Prozess in Linz: "Da sind schon ein bissi viele Spuren von Ihnen am Tatort"

3. Mai 2013, 17:43
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Ein 29-Jähriger soll seine Exfrau erwürgt und die Tat als Selbstmord getarnt haben. Der Angeklagte bestreitet dies - trotz vieler DNA-Spuren

Linz - Josef G. betritt ruhig und gefasst den großen Verhandlungssaal am Landesgericht Linz. Leicht untersetzt, die Haare kurz rasiert, das Jeanshemd im Brustbereich dem Anlass entsprechend zu weit offen. Ein suchender Blick zu den Eltern im Saal, ein kurzes Nicken. Dann nimmt der 29-Jährige vor Richter Rainer Nimmervoll Platz.

Bis zum Oktober 2012 verläuft das Leben von Josef G. durchaus beschaulich. Der Job als Schichtarbeiter, ein Auto, die eigene Wohnung, kaum Schulden, viele Freunde. Und eine gescheiterte Beziehung zu Sandra R. Die große Liebe sei die 26-Jährige gewesen. Sandra R. sieht dies damals offensichtlich anders und beendet die Liaison im Jahr 2009.

Fall als Suizid eingestuft

Josef G. leidet unter der Trennung, versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Der Kontakt zur Ex-Freundin bricht irgendwann ab, erst Ende Oktober 2012 gibt es wieder eine vorsichtige Annäherung. Man telefoniert, schickt SMS, trifft sich am 19. Oktober in Sandras Wohnung in Auberg im Bezirk Rohrbach. Am 23. Oktober wird die junge Frau von einer Arbeitskollegin und ihrer Vermieterin tot aufgefunden.

Mit einem Glätteisenkabel erhängt an der Türklinke der Badezimmertür. Die örtliche Polizei stuft den Fall klar als Suizid ein, kurz darauf wird Sandras Leichnam zur Beerdigung freigegeben. Doch die Familie der 26-Jährigen äußert Zweifel am Freitod. Daraufhin werden eine Obduktion angeordnet, Spuren gesichert und drei Wochen später Josef G. als Mordverdächtiger verhaftet.

Verdächtige Geräusche

In dem Indizienprozess wirft Staatsanwalt Stefan Weilguni nun dem 29-Jährigen vor, seine Ex-Freundin in der Nacht zum 23. Oktober getötet und die Tat als Selbstmord getarnt zu haben. Die Anklage lautet auf Mord, Josef G. bekannte sich am Freitag nicht schuldig.

Die Anklagebehörde zeigte sich davon unbeeindruckt: Das Motiv sei unerwiderte Liebe, Josef G. habe die von Sandra R. betriebene Trennung nie akzeptiert. Kurz vor dem Tod der jungen Frau soll sie ihm von einer neuen Beziehung erzählt haben. Da sei in dem Mann der Entschluss gereift: "Wenn ich sie nicht haben soll, soll sie auch kein anderer haben." Es gebe Zeugen, die zum Zeitpunkt der Tat Geräusche aus der Wohnung gehört haben sollen, die auf eine Auseinandersetzung schließen hätten lassen, führte Weilguni aus.

18 DNA-Spuren gefunden

Das Hauptargument der Anklage wiegt schwer: 18 DNA-Spuren des Angeklagten wurden an der Kleidung, am Körper der Toten und am Glätteisen gefunden. Für Verteidiger Andreas Mauhart nicht Beweis genug: Die DNA-Spuren seien übertragen worden, als der 29-Jährige Tage zuvor in der Wohnung der Toten war.

Gutachter hält Drittübertragung für unmöglich

"Ich war auf der Toilette und habe im Badezimmer das Glätteisen aus dem Waschbecken genommen. Dann habe ich mir die Hände gewaschen und in einem Handtuch abgetrocknet", schilderte der Angeklagte. Richter Nimmervoll: "Der Gutachter hält eine Drittübertragung aber für praktisch unmöglich. Da sind schon ein bissi viel Spuren von Ihnen am Tatort: Auf acht Fingern des Opfers, am Saum, am Kragen, am Hals ..." Verteidiger Mauhart setzt nach: "Alles Stellen, die vom Kabel berührt wurden."

Außerdem seien an der Leiche keine Spuren gefunden worden, die auf ein vorheriges Erdrosseln hinweisen würden. Mauhart: "Und die Wohnungstür war zweimal versperrt, die einzigen zwei Schlüssel haben sich drinnen befunden." Der Prozess wird am 10. und am 21. Mai fortgesetzt. Am letzten Prozesstag wird der Kriminalpsychologe Thomas Müller sein Gutachten präsentieren. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 4./5.5.2013)

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    Eine letzte Strategiesitzung vor dem Start des Indizienprozesses: Angeklagter Josef G. (links) mit Verteidiger Andreas Mauhart.

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