienen. Der Expertentalk beschäftigte sich dabei nicht mit den sogenannten Prime-Assets, also den Toplagen wie der Wiener Kärntner Straße, sondern mit jenen Lagen, die in den letzten Jahren weniger Nachfrage verspürt haben. "Von Value Add spricht man dann, wenn das Verhältnis zwischen Rendite und Risiko mittelmäßig ausgeprägt ist", erläuterte Christoph Augustin, Managing Director der ECE Austria. Auch für eine Value-Add-Immobilie sei ein guter Standort sicher wichtig, führte er weiter aus. Vor allem müsse das Center aber noch Wertschöpfungspotenzial haben, beispielsweise durch eine Umstrukturierung oder Erweiterung.

Und was sagen die Investoren? "Investoren bewegen sich nach wie vor bevorzugt in liquiden und als sicher eingeschätzten Märkten", sagte Werner Zimmel aus der Abteilungsleitung für das kommerzielle Immobiliengeschäft der Bank Austria. "Bei knappem Angebot an Core-Immobilien weichen sie auch im Shoppingcenter- und Büro-Bereich auf Value-added-Investments aus."

Zutaten für den Erfolg seien vor allem gute Lage und professionelles Vorgehen mit passenden Konzepten zur Optimierung der Bebauung und Nutzung. "Wenig Erfolg werden Investoren haben, die Immobilieninvestments als reine Finanzinvestments betrachten", sagte Zimmel weiter. "In Wien sind Value-added-Investoren bereits seit Jahren erfolgreich unterwegs – das klassische Zinshaus ist ein Paradebeispiel dafür." (Markus Böhm, DER STANDARD, 4./5.5.2013)

  • "Erlebnis" ist ein zunehmend wichtiger Faktor beim Einkaufen. (Bild: Europapark Salzburg)
    foto: ses/christof lackner

    "Erlebnis" ist ein zunehmend wichtiger Faktor beim Einkaufen. (Bild: Europapark Salzburg)

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