Win-win-Situation: Option auf Freizeit statt Geld

3. Mai 2013, 17:11
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Mit dem Abschluss der Kollektivvertragsverhandlungen haben die Beschäftigten der Elektro- und Elektronikindustrie erstmals die Chance, die Lohnerhöhung in Form von Freizeit zu konsumieren

Die Elektro- und Elektronikindustrie zeigt nicht nur bei der Entwicklung neuer Produkte einen innovativen Geist, auch in der Gestaltung der arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen beschreitet die Branche immer wieder neue Wege. Schon bisher konnten die rund 60.000 Beschäftigten der Elektro- und Elektronikindustrie (EEI) bei den jährlichen kollektivvertraglichen Ist-Lohn- bzw. -Gehaltserhöhungen zwischen einer Einmalzahlungs- oder einer Verteilungsoption wählen. Mit dem diesjährigen Abschluss der KV-Verhandlungen kommt für die Beschäftigten der Branche noch eine dritte Option, die sogenannte Freizeitoption, dazu. Auf Grundlage einer Betriebsvereinbarung kann erstmals statt der Ist-Erhöhung zwischen Betrieb und Mitarbeiter Freizeit im gleichwertigen Ausmaß vereinbart werden. ?

Mit 1. Mai sind die Ist-Löhne und -Gehälter zwischen 2,8 und drei Prozent gestiegen. Bei Vollzeitbeschäftigung entsteht umgerechnet pro Monat ein Freizeitanspruch von rund fünf Stunden. Aufgerechnet auf ein Jahr kommt somit über eine Woche mehr Freizeit dazu.

Win-win-Situation

Dieses "innovative Flexibilisierungsinstrument" solle insbesondere älteren Beschäftigten zugutekommen, heißt es vonseiten des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI). Die Resonanz auf diese Möglichkeit war sehr gut und hoch, sagt Lothar Roitner, Geschäftsführer des FEEI. Noch nie habe der Abschluss von Kollektivvertragsverhandlungen zu so viel positivem Feedback sowohl von den Beschäftigten als auch von den Unternehmen geführt, ergänzt er.

Mit dem erzielten Ergebnis wird einmal mehr die Vorreiterrolle der Branche bei der Gestaltung von modernen arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen unterstrichen, die einen wichtigen Beitrag zur Standortsicherung, Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und damit auch Wertschöpfung der Branche leisten, ergänzt Brigitte Ederer, im Vorstand der Siemens AG und Obfrau des FEEI.

Bei diesem Abschluss seien beide Verhandlungspartner über ihren Schatten gesprungen. "Von Arbeitgeberseite deshalb, weil dadurch quasi eine Arbeitszeitverkürzung stattfindet, und vonseiten der Gewerkschaft, weil sie zugelassen hat, dass mehr Freizeit weniger Geld bringt", sagt Roitner. Für beide Seiten können sich so neue Möglichkeiten eröffnen. Und viele Unternehmen haben vor, diese Möglichkeit auch ihrer Belegschaft nicht vorzuenthalten. (ost)

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    Brigitte Ederer und Lothar Roitner vom FEEI.

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